Job-Misere: Das „Herz der Hartz-Reform“ enttäuscht

Job-Misere
Das „Herz der Hartz-Reform“ enttäuscht

Die Anlaufschwierigkeiten sind größer als erwartet. Dass die Idee „vermittlungsorientierten Zeitarbeit“ durch die Personalserviceagenturen die Wende am Arbeitsmarkt bringen könnte, ist nicht erkennbar. Die SPD sieht dennoch keinen Grund, an dem Modell zu zweifeln.

dc BERLIN. Wer gerne polemisch argumentiert, stellt folgende Rechnung an: Die neuen Personalserviceagenturen (PSA) haben im Auftrag der Arbeitsämter bis Ende vergangenen Jahres genau 5 439 Arbeitslose in neue Jobs vermittelt. Gleichzeitig weist die Bundesagentur für Arbeit (BA) dafür Kosten von 174 Mill. Euro aus. Das macht nicht weniger als 31 990 Euro pro Erfolgsfall.

Die Rechnung ist nicht ganz korrekt, weil die BA im Gegenzug auch bei den anderen gut 30 000 PSA- Klienten, die derzeit auf Vermittlung warten, unter anderem Arbeitslosenunterstützung spart. Sie zeigt aber: Das Modell PSA, einst als „Herzstück der Hartz-Reform“ gepriesen, ist bisher alles andere als ein Erfolgsmodell. Dass die Idee der mit Beitragsgeld geförderten „vermittlungsorientierten Zeitarbeit“ die Wende am Arbeitsmarkt bringen könnte, ist nicht erkennbar.

„Die Anlaufschwierigkeiten sind größer als erwartet“, urteilt Johannes Jakob, Arbeitsmarktexperte des Deutschen Gewerkschaftsbundes, und qualifiziert den PSA-Ansatz im Vergleich mit anderen Vermittlungsinstrumenten als „relativ teuer“. Ein Dreivierteljahr nach dem Start der ersten Personalserviceagentur zeige die Erfahrung: „Das Modell eignet sich zwar für einige bestimmte Zielgruppen von Arbeitslosen – es ist aber kein Masseninstrument.“

Für die CDU ist der Fall längst klar.

„Wir brauchen keine staatlich subventionierten Leiharbeitsfirmen“, betont ihr Arbeitsmarktpolitiker Karl-Josef Laumann und erinnert daran, dass eigentlich bereits 50 000 Arbeitslose mittels PSA in neue Jobs gelangt sein sollten. Tatsächlich sind seit April zwar insgesamt 43 600 Arbeitslose an eine von 969 PSA zugewiesen worden, um sich darauf vorzubereiten. Für Laumann aber „Augenwischerei“: „Die PSA dienen vor allem dazu, die Arbeitsmarktstatistik zu schönen“ – die Arbeitsuchenden gelten bereits bei der PSA nicht mehr als arbeitslos, was die Arbeitslosenzahl senkt.

Die BA rechnet anders. Sie stellt die 5 400 Vermittlungserfolge den insgesamt 12 000 Menschen gegenüber, deren zeitweilige Anstellung bei einer PSA inzwischen wieder beendet ist. So kommt sie auf eine „Integrationsquote“ in den Arbeitsmarkt von 44 % und entschuldigt die niedrigen absoluten Zahlen mit der schwachen Konjunktur.

Dass Zeiten des Personalabbaus keine günstige Startphase waren, bestreiten auch PSA-Kritiker nicht. Umso weniger Verständnis zeigt Alexander Spermann vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) aber für die „Rechenkunststücke“ der BA: „Da wird phantasiereich ein Erfolgsindikator kreiert, der falsche Vorstellungen weckt.“ Dabei sage schon die Zahl von 5 400 wenig aus. Schließlich wisse man weder, ob die Betroffenen wirklich dauerhaft in den Arbeitsmarkt integriert würden, noch sei klar, ob eine Vermittlung nicht auch ohne PSA gelungen wäre.

Das Dilemma: Weist das Arbeitsamt der PSA nur schwer vermittelbare Arbeitslose zu, kann sie trotz Zuschüssen von bis zu 7 000 Euro pro Fall kaum wirtschaftlich arbeiten. Wählt das Amt Arbeitslose ohne Vermittlungshemmnis aus, steigt zwar die Erfolgsquote. Nur dringen die PSA dann ins Geschäftsfeld kommerzieller Zeitarbeitsfirmen ein, die den Erfolg wohl auch ohne Zuschuss erreicht hätten.

Die SPD sieht indes noch keinen Grund, an dem Konzept zu zweifeln. „Es wird seine Wirkung erst im Aufschwung voll entfalten“, mahnt ihr arbeitsmarktpolitischer Sprecher Klaus Brandner zur Geduld. Für Debatten über mögliche Detailkorrekturen sei es „viel zu früh“.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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