Deutschland
Job-Wunder dauern länger

Drei ehemalige Arbeitslose erzählen von ihren Erfahrungen mit einer Personalserviceagentur - eine Zwischenbilanz.

DORTMUND. Der Geschäftsführer kontrolliert morgens mit weißen Handschuhen, ob auch alles sauber ist.“ So habe es die neue Kollegin am ersten Arbeitstag erzählt, berichtet Heike Alexander, 35. Also hat sie ordentlich geschrubbt. Sie hat die Litfaßsäulen ähnlichen Edelstahlduschen des Fitnessstudios gewienert, bis sie im Neonlicht glänzten. „Und schon nach zwei Stunden habe ich gemerkt, dass es in den Handgelenken zieht.“ Jetzt sitzt sie, die Beine ordentlich nebeneinander gestellt, in ihrer Dreizimmer-Wohnung im Dortmunder Vorort Kurl und zeigt auf die schmerzenden Stellen. Eine Nervenentzündung, der Arzt schrieb sie für drei Wochen krank. Der erste neue Job nach vier Jahren Arbeitslosigkeit als Putzfrau war weg, noch bevor sie einen Vertrag unterschrieben hatte.

„Wir füllen, füllen, füllen.“ Martin Mummeltheys Aufgabe ist klar definiert: „Tinte aus 20-Liter-Behältern möglichst schnell in 40- Milliliter-Gläser umfüllen“. So sagt es Carsten Pennekamp, Produktionsleiter beim Iserlohner Drucktintenspezialisten Compedo, und so macht es Mummelthey, 26, gemeinsam mit einem Kollegen: Volles Glas von links mit tintenblauen Händen annehmen, per Druckluftdeckeldreher schließen, in Karton stapeln. Fast drei Jahre war der gelernte Dachdecker Mummelthey arbeitslos. Jetzt arbeitet er seit zwei Monaten bei Compedo. „Ich hatte eigentlich gedacht, dass ich mit meiner Logistik-Fortbildung etwas Besseres bekomme“, sagt er zwar und stört sich nicht daran, dass Chef Pennekamp zuhört. Aber bleiben will er trotzdem – und möglichst bald von Dortmund nach Iserlohn umziehen.

Auch Michael Wolter, 28, Ohrring und kurze dunkle Haare, hat einen neuen Job. Zufrieden aber ist er nicht. Schon nach einer Woche als Bauelektriker bei einer Zeitarbeitsfirma hatte der Dortmunder Mitte Dezember „die Schnauze voll. Die Baustelle war in Velbert, ich musste noch einen Kollegen in Bochum abholen, macht 660 Kilometer die Woche. Mein Wagen verbraucht zehn Liter, ich stehe dauernd im Stau.“

Seite 1:

Job-Wunder dauern länger

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%