Jobsicherung
IG Metall beklagt fehlenden Einsatz

IG-Metall-Chef Berthold Huber hat den Arbeitgeberverband Gesamtmetall ermahnt, sich bei den Mitgliedsunternehmen „offensiv für Beschäftigung und gegen Entlassungen“ einzusetzen. „Die Kassandrarufe der Metallarbeitgeber helfen jetzt in der Krise nicht weiter“, beklagte Huber.

BERLIN. Die IG Metall halte für ihren Teil am beschäftigungspolitischen Ziel „Keine Entlassungen in der Krise“ fest. Der Gewerkschaftschef reagierte damit auf Warnungen von Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser, nach dessen Urteil Kurzarbeit und Kündigungsverzicht für zunehmend mehr Firmen an die Substanz gehen. Die Kosten des Arbeitsplatzerhalts dürften ihnen nicht die finanziellen Spielräume abschnüren, „die sie für Investitionen und eine Neuausrichtung ihrer Produkte auf andere Nachfragestrukturen dringend brauchen“, hatte Kannegiesser im Handelsblatt gewarnt.

Huber wandte sich indes genau vor diesem Hintergrund gegen personalpolitisches Kurzfristdenken der Arbeitgeber. „Gefragt ist jetzt der Blick auf die kommenden vier und mehr Jahre und nicht hektische Reaktionen in den nächsten vier oder fünf Monaten“, kritisierte er. Die Beschäftigten erwarteten, auch in der Krise fair behandelt zu werden – schließlich sorgten sie mit ihren Kompetenzen für die Trendwende zur wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung, so Huber. Im Übrigen habe die IG Metall viele Initiativen gezeigt, um Entlassungen zu verhindern und die industrielle Substanz zu erhalten – darunter die von ihr vorgeschlagene Abwrackprämie für Altautos sowie die Verlängerung der Kurzarbeit.

Gesamtmetall warnte jedoch erneut vor einer „Beschäftigungssicherung um jeden Preis“. Mit Hinweis auf die nun offiziell vorliegenden Ergebnisse seines neuen Gewinnreports erklärte der Verband: „Die drohenden Verluste unterstreichen, wie stark die Unternehmen bislang in die Beschäftigungssicherung investiert haben.“ Dies belege vor allem der massive Anstieg der Lohnstückkosten: Die Kennziffer, die den Personalaufwand je produzierter Einheit misst, lag in der Metall- und Elektroindustrie im Frühjahr 2009 um 30 Prozent höher als zwölf Monate zuvor.

Dem Report zufolge droht die Branche mit ihren aktuell 3,5 Millionen Beschäftigten in diesem Jahr erstmals seit 1945 insgesamt in die Verlustzone zu rutschen. Der Befund stützt sich unter anderem auf Quartalsergebnisse von 31 Metall- und Elektrounternehmen aus dem 110 Werte umfassenden Aktienindex HDax. 2008 schrieben dem Report zufolge 25 Prozent der Firmen rote Zahlen, 2007 waren es nur acht Prozent.

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erwartet, dass die Industrie im Herbst nicht umhin kommen wird, Kapazitäten und Personal abzubauen. Wie viele Arbeitsplätze bis Jahresende auf dem Spiel stehen, beziffert er in seinem aktuellen Konjunkturausblick jedoch nicht. „Die Unternehmen werden weiter alles tun, ihr Stammpersonal über die Krise hinweg zu halten“, sagte Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf. Das Instrument der Kurzarbeit werde weiterhin außerordentlich stark genutzt. Im Bereich Metall und Elektro sind derzeit bereits 700 000 Beschäftigte auf Kurzarbeit, was einer Quote von 20 Prozent entspricht.

Nach Ansicht der IG Metall ist damit die Kurzarbeit aber „noch lange nicht ausgeschöpft“. Sie sieht sich auch dadurch bestärkt, dass die Arbeitgeber in Boomzeiten stets betont hatten, wie vorbildlich die Unternehmen damals gestiegene Gewinne zur Stärkung ihrer Eigenkapitalbasis genutzt hätten. IG-Metall-Vorstandsmitglied Helga Schwitzer argwöhnte allerdings in der „Frankfurter Rundschau“, einige Unternehmen zögerten Entlassungen nur mit Blick auf die Bundestagswahl „aus politischen Gründen hinaus“.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%