Jörg Tremmel
„Im Parlament sitzt eine starke Altenlobby“

Die gesetzliche Rente ist ungerecht organisiert, findet Rentenexperte Jörg Tremmel von der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen. Im Handelsblatt-Interview erklärt er, warum Rentenpolitik in Deutschland seiner Meinung nach von einer Altenlobby bestimmt wird und wie die junge Generation ihre Rechte besser durchsetzen kann.

Handelsblatt: Trauen Sie den überraschend hohen Renditeberechnungen der Regierung?

Tremmel: Renditeberechnungen sind der beste Maßstab für Generationengerechtigkeit. Im Kern ist die gesetzliche Rente aber ungerecht, weil die Rendite kontinuierlich sinkt, auch wenn sie positiv bleibt. Man könnte die Renditeunterschiede zwischen den Generationen durch politische Beschlüsse ausgleichen. Das würde aber Rentnern Opfer abverlangen – ein Schritt, den man im Bundestagswahljahr 2009 sicher nicht gehen will.

Befinden wir uns also auf dem Weg in die Rentnerdemokratie?

Es gibt gewisse Anzeichen dafür. Denken Sie nur an den willkürlichen Eingriff in die Rentenformel im vergangenen Jahr, die gerade als außerplanmäßige Rentenerhöhung wirksam geworden ist. Selbst der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn sprach von einem „Wahlgeschenk an die Rentner“. Im Parlament sitzt offenbar eine starke Altenlobby.

Was empfehlen Sie einem jungen Beitragszahler?

Verweigern kann man die Rentenzahlung ja schlecht. Aber die junge Generation muss mehr Druck auf die öffentliche Meinung ausüben. Zum Beispiel durch Demonstrationen. Nicht alle Rentner sind Egoisten, aber die Rentnerfunktionäre sind es.

Ist die gesetzliche Rente zukunftsfest?

Bleibt das System unverändert, werden die Älteren die Jüngeren auch künftig immer stärker ausbeuten. Wir brauchen deshalb eine Rentenformel, die das Renteneintrittsalter nicht durch willkürliche Parlamentsbeschlüsse, sondern automatisch an die steigende Lebenserwartung anpasst.

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