Johanna Uekermann kritisiert SPD-Chef
Ärger um „Vier Minus“ für Sigmar Gabriel

Eine „Vier Minus“ wollte Jusos-Chefin Johanna Uekermann ihrem Parteichef Sigmar Gabriel insbesondere für dessen Asylpolitik geben. Wirklich sauer auf stößt der SPD aber ein gelichzeitiges Lob für Kanzlerin Angela Merkel.

BremenDie Vorsitzende der SPD-Nachwuchsorganisation Jusos, Johanna Uekermann, hat mit ihrer Kritik an der Leistung von Parteichef Sigmar Gabriel und dem gleichzeitigen Lob für Angela Merkel für Unmut in der SPD gesorgt.

„Sigmar Gabriel gebe ich für seine Politik in der großen Koalition und als Parteivorsitzender eine Vier minus“, sagte die 28-jährige Vorsitzende Johanna Uekermann der „Rheinischen Post“ am Freitag. „Das, was die Koalition in der Asylpolitik macht, ist erbärmlich. Wir lassen uns von der Union an die Wand spielen“, kritisierte sie.

Grund sei aber nicht nur die Asylpolitik, in der die SPD keine klare Haltung zeige, sagte die 28-Jährige am Freitag zum Auftakt des Juso-Bundeskongresses in Bremen. Zu der Note habe auch Gabriels Leistung beim geplanten Handelsabkommen TTIP, bei der Vorratsdatenspeicherung und in der Griechenland-Debatte beigetragen.

Ihr Lob für Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel, der sie Rückgrat in der Flüchtlingspolitik bescheinigt hatte, schwächte Uekermann aber ab: „Ich habe oft genug gesagt, dass sie einen schlechten Job macht.“ Zuvor hatte sie den Kurs der Bundeskanzlerin noch gelobt. „In dieser Frage muss man echt sagen, dass sie zum allerersten Mal in ihrer zehnjährigen Kanzlerschaft so etwas wie Rückgrat zeigt“, sagte Uekermann der Deutschen Presse-Agentur. „Was Angela Merkel jetzt machen muss, ist die gesamte Union endlich mal einzunorden und für ein Ende der Hetze zu sorgen.“ Uekermann steht auf dem Kongress zur Wiederwahl an.

Die Jusos reiben sich traditionell an den SPD-Vorsitzenden, was auch der eigenen Profilierung dient. Mit dem Lob für Merkel und dem Tadel für Gabriel brachte Uekermann aber namhafte Sozialdemokraten gegen sich auf. Sie habe sich „total verrannt“ und sei „konsequent unsolidarisch und wirklichkeitsfern“, zitierte die „Rheinische Post“ Fraktionschef Thomas Oppermann. Vizefraktionschef Hubertus Heil twitterte: „Juso-Bundesvorsitzende geht CDU-Vorsitzender auf den Leim und fällt eigener Partei in den Rücken. Unlogisch, unsolidarisch, unklug.“

SPD-Vizechef Ralf Stegner ging am Freitag in einem Grußwort auf dem Juso-Kongress nicht auf Gabriels Benotung ein. Dem Lob für Merkel widersprach er. „Die Merkel ist tatsächlich nicht so schlimm wie die CSU“, sagte Stegner. „Aber Grund zu loben gibt es nicht bei ihr.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%