Joschka Fischer
Klimakollaps wäre schlimmer als Finanzkrise

Eine Kernschmelze des Weltfinanzsystems sei verhindert worden, aber der Klimawandel könne noch deutlich dramatischere Auswirkungen nach sich ziehen: Mit diesen drastischen Worten wandte sich Ex-Außenminister Fischer an die deutschen Unternehmer und mahnte, sie sollten sich stärker für den Klimaschutz engagieren.
  • 2

DÜSSELDORF. Mit einem eindringlichen Appell, sich stärker für den Klimaschutz zu engagieren, hat sich Ex-Außenminister Joschka Fischer auf dem Nachhaltigkeitstag in Düsseldorf an die deutschen Unternehmer gewandt. Wenn die staatlichen Institutionen es nicht schaffen würden, verbindliche Klimaschutzziele zu formulieren, müsse die Industrie umso mehr handeln. "Es sind Unternehmen gefragt, die Visionen umsetzen können", sagte er. Das sei die eigentliche Botschaft von Kopenhagen. "Nutzen Sie die Chance, dass politische Blockaden da sind, und zeigen Sie, wozu die Privatwirtschaft in der Lage ist."

Im Dezember treffen sich die Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen zum Weltklimagipfel, um ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll zu entwickeln. Doch bislang sieht es nicht nach einer Einigung aus.

Fischer warnte die Politik davor, das Treffen zu unterschätzen. Um die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise in den Griff zu bekommen, seien hunderte von Milliarden investiert worden - "damit es nicht zur Kernschmelze des Weltfinanzsystems kommt". Der Klimawandel könne jedoch deutlich dramatischere Auswirkungen haben. "Kopenhagen ist der wichtigste Weltwirtschaftsgipfel zu Beginn dieses Jahrhunderts", sagte Fischer. Der Klimawandel sei nicht zu stoppen, wenn es nur bei freiwilligen Selbstverpflichtungen bleibe. Ohne eine Umverteilung von reich nach arm werde es nicht gehen. Europa - und auch Deutschland - würde sich dabei gern hinter Amerika verstecken. "Die verbindliche Zusage, die bei uns zu Steuererhöhungen führen würde, die will ich sehen", übte Fischer Kritik an der deutschen Regierung.

Der Weltklimagipfel müsse der Startpunkt sein für einen konkreten Prozess. "Kopenhagen soll die Tür öffnen zu einer Politik des globalen Handelns", sagte Fischer. Dabei werde die Privatwirtschaft eine wichtige Rolle spielen. "Wir haben das Wissen, wir haben das Können, wir haben das Kapital", sagte er. "Was uns fehlt, ist der Mut." Den hat Fischer den Unternehmern in seiner Rede zugesprochen: "Nicht jammern, sondern Ärmel hochkrempeln!"

Auf dem zweiten Deutschen Nachhaltigkeitstag kamen heute Meinungsführer aus Wirtschaft, Politik, Medien, Agenturen, Forschung und Zivilgesellschaft in Düsseldorf zusammen, um über aktuelle Nachhaltigkeitsthemen zu diskutieren. Am Abend wird auf einer Gala der Deutsche Nachhaltigkeitspreis vergeben. Fischer erhält einen Sonderpreis für seine "herausragende Rolle bei der Umsetzung grüner Visionen in Realpolitik", so die Jury. Der Politiker berät heute die Großunternehmen BMW und Siemens und ist auch für das asiatisch-europäische Gas-Pipeline-Projekt "Nabucco" tätig.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin
Claudia Schumacher
Claudia Schumacher
Handelsblatt / Redakteur

Kommentare zu " Joschka Fischer: Klimakollaps wäre schlimmer als Finanzkrise"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Eine Grundsatzendscheidung bei unserem Kampf gegen Klimawandel ist, ob wir unsere Anstrengungen auf Transport und Verkehr oder auf das Stromnetz konzentrieren sollen.
    Viele würden sagen, wir müssen beides tun. Jawohl wenn wir die Zeit dafür hätten. Es geht aber darum, dass wirklich riesige Anstrengungen nötig sind, um die Kohlenstoff-Emissionen wenigstens der einen oder der anderen Quelle stoppen, und dabei gewinnt das Stromnetz mit Leichtigkeit. Denn wird Strom erst einmal ohne Kohlenstoff erzeugt, können wir die so erzeugte erneuerbarer Energie dazu nutzen, auch den Transport kohlenstofffrei zu bekommen.

    Ob die Welt die erforderlichen Techniken verfügt, ein Stromnetz des Umfangs, der Leistungsfähigkeit und der Zuverlässigkeit unseren heutigen zu betreiben und gleichzeitig CO2-Emissionen deutlich zu senken.

    Grundlegende Techniken zum Auffangen des Kohlendioxids wie: Wind-.Sonnen-und Kernenergien reichen und dabei eine wichtige Rolle spielen könnten. Diese Techniken müssen nicht alle angewandt werden, mindenstens aber die Hälfte davon, wenn wir die weltweiten Kohlenstoff-Emissionen wenigstens in den nächsten 50 Jahren in Griff zu bekommen wollen.

    Zahlreiche beispiele von Regierungen und Unternehmen überall auf der Welt, die Emissionen heruntergefahren haben ( um über 70 Prozent im Fall einiger britischen Gemeinden ), während sie gleichzeitig ein starkes Wirtschaftswachstum erlebten.

    Die Angstkampagne der Öl-und Kohlemultis, dass alles zu schwierig und zu teuer wesend mit einem Streich entlarvt.

    Die infrage kommenden Techniken fallen in zwei Kategorien:Solche, die - bislang jedenfalls - Energie nur mit Unterbrechungen liefern, und solche, die unabhängig von äußeren Umständen ständig Energie erzeugen. Von den unregelmäßigen Stromkernzeugungsarten ist die Windkraft am Meisten ausgereift und wirtschaftlich konkurenzfähig, und nirgendwo wurde sie entschlossener vorangetrieben als Dänemark, der Heimat der modernen Windkraftindustrie.

    Vorbildland Dänemark.

    Mfg

  • Es ist zu schaffen.

    Eine Grundsatzendscheidung bei unserem Kampf gegen Klimawandel ist, ob wir unsere Anstrengungen auf Transport und Verkehr oder auf das Stromnetz konzentrieren sollen.

    Viele würden sagen, wir müssen beides tun. Jawohl wenn wir die Zeit dafür hätten. Es geht aber darum, dass wirklich riesige Anstrengungen nötig sind, um die Kohlenstoff-Emissionen wenigstens der einen oder der anderen Quelle stoppen, und dabei gewinnt das Stromnetz mit Leichtigkeit. Denn wird Strom erst einmal ohne Kohlenstoff erzeugt, können wir die so erzeugte erneuerbarer Energie dazu nutzen, auch den Transport kohlenstofffrei zu bekommen.

    Ob die Welt die erforderlichen Techniken verfügt, ein Stromnetz des Umfangs, der Leistungsfähigkeit und der Zuverlässigkeit unseren heutigen zu betreiben und gleichzeitig CO2-Emissionen deutlich zu senken.

    Grundlegende Techniken zum Auffangen des Kohlendioxids wie: Wind-.Sonnen-und Kernenergien reichen und dabei eine wichtige Rolle spielen könnten. Diese Techniken müssen nicht alle angewandt werden, mindenstens aber die Hälfte davon, wenn wir die weltweiten Kohlenstoff-Emissionen wenigstens in den nächsten 50 Jahren in Griff zu bekommen wollen.

    Zahlreiche beispiele von Regierungen und Unternehmen überall auf der Welt, die Emissionen heruntergefahren haben ( um über 70 Prozent im Fall einiger britischen Gemeinden ), während sie gleichzeitig ein starkes Wirtschaftswachstum erlebten.

    Die Angstkampagne der Öl-und Kohlemultis, dass alles zu schwierig und zu teuer wäre,sind mit einem Streich entlarvt.

    Die infrage kommenden Techniken fallen in zwei Kategorien:Solche, die - bislang jedenfalls - Energie nur mit Unterbrechungen liefern, und solche, die unabhängig von äußeren Umständen ständig Energie erzeugen. Von den unregelmäßigen Stromkernzeugungsarten ist die Windkraft am Meisten ausgereift und wirtschaftlich konkurenzfähig, und nirgendwo wurde sie entschlossener vorangetrieben als Dänemark, der Heimat der modernen Windkraftindustrie.

    Vorbildland Dänemark.

    Mfg

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%