Joschka Fischer „Wir brauchen die Schuldenvergemeinschaftung“

Vom Sponti zum Rentner? Nein danke! Joschka Fischer arbeitet auch heute, an seinem 65. Geburtstag: Als Gastredner spricht der frühere deutsche Außenminister vor Finanzmanagern - und provoziert seine Zuhörer.
Update: 12.04.2013 - 13:10 Uhr 131 Kommentare
Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) wird heute 65. Quelle: dpa

Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) wird heute 65.

(Foto: dpa)

MannheimEs hat sich herumgesprochen, dass der Ehrengast Geburtstag hat. 65 wird er schon, wissen einige, die im Foyer des Congress Centers Rosengarten in Mannheim zusammenstehen. Und wie er zurzeit wohl in Form ist? Drahtig wie zu besten Marathonzeiten oder doch wieder füllig? Er hat sich ja rar gemacht, sagt einer, aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Wollte ja auch seinen Geburtstag nur im ganz kleinen Kreis feiern. „Dann möchte ich nicht wissen, wie es aussieht, wenn er im großen Kreis feiert“, ruft einer in die Runde. Gelächter.

Denn es sind rund 700 Gäste aus der Finanzwelt, die Fischer am heutigen Freitag in Mannheim begrüßt. Die danken den Besuch des früheren Bundesaußenministers auf dem dreitägigen Finanzsymposium des Veranstalters Schwabe, Ley & Greiner mit einem spontanen „Happy Birthday“ inklusive verlegenem „lieber Joschka“. Der Jubilar erhebt sich zu einer Verbeugung.

Wie ein Geburtstagsgeschenk ist auch das Thema, auf das sich die Veranstalter mit Fischer geeinigt haben. „Europa 2.0 – Lösungsansätze zu aktuellen Herausforderungen.“ Europa! Das Leib- und Magenthema Fischers, der zwar am Rednerpult einige Blätter aus einer Mappe zieht, seinen Blick in den folgenden 30 Minuten aber nie darauf lenkt.

Denn er weiß, was er zu sagen hat. Es sind Sätze wie „Europa ist unser Schicksal“ und „Ohne Europa werden wir in der Welt des 21. Jahrhundert keine Rolle mehr spielen“. Aber er sagt sie nicht einfach so daher, er hat Inbrunst und plötzlich scheinen ein Ende des Euro oder ein Abbau der Europäischen Union Gedankenspiele aus Absurdistan zu sein.

Joschka Fischer war schon einmal Gast des Finanzsymposiums, in einer Zeit vor der Euro-Krise. „Wenn Sie mich im August 2008 gefragt hätten, ob Europa in eine Existenzbedrohende Krise geraten könnte, hätte ich gesagt: Jetzt rüsten Sie mal ab, wir wollen nicht gleich spinnen.“ Und jetzt? „Ist die Krise Realität.“

Joschka Fischer auf dem Finanzsymposium an seinem 65. Geburtstag. Foto: Stefan Kaufmann

Joschka Fischer auf dem Finanzsymposium an seinem 65. Geburtstag. Foto: Stefan Kaufmann

Die Finanzkrise habe aber auch andere getroffen, wie die USA und Japan, doch dort gibt es im Gegensatz zu Europa neben einer einheitlichen Währung auch eine politische Union. Fischer: „Dass das in Europa nicht so ist, erweist sich in der Krise als fatal.“ Der Weg könne nur über eine Bankenunion zu einer Fiskalunion führen. „Es kann zum Beispiel nicht funktionieren, wenn die Menschen in dem einen Land mit 58 Jahren und in dem anderen mit 67 in Rente gehen.“ Aber, sagt Fischer, eine Fiskalunion ohne eine politische Union sei für ihn nicht vorstellbar.

In der Pflicht sieht der ehemalige Vize-Kanzler Deutschland und Frankreich. Sie müssen voranschreiten. Gerne auch als Vorhut, Hauptsache auf Augenhöhe. „Eine Starkwährungsunion des Nordens mit Frankreich als Juniorpartner, solche Fantasien können Sie vergessen“, ruft er den Finanzmanagern im Saal zu.

Und er sagt noch mehr, was einige Besucher ungern hören. „Um den Euro zu halten, brauchen wir erstens eine Schuldenvergemeinschaftung und zweitens eine Altschuldenregelung.“ Eine solche Regelung habe Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg sehr geholfen wieder auf die Beine zu kommen. „Damals haben sich die Alliierten sehr großzügig gezeigt“, sagt Fischer. „Leider sind wir Deutschen extrem kurzsichtig und vergesslich.“

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131 Kommentare zu "Joschka Fischer: „Wir brauchen die Schuldenvergemeinschaftung“"

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  • Hohl wie eine leere Flasche Bier!
    Ein wahrer feind Deutschlands!

    ++++++++++++++
    Joschka Fischer

    „Deutschland ist ein Problem, weil die Deutschen fleißiger, disziplinierter und begabter als der Rest Europas (und der Welt) sind. Das wird immer wieder zu ‘Ungleichgewichten’ führen. Dem kann aber gegengesteuert werden, indem so viel Geld wie nur möglich aus Deutschland herausgeleitet wird. Es ist vollkommen egal wofür, es kann auch radikal verschwendet werden – Hauptsache, die Deutschen haben es nicht. Schon ist die Welt gerettet.“
    Joschka Fischer, Bündnis90/Die Grünen

    „Deutsche Helden müsste die Welt, tollwütigen Hunden gleich, einfach totschlagen.“
    Joschka Fischer, Bündnis90/Die Grünen (Quelle: Pflasterstrand 1982; zitiert in "Nation & Europa, Mai 1999, Seite 7)
    +
    Deutschland muss von außen eingehegt, und von innen durch Zustrom heterogenisiert, quasi verdünnt werden.
    Quelle: "Die Welt" vom 7.2.2005 (Rezension zu Joschka Fischers Buch "Risiko Deutschland" von Mariam Lau)
    ++++++++++++++++++++
    Die AfD zu wählen, ist doch nur noch die einzige Alternative, die ich als Wähler habe! Mit Verstand kann man nichts anderes wählen!
    Selbstbewusst!

  • Das Joschka Fischer für Eurobonds ist zusammen mit Rot /GRÜN
    das ist nichts neues. Wer solange im Bundestag durchhält ohne persönliche Leistung wie Trittin,Roth,Künast und ihr
    ehemaliger Anführer Fischer der kennt nur Geld ausgeben für
    Korrupte Staaten. Das Joschka Fischer auf Grund seiner Vergangenheit nicht einmal als Pförtner in einer Behörde arbeiten dürfte ist klar. Aber im Bundestag das auch ein Sammelsurrium von Personen mit Schatten ist, da darf man sogar ein ganzes Volk regieren. Deutschland wird nie Demokratisch werden, die Gene lassen das nach 1200 Jahren nicht zu. Man sucht immer nach Politikern die einen Belügen und betrügen, dann strahlt der Michel.

  • Hallo Novaris,
    es gibt noch eine 5.Variante!
    Wir fordern, dass Deutschland dieses Austrittsrecht aus dem EURO erzwingt, indem es weitere Hilfskredite des ESM mit seinem Veto blockiert!!!
    AfD Partei-Programmm-Währungspolitik Punkt 4 von 7
    Hier das gesamte Parteiprogramm:
    http://alternativefuer.de/partei/programm/
    Diesmal wird es wesentlich schimmer als 2008!!!
    Werden die Garantien für die Pleite-Staaten schlagend, würden die deutschen Schulden mit einem Schlag auf über 100% des BIP ansteigen. Deutschland wäre dann offiziell eines der am stärksten verschuldeten Länder der ERDE!!!
    GAME OVER
    Ist dies das Ziel von Soros&Frends????????????

  • Hat die olle Zecke überhaupt was zu sagen
    ? Wen interessiert der alte Steineschemisser überhaupt. Aber wie ich schon vermutet habe, wird der Michel jetzt langsam an die Eurobonds herangeführt. Nach den Wahlen werden wir dann sehen wie das ganze Lügenkonstrukt auseinander bricht und auch eine Frau Merkel ja sagt zu den Bonds. Wobei ich immer noch hoffe, dass der Michel vor den Wahlen wach wird.

  • @kuac: Dennoch, die Schere zwischen Reich und arm ist noch weit auseinander.

    Das hört sich an, als ob Sie glauben, dass eine Bewegung zueinander stattfindet. Genau das Gegenteil ist der Fall, seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten. Sie sehen die Situation zu rosig.

  • Ok, nehmen wir den Gedanken einer Haftungsunion ernst. Dann stellt sich immer noch die Frage, warum diese Union, wenn denn so nötig, liebr Maastricht brechend zwischen Ländern und nicht zunächst zwischen "oben" und "unten" innerhalb der Länder organisiert wird?

  • Ich glaube, dass Fischer Recht hat! Im Endeffekt bleibt uns nichts anderes übrig als eine Schuldenvergemeinschaftung. Aber bevor das von heute auf morgen beschlossen wird, sollten erste Schritte in Richtung Haushaltskonsolidierung getan werden. Bevor sich die Krisenstaaten nicht auf grundlegende und nachhaltig wirksame Reformen geeinigt haben, wäre die Haftungsunion ein Freifahrtschein für noch mehr Schulden in diesen Ländern auf Kosten der Deutschen.

    Aber langfristig führt kein Weg daran vorbei - die Schuldenvergemeinschaftung wird kommen oder wir vegitieren weiterhin vor uns hin und begnügen uns mit kurzfristigen aber auf lange Sicht nicht zielführenden Lösungen ...

  • @Deify

    Kann Sie voll verstehen.

    Eigentlich müssten jetzt Massendemonstrationen gegen den ehrenwerten Joschka stattfinden, vor allem an den Orten, an denen er seine sicherlich gut dotierten Reden abhält. Und wenn dabei ein paar Steine fliegen, hätte er doch sicher Verständnis dafür!

    Schade, dass die heutige Jugend nicht erkennt, dass Personen wie Fischer, Trittin und Co. für sie eine unmittelbare und große Gefahr darstellen.

    Es geht hier in Deutschland um die Zukunft der nächsten Generationen. Und für diese sehe ich schwarz, wenn die Verschuldungs- und Haftungsorgie so weitergeht.

    WEHRT EUCH!

  • Das Thema AfD sehe ich ähnlich. Es ist gut, dass es eine Partei gibt, die die wahren Kosten des Euro, dem wahren Nutzen für den deutschen Normalbürger überhaupt als Thema auf den Tisch bringt. Die undifferenzierte Propaganda vom Gewinner Deutschland und dem armen Süden glauben ja nur noch Hornochsen.

    Es wäre sehr zu wünschen, wenn AfD darüber hinaus, das Thema Leistungsgerechtigkeit thematisiert Nach der Agend 2010, die -mehr oder weniger gerechtfertigt- den "leistungslosen Einkommen" am unteren Ende der Einkommensskala zu Leibe rückte, steht nun die Agenda 2020 auf der Tagesordnung, die selbiges mit den oberen Einkommen tut. Auch an den im Grundgesetzt verankerten Gemeinwohlvorbehalt von Eigentum müsste mal wieder nachdrücklich erinnert werden. EInige scheinen zu glauben es gäbe ein absolutes Eigentumsrecht. In der post-barbarischen Gesellschaft ist Eigentum über den privaten Lebenserhalt hinaus aber nur eine Konvention zur bestmöglichen Organisiation von Verantwortung!

  • Welche Alternativen hat Deutschland beim EURO ?
    Deutschland ist EU-Mitglied und vertraglich verpflichtet, am EURO-Währungssystem teilzunehmen.
    Ein Austritt aus dem Währungsverbund ist nach derzeitiger Rechtslage nur durch eine
    Beendigung der EU-Mitgliedschaft möglich und daraus ergeben sich die Optionen :

    Beendigung der EURO-Mitgliedschaft durch EU-Austritt. (Variante 1)
    -----oder
    Beendigung der EURO-Mitgliedschaft durch Vertragsbruch (Variante 2)
    -----oder
    Beendigung der EURO-Mitgliedschaft durch Vertragsänderung (Variante 3)
    oder
    Deutschland bleibt Mitglied der EURO-Zone (Variante 4)

    Zu Variante 1/2 : Die EU und der EURO sind politische Projekte.
    Deutschland soll in der EU „eingebunden“ sein und deshalb dürfte sich diese Variante nicht empfehlen ohne politische „Probleme“ zu verursachen.
    Andererseits dürften die „Sparmaßnahmem“ und die damit verbundenen Wirtschaftsprobleme die Pleitestaaten letztendlich zum EURO-Austritt "ermuntern".
    Zu Variante 3 : Der Vertragsänderung müssen alle 27 EU-Staaten zustimmen und das ist somit ein langjähriges Verfahren.(Diese Variante strebt die AfD an)
    Zu Variante 4 : Deutschland schließt sich der Ansicht des Herrn Soros an und es werden EURO-BONDS eingeführt --- ohne die Staatsdefizite "im Griff" zu haben.
    Die Schulden werden somit vergemeinschaftet und nach einer gewissen Übergangszeit ist das Rating Deutschlands auf Ramschniveau "exportiert", verbunden mit der Zahlung hoher Zinsen und das Ziel der Hochfinanz endlich erreicht, Deutschlands Wirtschaftsleistung auch noch mit hohen Zinszahlungen abschöpfen zu können.

    Wie soll es Joschka Fischer mal gesagt haben :
    „Deutschland ist ein Problem, weil die Deutschen fleißiger, disziplinierter und begabter als der Rest Europas (und der Welt) sind. Das wird immer wieder zu ‘Ungleichgewichten’ führen. Dem kann aber gegengesteuert werden, indem so viel Geld wie nur möglich aus Deutschland herausgeleitet wird."
    Tja, das Joschkachen ---


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