Journalist Deniz Yücel Yücel ein Jahr in türkischer Haft – ohne Anklage

Die Türkei hofft, dass sich mit der neuen Bundesregierung die Beziehungen zu Deutschland bessern. Bleibt Deniz Yücel in Haft, ist das unwahrscheinlich.
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Der Journalist ist seit einem Jahr ohne Anklage in der Türkei inhaftiert. Der Fall belastet die diplomatischen Beziehungen zwischen Ankara und Berlin erheblich. Quelle: dpa
Deniz Yücel

Der Journalist ist seit einem Jahr ohne Anklage in der Türkei inhaftiert. Der Fall belastet die diplomatischen Beziehungen zwischen Ankara und Berlin erheblich.

(Foto: dpa)

IstanbulAm 14. Februar vergangenen Jahres stellte sich Deniz Yücel in Istanbul freiwillig der Polizei, die nach dem „Welt“-Korrespondenten gefahndet hatte. Niemand rechnete damals damit, dass der deutsch-türkische Journalist ein Jahr später noch immer ohne Anklage in Untersuchungshaft sitzen würde. Das Datum markiert aber nicht nur den Tag, an dem Yücel seine Freiheit verlor, sondern auch den Beginn einer bis dahin beispiellosen Krise zwischen Deutschland und der Türkei.

Eine Krise, die die Regierung in Ankara beilegen möchte. Die Gründe dafür sind vor allem wirtschaftlicher Natur. Es geht aber auch um Rüstungsgüter aus deutscher Produktion.

Nach der Freilassung eines Deutschen in dieser Woche zählt das Auswärtige Amt noch sechs Bundesbürger, die aus politischen Gründen in der Türkei inhaftiert sind. Die Zahl dieser Gefangenen – die Bundesaußenminister Sigmar Gabriel einst mit „Geiseln“ verglich – war im vergangenen Sommer noch deutlich höher, mehrere wurden seitdem auf freien Fuß gesetzt. Zu den prominentesten Fällen gehörte der Menschenrechtler Peter Steudtner, der Ende Oktober nach Vermittlung durch Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder bei Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan aus der U-Haft entlassen wurde und ausreisen durfte.

Ebenfalls im Oktober hatte die Bundesregierung nach einem „Spiegel“-Bericht eine Vorgenehmigung für die Modernisierung von 120 türkischen M60-Kampfpanzern aus US-Produktion erteilt, die zum Schutz vor Minen und Sprengfallen nachgerüstet werden sollen. Im Juli – zum Höhepunkt der Krise mit Ankara – hatte die Bundesregierung verkündet, es kämen „alle Anträge für Rüstungsexporte auf den Prüfstand“. Ob die Vorgenehmigung und die Freilassung Steudtners nur zufällig auf denselben Monat fielen, ist nicht bekannt.

Kein Geheimnis ist, dass sich Ankara auch eine Nachrüstung der deutschen „Leopard“-Panzer in der türkischen Armee wünscht. Gabriel hatte im vergangenen Monat in der ARD Verständnis für das Ansinnen der Erdogan-Regierung geäußert. Er sehe „keine richtige Argumentation“, warum man dem Nato-Partner Türkei eine solche Aufrüstung verweigern sollte, sagte Gabriel – und verwies darauf, dass türkische Soldaten im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ums Leben kamen, weil ihre Panzer nicht ausreichend gegen Minen geschützt waren.

Das Problem: Inzwischen hat die türkische Armee eine Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien begonnen, und zwar unter Einsatz deutscher „Leopard 2“. Der Einmarsch in die Region Afrin ist nach Überzeugung Ankaras legitim, Kritiker halten ihn dagegen für potenziell völkerrechtswidrig. Die amtierende Bundesregierung hat die Entscheidung über die „Leopard“-Nachrüstung nun lieber auf die Zeit nach Bildung einer neuen Regierung verschoben.

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4 Kommentare zu "Journalist Deniz Yücel: Yücel ein Jahr in türkischer Haft – ohne Anklage"

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  • Ein Jahr schon? Mensch, wie die Zeit vergeht.

  • Mir ist das völlig schnuppe

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Ich frage mich, warum sich Deutschland so auf Yücel konzentriert, In der Türkei sitzen hunderte Journalisten und zig Tausende andere in Haft, die unsere Unterstützung mindestens genauso verdient hätten wie ein Herr Yücel, der in seinen Artikeln Deutschland und den Deutschen die langsame Abschaffung wünschte und auch sonst nicht unbedingt eine positive Einstellung zu Deutschland erkennen lässt.

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