Journalisten vergrätzt
Guttenberg-Eklat in Berlin

Mit Medieninszenierungen kennt sich Baron zu Guttenberg aus. Das bekamen heute einige Hauptstadtjournalisten im negativen Sinne zu spüren.
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BerlinIn der Bundespressekonferenz mit Regierungssprecher Steffen Seibert ist es am Freitag wegen der Informationspolitik von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zum Eklat gekommen. Der wegen Plagiatsvorwürfen in seiner Doktorarbeit unter Druck stehende Minister hatte zeitgleich vor einigen wenigen Medienvertretern eine kurze Erklärung abgegeben. Um 11.30 Uhr hatten sich jedoch die Hauptstadtkorrespondenten deutscher und internationaler Medien im Saal der Bundespresskonferenz versammelt und konnten deshalb an Guttenbergs kurzfristig anberaumten Termin nicht teilnehmen.

Die Bundespressekonferenz ist ein Verein von rund 900 deutschen Parlamentskorrespondenten. Sie veranstaltet drei Mal in der Woche die Regierungspressekonferenz, in der der Sprecher der Bundesregierung und die Sprecher der Ministerien zu allen Themen von politischem Interesse befragt werden können.

Trotz der Proteste von Journalisten, die einen Abbruch forderten, wurde die Pressekonferenz zunächst mit der Verlesung der Termine der Kanzlerin in der kommenden Woche durch Regierungssprecher Seibert fortgesetzt, darunter der „Besuch von Prinzenpaaren aus allen Ecken des Landes“ am Dienstag im Bundeskanzleramt. Daraufhin verließen die meisten Journalisten demonstrativ den Saal. Kurz darauf beendete der Vorsitzende der Bundespressekonferenz, der ZDF-Korrespondent Werner Gößling, die Veranstaltung. Seibert wollte den Vorgang unter Hinweis darauf, dass er selbst nur Gast der Bundespressekonferenz sei, nicht kommentieren.

Gößling übte harte Kritik an dem Vorgehen des Verteidigungsministers. „Das ist ein nicht zu rechtfertigendes Verfahren“, sagte der Vorsitzende der Bundespressekonferenz zu Reuters. Denn nun sei ein lange erwartetes Statement Guttenbergs ausgerechnet zum Beginn der Pressekonferenz abgegeben worden. „Einen solchen Vorfall hat es zumindest in den vergangenen 20 Jahren nicht gegeben."

Guttenberg entschuldigte sich inzwischen für sein Verhalten. Nur kurz nach dem offiziellen Protest der Bundespressekonferenz und des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) über seine Informationspolitik schrieb der Minister in einem Brief an den BPK-Vorsitzenden Gößling, dass er um Entschuldigung für die Parallelität der Presseunterrichtungen bitte. „Leider wird es gerade in meinem Ressort immer wieder Ereignisse geben, die einen gesetzten Zeitplan durcheinanderbringen“, schreibt Guttenberg. Er werde „selbstverständlich“ künftig solche Parallelunterrichtungen vermeiden. In dem Briefkopf des Entschuldigungsschreibens steht sein Name übrigens ohne den Doktortitel.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Es ist amüsant zu sehen wie die Opposition und teilweise auch die Presse seit Wochen versuchen Hr. zu Guttenberg zu diskreditieren und dieser aber immer intelligent und geschickt ausweicht. Man muss das Spiel nicht immer mitspielen, sondern auch einfach mal die Spielregeln verändern - sonst kommt man nie weiter. Das gilt sowohl für Minister, als auch für gesamte Gesellschaften. Er hat das Zeug zu mehr und sollte sich auf keinen Fall von irgendwelchen Neidern oder sogenannten "Gutmenschen" (die ja alle nie im Leben etwas falsch machen) von der Linie abbringen lassen!

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