Jürgen Schneider
„Wiedervereinigung beschleunigte den Preisgalopp“

Jürgen Schneider baute als selbstständiger Bauunternehmer von 1982 bis 1994 ein Milliardenimperium auf, auch mit Immobilien in Ostdeutschland. Dann die Pleite, der Fall: Schneider hatte sich hohe Kreditsummen zum Teil mit falschen Angaben erschwindelt, wurden 1997 wegen Betrugs verurteilt. Er sprach mit Gertrud Hussla auf dem Schlosshotel Petersberg bei Bonn.
  • 0

Am 3. Oktober 1990 verfolgte ich mit meiner Frau die Wiedervereinigung am Fernseher, vor uns saßen die Kinder auf dem Boden. Wir klatschten vor Begeisterung, es war ein erhebendes Ereignis. Nur meine Frau warnte: "Das gibt ein großes Unglück, wenn Du da rübergehst, wie sollen wir das alles schaffen?" Aber ich war nicht zu stoppen.

Die Wiedervereinigung fiel mitten in einen Immobilienboom und beschleunigte den Preisgalopp noch. Ich baute und restaurierte damals eine ganze Reihe prestigeträchtiger Häuser - die Zeilgalerie und die Schillerpassage in Frankfurt, das Bernheimer Palais in München.

Den Fürstenhof, ein Nobelhotel an der Frankfurter Gallusanlage, hatte ich damals für 40 Millionen Mark erworben. Einschließlich Nebengebäude, des Ausbaus und aller Zinsen kalkulierte ich eine Kreditanfrage über 215 Millionen Mark. Die Deutsche Bank zahlte. Schon zwei Monate nach der Einheit habe ich den Fürstenhof für 430 Millionen Mark an Japaner verkauft. Es war der Höhepunkt meines Ruhms als Unternehmer.

Mein Lebenselixier ist das Restaurieren historischer Häuser. Jedes neue Projekt ließ ich mir schon in den 80ern großzügig finanzieren, häufig mit übertriebenen Flächenberechnungen und sehr optimistischen Mietkalkulationen. Das Bernheimer Palais in München blieb ein Stockwerk niedriger, als es die bei der Bank eingereichten Pläne vorsahen. Die Banker gingen dort aus und ein, doch keinem fiel etwas auf. Die Millionensummen, die nach einem Bau übrig blieben, hielt ich stets für die nächsten Vorhaben zurück.

"Ich fühlte mich berufen"

Historische Häuser bilden die Geschichte von Städten und Menschen ab. Solche Häuser waren im Osten noch reichlich da, oft irgendwie zusammengeflickt. Zum Abreißen war zu DDR-Zeiten ja kein Geld da gewesen.

Das war für mich ein großes Aufgabengebiet. Ich fühlte mich berufen, denn ich hatte das Wissen, um solche Häuser zu sanieren. Und ich bekam damals von den Banken so viel Geld, wie ich wollte. Die Banken haben sich von mir anstecken lassen. Ich habe nur vorgetragen: "Schauen Sie mal, was das für Häuser sind, in den allerbesten Lagen. Die erwecken wir wieder zum Leben."

Seite 1:

„Wiedervereinigung beschleunigte den Preisgalopp“

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Jürgen Schneider: „Wiedervereinigung beschleunigte den Preisgalopp“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%