Junge Alternative
Die Möchtegern-Rebellen

Sie sind rückwärtsgewandt und stramm rechts: Die Jugendorganisation der AfD sorgt bei Facebook für Furore. Ein Landesverband kooperiert offenbar mit der Jungen Union. Ist die Junge Alternative ein rechter Testballon?
  • 5

KölnNein, eigentlich hält Philipp Ritz nichts von Parteien, von Funktionären, von Politikern generell. „Es gibt immer einen Punkt, an dem sie korrupt werden, um ihre Macht zu sichern.“ Während Philipp Ritz das sagt, hat sich auf der Bühne seine Parteiführung versammelt. Es ist der Höhepunkt vom Wahlkampfauftakt der Alternative für Deutschland in Köln, das siegesgewisse Abschlussfoto für die Europawahl. Aus einer Kanone feuert Lametta, blaue Ballons steigen auf. Eigentlich müsste Philipp Ritz dort oben stehen, denn eigentlich ist er inzwischen selbst ein Parteifunktionär. Er bleibt abseits, etwa zehn Meter neben der Bühne. „Das Rampenlicht ist was für andere“, sagt er.

Seit Anfang Februar ist Philipp Ritz Bundesvorsitzender der Jungen Alternative, der Jugendorganisation der AfD. Ihn kennt fast niemand, ebenso wenig die Junge Alternative (kurz: JA). Aber viele haben die schrillen Bildmontagen gesehen, die Ritz und seine JA bei Facebook regelmäßig veröffentlichen.

Philipp Ritz, 32, schwarzer Anzug, rosafarbenes Hemd, akkurat gegelte Haare, steht auf dem Vorplatz des Kölner Doms, die Hände in den Taschen. Eine Jazz-Band spielt, gleich sprechen die Spitzenkandidaten. Ein Feuerwehrauto mit der Aufschrift „Eurowehr“ fährt auf die Domplatte. Gerade will er erklären, wieso er glaubt, dass es Deutschland ohne den Euro besser gehen würde, da kommt ein Parteifreund auf ihn zu. „Hast du die geilen Flyer gemacht?“ Philipp Ritz nickt. „Die sind echt der Hammer.“ Ritz lächelt stolz.

Alle paar Tage setzt sich Philipp Ritz an seinen Computer und bastelt mit Photoshop neue Themenplakate. Da ist dann etwa die Rückenansicht von fünf Frauen in knappen Bikinis zu sehen. „Gleichberechtigung statt Gleichmacherei“ steht darunter. „P(r)o Vielfalt in Europa.“ Damit hat es die Junge Alternative sogar als „Verlierer des Tages“ in die Bild-Zeitung geschafft. Aber: „Aufmerksamkeit ist Aufmerksamkeit“, sagt Philipp Ritz. „Das war nicht bloß ein Scherz.“ Mit dem Vorstand der JA hat er sich einige Gedanken gemacht. Die Frauen auf dem Bild haben unterschiedliche Hautfarben, Poformen, Haarschnitte. Das symbolisiert die Vielfalt in Europa, sagt er. Sexismus? „Naja“, Ritz wiegt den Kopf. „Die Frauen haben sich ja freiwillig fotografieren lassen.“

„Selbstjustiz ist die neue Polizei“

Als Ritz gerade ein paar Tage Vorsitzender war, hat er sich seine erste Facebook-Kampagne ausgedacht. Mitglieder der Jungen Alternative halten Schilder hoch, auf denen Sätze stehen wie „Ich bin kein Feminist, weil Hausfrau ein Beruf ist“ oder „Ich bin keine Feministin, weil ich selbst was in der Birne habe.“ Die Emma warf der JA vor, rückwärtsgewandt zu sein, antiemanzipatorisch. Sogar in Saudi-Arabien wurde über die Kampagne von Philipp Ritz berichtet: Junge Deutsche kämpfen gegen die Übermacht der Frauen, hieß es. Einige hundert Mal wurden die Bilder geteilt, fast 3000 Follower gewann die Junge Alternative bei Facebook hinzu. „Besser hätte es wirklich nicht laufen können“, sagt Ritz und fängt an zu kichern.

Kommentare zu " Junge Alternative: Die Möchtegern-Rebellen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Was ist gegen eine rechte Partei einzuwenden, solange sie nicht radikal ist und es keine Nazis sind?

    Es ist sicher ein Geheimnis der Medien das sie nur nach rechts und nicht mit gleicher Aufmerksamkeit nach links zu den SED Kommunisten und anderen Sekten am linken Rand, die keine Gelegenheit auslassen, im Versuch Deutschland zu vernichten und zu bevormunden.

    Die AfD ist eventuell eine rechts gerichtete Partei aber sicher nicht radikal (bis her) und eine mehr fürs Inland und nicht nur dem Ausland zu gefallenden Partei haben wir dringend nötig. Das muß und darf aber keine Abschottung gegenüber dem Ausland und der EU sein, sondern im Einvernehmen.

    Wenn die anderen Parteien der Meinung sind das die EU-Wahl einen Rechtsruck ergeben hat sollten sie erst in ihren eigenen Reihen und Handeln nach dem WARUM und welche auch persönlichen Fehler gemacht worden sind, denn dadurch ist diese Situation, wie sie ist, erst entstanden.

  • @whoknows

    Sie müssen das verstehen, alles was mit AfD zu tun hat bringt clicks und lässt die Kasse bei HB-online klingeln.

    Als click-Bringer ist diese neue Partei einfach Bestandteil des HB-Geschäftsmodell. Deshalb keinen Tag ohne AfD.

  • Man sollte auf diese medialen Störfeuer gar nicht reagieren.

    Don't feed the Troll wäre hier angesagt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%