Jungpolitikerin
Kristina Köhler, Kohls Mädchen II

Kristina Köhler ist erst 32 Jahre alt - und schon seit über 18 Jahren in der Politik. Im BND-Untersuchungsausschuss hat sich die CDU-Nachwuchspolitikerin einen Namen gemacht. Trotzdem muss die junge Abgeordnete hart um den Wiedereinzug in den Bundestag kämpfen.

BERLIN. "Die Ampel ist eine Katastrophe", sagt Kristina Köhler leicht genervt. Schuld daran ist Jamaika. Köhler, CDU-Bundestagsabgeordnete aus Wiesbaden, sitzt am Steuer ihres hellblauen Minis und hetzt zum nächsten Termin, einer Diskussionsrunde bei der IHK. Jetzt hängt sie im Stau fest. Eigentlich ist eher der eng getaktete Terminplan Köhlers Schuld an dem Rumgehetze als die Verkehrspolitik der im Wiesbadener Rathaus regierenden Koalition aus CDU, FDP und Grünen. Das weiß auch Köhler: „Ich lege mir die Termine immer so, alles andere ist ineffektiv.“ Lieber ab und zu ein bisschen zu spät kommen als zu viel Leerlauf zwischendurch, ist ihre Devise. Sie hat an diesem Tag schon ihre Bürgersprechstunde, einen Besuch beim Sozialdienst katholischer Frauen und ein Interview mit dem Hessischen Rundfunk hinter sich.

Es ist zwar erst Anfang Juni, aber die 32-Jährige hat gerade in diesem Wahlkampf keine Zeit zu verlieren. Sie sitzt seit 2002 für die Union im Bundestag, hat sich im BND-Untersuchungsausschuss und als Islam- und Integrationsexpertin der Unionsfraktion einen Namen gemacht, für CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla gehört sie „zu den großen Nachwuchstalenten in der CDU“. Trotzdem wird der Wiedereinzug in den Deutschen Bundestag am 27. September schwierig.

Der normalerweise sichere Listenplatz acht könnte diesmal nicht ausreichen, weil nach den Prognosen in Hessen Überhangmandate für die Union zu erwarten sind. Über die Liste käme dann keiner mehr ins Parlament. Der sichere Weg führt damit übers Direktmandat. Das ist im Wahlkreis Wiesbaden noch härter umkämpft als vor vier Jahren, weil hier mehrere bundespolitische Schwergewichte aufeinandertreffen. Bei den letzten beiden Wahlen unterlag Köhler knapp Heidemarie Wieczorek-Zeul, seit elf Jahren Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in den Kabinetten von Gerhard Schröder und Angela Merkel. Dieses Jahr muss sie sich zusätzlich mit dem ehemaligen FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Gerhardt um die Stimmen aus dem bürgerlichen Lager streiten.

Um Letztere geht es bei der Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer, denn die dort versammelten Wirtschaftsjunioren sind eher unverdächtig, ihre Stimme der roten Heidi zu geben. Die lässt sich vertreten, wie häufig bei Veranstaltungen der IHK. Die anderen Kandidaten erläutern in kleinen Gruppen jeweils 20 Minuten lang ihre Kernbotschaften zu Wirtschaft, Familie und Bildung sowie Innen- und Außenpolitik.

Köhler beantwortet die Fragen präzise und verständlich, formuliert kurze Sätze und gestikuliert lebhaft mit den Händen. Inhaltlich gibt es CDU-Standardware: Studiengebühren ja, Bachelor-Master-System im Prinzip richtig, flexible Modelle bei der Kinderbetreuung, EUMitgliedschaft der Türkei nein, privilegierte Partnerschaft ja, und bei der Großen Koalition solle man sich an die Schuldenbremse erinnern. Wenn die Fragesteller die Leistungen der Union im schwarz-roten Bündnis partout nicht erkennen wollen oder wiederholt die Erbschaftsteuer kritisieren, pustet Köhler kurz die Backen auf. Es folgt ein kleiner Seufzer und dann versucht sie von Neuem, auch noch den letzten Zweifler zu überzeugen, dass die Erststimme für Wolfgang Gerhardt am Ende nur der SPD nützt.

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