Jungsozialisten
Jusos: „Stachel im Fleisch der SPD“

Vor einem Jahr hätte Franziska Drohsel sich nicht träumen lassen, dass ihre Positionen eines Tages ernsthaft diskutiert werden könnten. Damals wollten die Vorsitzende der Jungsozialisten in der SPD und die Jugendlichen herausfinden, was "links" heute bedeutet. Nun, in der Finanz- und Wirtschaftskrise, reden in der SPD alle von Gesellschaftsmodellen.

BERLIN. Von heute an diskutieren die Jusos drei Tage lang in Berlin auf einem Kongress unter dem Titel "Linkswende 09", um einen Beitrag für das Wahlprogramm der SPD zu leisten. 800 Teilnehmer haben sich angemeldet. Die Podien sind prominent besetzt: Gesine Schwan, Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, nimmt ebenso teil wie der Spitzenkandidat für die Europawahl, Martin Schulz, der Wirtschaftsweise Peter Bofinger und der Chef der Gewerkschaft Verdi, Frank Bsirske. Und am Montag erscheint dann noch ein Buch von Juso-Chefin Drohsel mit dem Titel "Was ist heute links?". Darin finden sich 63 Thesen der Jusos wie auch Beiträge von Parteichef Franz Müntefering und anderen.

"Das Buch und der Kongress fallen für uns in eine günstige Zeit", freut sich die 28-jährige Drohsel. 1969 hatten die Jusos schon einmal eine Linkswende ausgerufen und beschlossen, die SPD nicht mehr zu schonen und sich als linken Verband zu begreifen. Dieses Selbstverständnis vertritt Drohsel heute auch: "Wir sind der linke Stachel im Fleisch der SPD", sagt sie.

Schmerzen dürfte dem SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier etwa die Juso-Forderung bereiten, den Bankensektor in Deutschland komplett zu verstaatlichen. Wer das bezahlen soll? Nicht so wichtig. Es gehe ums große Ganze, um demokratische Unternehmensführung. Eine Mehrheit könne besser entscheiden als ein Einzelner. "Man muss sich grundsätzlich fragen, ob wir Gesellschaft so organisieren wollen, dass Wirtschaft nur nach Gewinn und Rendite schielt." Der Marktradikalismus als "herrschende Ideologie" jedenfalls habe ausgedient.

Kritik an der Partei darf da auch sein: "Rot-Grün hat keine Politik gemacht, die gegen den Neoliberalismus zu Felde gezogen ist", sagt Drohsel. So sei es ein Fehler der Regierung von Gerhard Schröder gewesen, Arbeitslosen zu unterstellen, sie hätten keine Lust zu arbeiten - und so die Arbeitsmarktreformen zu rechtfertigen. Es fehlten schlicht die Jobs.

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