Jurist kandidiert nicht mehr für den Bundestag
SPD-Wirtschaftspolitiker Wend tritt Rückzug an

Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Wend, wird dem nächsten Bundestag nicht mehr angehören. Er habe sich entschieden, nicht erneut zu kandidieren, teilte der SPD-Politiker am Montag mit.

BERLIN. Der 54-Jährige, der dem Bundestag seit zehn Jahren angehört, zählt zu den entschiedenen Verfechtern eines reformorientierten Kurses seiner Partei.

Wend sagte, sein Entschluss habe keine politischen, sondern ausschließlich persönliche Gründe. „Zum Zeitpunkt der nächsten Bundestagswahl werde ich 55 Jahre alt sein und sehe damit die letzte Möglichkeit, beruflich noch einmal etwas Neues beginnen zu können. Vier Jahre später würde dies aus Altersgründen kaum noch möglich sein.“ Wend sagte, wie seine berufliche Zukunft aussehen werde, stehe derzeit noch nicht fest: „Ich weiß es wirklich nicht. Es werden sicher noch Monate vergehen, ehe sich diese Frage geklärt hat.“

Wend ist Mitglied des Seeheimer Kreises seiner Partei, der für einen reformorientierten, pragmatischen, an den finanziellen Möglichkeiten des Sozialstaates orientierten Kurs steht. Klaas Hübner, einer der Sprecher der Seeheimer, bedauerte den Rückzug Wends aus der aktiven Politik. Wend habe wesentlich zur wirtschaftspolitischen Profilierung der SPD in den vergangenen Jahren beigetragen. „Sein Rückzug aus dem Bundestag ist ein Verlust für die SPD-Fraktion“, sagte Hübner dem Handelsblatt. Johannes Kahrs, ebenfalls Sprecher des Seeheimer Kreises, fürchtet, dass es wahrscheinlich nicht einfach sein werde, „jemanden zu finden, der die wirtschaftspolitische Flagge hochhält und auch mal gegen die Mehrheitsmeinung der Partei argumentiert“.

In genau dieser Rolle hatte sich Wend in den vergangenen Jahren gesehen. Immer wieder musste er seine Positionen gegen den linken Flügel seiner Partei vertreten. „Das ist auf Dauer ein nervenaufreibendes Geschäft. Nicht jeder hat Lust dazu, das auf Dauer zu machen“, heißt es bei den Seeheimern. Hinzu kommt, dass Wends Aussichten auf einen sicheren Listenplatz zuletzt deutlich geschwunden waren. Bei den Bundestagswahlen 2005 hatte der Rechtsanwalt seinen Wahlkreis Bielefeld allerdings mit deutlichem Vorsprung direkt gewonnen.

Wer in der nächsten Legislaturperiode Wends Aufgabe übernehmen könnte, ist derzeit noch völlig offen. Wend betonte, er werde seine Aufgabe als Abgeordneter „bis zur nächsten Wahl in vollem Umfang ausüben“.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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