Justiz
Mord-Anklage gegen Demjamjuk

Jahrelang hat die deutsche Justiz darauf gewartet, dass der mutmaßliche NS-Verbrecher von den USA nach Deutschland überstellt wird, jetzt hat die Staatsanwaltschaft München Anklage wegen Beihilfe zum Mord erhoben.

HB MÜNCHEN. Der 89-Jährige soll sich demnächst wegen Beihilfe zum Mord in 27 900 Fällen vor dem Schwurgericht München verantworten. Ärztliche und psychiatrische Gutachter hatten seine Verhandlungsfähigkeit bestätigt.

Laut Staatsanwaltschaft war Demjanjuk 1943 als Aufseher im Vernichtungslager Sobibor am Massenmord an den Juden direkt beteiligt. Er selbst bestreitet das und sagte, er sei als Sowjetarmist nur in deutscher Kriegsgefangenschaft gewesen. Demjanjuk war im Mai aus den USA abgeschoben worden, wohin er nach Kriegsende ausgewandert war. Mit dem Beginn des Prozesses wird im September oder Oktober gerechnet.

Der spektakuläre Fall wird als einer lder letzten großen Prozesse über Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus angesehen.

Erst in der vergangenen Woche hat das Bundesverfassungsgericht eine Beschwerde Demjanjuks gegen seine Abschiebung aus den USA abgelehnt. Demjanjuk war Mitte Mai nach Deutschland gebracht worden und sitzt seither in München-Stadelheim in Untersuchungshaft. Er soll wegen Beihilfe zum Mord an mindestens 29 000 Juden zur Verantwortung gezogen werden. Der gebürtige Ukrainer, der inzwischen staatenlos ist, soll als Wachmann 1943 im Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen die Menschen in die Gaskammern getrieben haben.

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