Justiz
Verwunderung über Althaus-Urteil

Überraschend schnell wurde Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus am Dienstag wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Zu schnell? Österreichische Juristen und deutsche Politiker übten Kritik an der Entscheidung des Gerichts. „Das geht sicherlich ins Guiness-Buch der Rekorde ein“, wunderte sich einer.

WIEN. Das überraschende Schnellverfahren gegen Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) wegen fahrlässiger Tötung einer Skifahrerin ist bei Juristen auf Kritik gestoßen. Der Sprecher der österreichischen Strafverteidiger, Richard Soyer, sprach von einer „in Österreich keineswegs üblichen Vorgangsweise“. Es sei eine Verfahrensbestimmung angewendet worden, die für ganz andere Fälle geschaffen worden sei, sagte der Rechtsanwalt und Professor der „Süddeutschen Zeitung“. Das Vorgehen sei zwar nicht rechtswidrig, „aber dem Ansehen der Justiz in Österreich eher abträglich“.

Ein Gericht im österreichischen Irdning hatte Althaus in einer überraschend angesetzten Verhandlung am Dienstag in Abwesenheit zur Zahlung von 33 000 Euro verurteilt. Außerdem muss er 5000 Euro Schmerzensgeld an den Ehemann der 41-jährigen Beata Christandl zahlen, die bei dem Zusammenstoß auf der Piste am Neujahrstag starb. Althaus akzeptierte nach Angaben der Erfurter Staatskanzlei die Entscheidung des Gerichts. Diese ist aber noch nicht rechtskräftig ist, weil sie der Staatsanwalt noch nicht angenommen hat.

Auch bei deutschen Politiker sorgte das Urteil für Verwunderung. „Das ist atypisch schnell - was immer man daraus schlussfolgert“, wird der rechtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jürgen Gehb, der „Mitteldeutschen Zeitung“. „Das geht sicherlich ins Guiness-Buch der Rekorde ein. So lange dauern bei uns in Deutschland die Zustellungsfristen. Das wundert mich ein bisschen. Aber nun ist es vorbei. Das ist doch gut“. Der Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses, Andreas Schmidt (CDU), zeigte sich von dem Tempo ebenfalls überrascht. Jedoch sagte er der Zeitung zufolge, Österreich sei wie Deutschland ein Rechtsstaat.

Auch der Spitzenkandidat der Linken bei der Thüringer Landtagswahl, Bodo Ramelow, äußerte sich erstaunt über das schnelle Verfahren gegen Althaus. „Ich bin befremdet über die Art des Gerichtsverfahrens. Ich wusste nicht, dass es in der österreichischen Justiz Turboverfahren gibt. Das macht mich sprachlos“, sagte er dem „Hamburger Abendblatt“ zufolge. Er frage sich, ob die Justiz bei den normalen Bürgern in Österreich genauso gehandelt hätte wie bei Althaus. „Diese seltsamen Verfahrensumstände kann ich aber nicht Dieter Althaus anlasten“, betonte Ramelow.

Anwalt oyer sagte, Gerechtigkeit habe sichtbar zu sein und man dürfe nicht den Eindruck gewinnen, es werde blitzschnell in geheimen Kammern verhandelt. Es sei am Vormittag ein Verhandlungstermin für den Nachmittag anberaumt worden, während üblicherweise Wochen dazwischenlägen.

Die Anklage gegen Althaus war erst am Montag bekanntgeworden, nachdem dieser zuvor in einer schriftlichen Erklärung die Verantwortung für sein Handeln übernommen hatte. Sein Anwalt hatte daraufhin ein schnelles Verfahren eingefordert. Der CDU-Politiker hatte bei dem Unfall in der Obersteiermark schwere Kopfverletzungen erlitten und wird derzeit in einer Klinik am Bodensee behandelt.

Laut Gutachten war Althaus an einer Kreuzung zweier Pisten ein Stück bergauf gefahren und so mit der ihm entgegenkommenden Frau zusammengestoßen. Die Staatsanwaltschaft ging deshalb von einem Bruch der für die Pisten geltenden Verhaltensregeln des internationalen Skiverbandes FIS aus.

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