Justizfall Euro
Fünf Männer gegen eine Währung

Sie führten die Bewegung gegen den Euro vor Gericht an. Wer die fünf Währungsgegner sind und warum sie die Gemeinschaftswährung ablehnen:
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BerlinKein Wort war ihnen zu groß. „Wir kämpfen für eine heilige Sache“, war sich Wilhelm Hankel zutiefst überzeugt. „Heilig“ – das sind dem 82-jährigen Ökonomen und seinen vier Mitstreitern die Rechte des Parlaments, die ihres Erachtens bei der Verabschiedung der Maßnahmen übergangen wurden.

Die ganz großen Worte scheut keiner der fünf Herren, die gestern im Berliner Hotel Adlon ihren Lebenskampf gegen den Euro erklären. 71 Jahre alt sind die beiden Jüngsten, der Tübinger Wirtschaftsprofessor Joachim Starbatty und der Erlanger Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider. 77 Jahre ist der frühere Hamburger SPD-Finanzsenator Wilhelm Nölling.

Ein gemeinsames Ziel eint sie seit Jahren. Schon 1998 klagten sie zusammen mit Hankel gegen die Einführung des Euros, gegen den sie schon immer waren – damals vergeblich. Und auch heute ist die Auflösung des Euros das eigentliche Ziel ihres Kampfes. „Das Euro-Abenteuer geht zu Ende“, heißt ihr neues Buch.

Ihr Anlass ist die Finanzkrise Europas. Als im Frühjahr 2010 die Schuldennot Griechenlands offensichtlich wird, sind sich Schachtschneider und Hankel sofort einig, dass „der Rubikon überschritten ist“, so Hankel, und die Zeit reif für den erneuten Gang nach Karlsruhe.

Ihrer Vierergruppe schließt sich der 85-jährige einstige Thyssen-Chef Dieter Spethmann an, der nach seiner Pensionierung 1991 zum Kritiker der europäischen Integration und des Euros wurde. Im Kontrast zu heutigen Konzernlenkern ist er zutiefst überzeugt, dass der Euro der deutschen Exportwirtschaft erst einmal geschadet hat, weil Deutschland zu hohe Zinsen aufgebürdet wurden: Wären wir wie die Schweiz unabhängig, ginge es allen besser, sagt Spethmann. Die derzeitige Extremsituation, in der die Regierungen der Euro-Zone immer neue Rettungspakete für die Gemeinschaftswährung auflegen, beobachten die Euro-Gegner mit wohligem Gruseln. Denn das Unbehagen an den immer höheren Garantiesummen verschafft ihnen Rückenwind. In Inflation und Wechselkursrutsch werde die Staatsschuldenkrise enden, sagt Schachtschneider. Griechenland und überhaupt Südeuropa würden „nie wettbewerbsfähig“. Und die Euro-Rettungspakete sind für Schachtschneider ein „Staatsstreich der politischen Klasse“.

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  • Ihrer Meinung zum Euro ist dann nicht grundsätzlich ein anderer Standpunkt entgegen zu halten, wenn die Bereitschaft erkennbar wäre, aus (von einigen Politikern erst heute erkennbaren) Fehlern zu lernen und bei neuen Situationen adäquat zu handeln. Das Festhalten am Euro in der gegenwärtigen Form bei immer weiteren Zahlungen zu Lasten der Bürger (in der Regel der Schwachen in der Gesellschaft) kann man nicht gut heißen. Daß z.B. ein Staatsbankrott kein Weltuntergang sein muß, hat nicht nur Argentinien bewiesen - dort hat man sich auch selbst wieder "berappelt" und hat dabei viel gelernt. Ich befürchte, daß uns ein Flächenbrand bevorsteht, der dann nicht mehr gelöscht werden kann. Es kann nicht bestritten werden, daß unseren derzeitigen Politikern und auch denen, die das aktuelle System "Europa" vor Jahren gezimmert haben, in Wirtschafts- und Finanzfragen die erforderliche Kompetenz fehlt. Das wäre auch noch nicht einmal so schlimm, wären sie nicht so furchtbar beratungsresistent. Wenn es Ihnen möglich ist, lesen Sie den Beitrag von F. Merz im heutigen Handelsblatt - er mag ein arroganter Überflieger sein - ein Dummkopf ist er sicher nicht.

  • Das habe ich nicht getan und werde es auch nicht. Außerdem ist es keine Kunst vor Neuheiten und folgerichtigen Entscheidungen der Politik zu warnen, da die Politiker auch nur Menschen und deshalb nicht unfehlbar sind. Ich kann auch alles kritisieren und werde in Zukunft in irgendwelchen Punkten Recht haben. Doch dies ändert nichts an dem falschen Fundament, auf dem die ganze Diskussion beruht.
    Der Euro ist ein zwingendes Muss und die einzige folgerichtige Konsequenz zu der Entwicklung in der Gesellschaft auf globaler Ebene. Doch wenn ich sehe, zu welcher "Mistgeburt", diese überaus großartige Idee verkommen ist, kommt mir auch das kalte Grausen. Es wurden viele Fehler gemacht und die meisten hätten mit ein wenig mehr Weitsicht und Verstand verhindert werden können. Doch das alles ändert nichts an der Notwendigkeit dieser Gemeinschaft und der daraus resultierenden Gemeinschaftswährung!

  • Eines sollten Sie aber tun, nämlich die vielen durchaus kompetenten Fachleute, die emotionslos in aller Öffentlichkeit sehr nüchtern und überzeugend vor der Einführung des Euros gewarnt haben und denen die heutige Realität nachträglich Recht gibt, nicht als Stammtischschwätzer verunglimpfen.

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