Kabarett und Islam
Auch Nuhr hat Angst vor radikalen Muslimen

Dieter Nuhr macht Witze auf Kosten des Islams. Das hat ihm nun eine Anzeige und einen Boykottaufruf eingebracht. Der Kabarettist verteidigt sich – und kritisiert seine Satire-Kollegen: „Die ziehen den Schwanz ein.“
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BerlinDer Kabarettist Dieter Nuhr hat den Vorwurf anti-islamischer Hetze zurückgewiesen. „Ich finde es lustig, weil ich ja keine Religionsgemeinschaft beschimpfe“, sagte Nuhr in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“. Zugleich verteidigte er kritische Äußerungen. „Ich habe kein Verständnis dafür, dass die bei uns lange erkämpfte Meinungsfreiheit nicht mehr ernst genommen wird, wenn sich Islamisten dagegenstemmen.“

In dem Interview geht Nuhr auch mit den Kollegen im Kabarett hart ins Gericht. Die meisten würden nicht wagen, sich kritisch mit dem Islam auseinanderzusetzen. „Die ziehen dann halt den Schwanz ein.“ Auch der Komiker selbst fürchtet eine Reaktion radikaler Muslime. „Ich will mich auch nicht mit denen anlegen, weil ich auch Angst habe“, wird Nuhr zitiert.

Der 53-Jährige war von einem Muslim aus Osnabrück wegen Islamhetze angezeigt worden. Schon auf seiner Facebook-Seite hatte sich Nuhr gegen die Vorwürfe gewehrt: „Bin von Islamisten als „Hassprediger“ angezeigt worden, weil ich den Koran richtig zitiert habe.“ Dem 53-Jährigen wird von Erhat Toka Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft vorgeworfen, wie die „Neue Osnabrücker Zeitung“ berichtete.

„Wenn sich jemand über den Islam lustig macht, habe ich nichts dagegen“, sagte Toka dem Blatt. Doch Nuhrs Kritik sei verletzend, deshalb habe er zum Boykott einer Nuhr-Veranstaltung in Osnabrück aufgerufen. Rund 30 Teilnehmer folgten diesem Aufruf. Die Tageszeitung „Welt“ zitiert Toka mit dem Vorwurf, Nuhr betreibe „blöde, dumme Hetze gegen eine Minderheit“.

Doch nicht nur Toka kritisiert den Kabarettisten. Der Migrationswissenschaftler Klaus J. Bade sagte der „Welt“: „Da verwechselt einer den Islam mit dem Islamischen Staat“. Pauschale Diffamierungen anstelle von Differenzierungen würden nur neue Schreckensbilder schaffen. Nuhr hatte in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ 2011 unter anderem geschrieben, dass dem Islam Toleranz fremd sei.

Im Internet erhält Nuhr sowohl Unterstützung als auch weitere Kritik. So schrieb der Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz (CDU) in einem Kommentar auf Facebook: „Herr Nuhr wählt sehr deftige Worte. Nun nimmt jemand, der sich dadurch beleidigt fühlt, sein Recht wahr, von einem Gericht überprüfen zu lassen ob ein Gesetzesverstoss vorliegt. Und sein Recht gegen die Äusserungen von Herrn Nuhr eine Demonstration zu organisieren. Die Wahrnehmung dieser Rechte stellt keinerlei Einschränkung der Meinungsfreiheit dar (...). Die Diskussion geht in die absolut falsche Richtung.“ Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime Aiman Mazyek ging gelassener an die Sacher heran und rief dazu in einem Interview mit der „Welt“ auch andere Muslime auf: „Wenn Herr Nuhr meint, den Koran nach fundamentalistischer Lesart in der Funktion eines Satirikers auslegen zu müssen, dann muss er das selber verantworten, und man muss ihn nicht noch verklagen und ihm so einen Werbeblock umsonst liefern.“

Kurz nach Bekanntwerden der Anzeige gründete sich aber auch die Gruppe "Solidarität mit Dieter Nuhr", die in zwei Tagen mehr als 10.000 Unterstützer gewinnen konnte. Auch in den Kommentarspalten sind die Unterstützer in der Überzahl. „Nuhr nicht unterkriegen lassen“, ermutigt ein Kommentator den Kabarettisten.

Nuhr selbst scheint sich in der Rolle allerdings selbst nicht ganz wohl zu fühlen. „Ich habe auch gar keine Lust, als große Speerspitze des Antiislamismus dazustehen. Natürlich bekommt man auch die Freunde auf der falschen Seite.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ein Migrationswissenschaftler – was ist das eigentlich für eine Fachdisziplin – möchte bitte eine Differenzierung zwischen Islam und Islamischer Staat – Geschichte und Selbstverständnis des Islam sind dem wohl abhanden gekommen, dann soll er doch erst mal zu Hause suchen und nicht in der Gegend auf Kosten des Steuerzahlers so kontraproduktiv daher quatschen: „Mohamed schuf am Beginn des 7. Jhd. in der Mitte Arabiens eine Bewegung, die, von aggressivem Kampfgeist durchdrungen, weite Gebiete Vorderasiens und Nordafrikas eroberte, ihrem Glauben unterwarf und zu einem Herrschaftsgebilde eigener Art zusammenfügte“, schreibt einer der bekanntesten Islamwissenschaftler, Tilmann Nagel in seinem Buch „Mohammed-Zwanzig Kapitel über den Propheten der Muslime“ – aus jedem Wort springt uns Gewalt und absolute Unterordnung an, die wir auch in der Praxis weltweit verfolgen können: Mehr als 65% der Menschen islamischen Glaubens in Nordafrika sprechen sich in einer jüngsten Umfrage für die Todesstrafe für Konversion in andere Religionen oder ein Verlassen des Islam aus. Da braucht man gar nicht Salman Rushdie, die dänischen Karikaturisten, die ständigen Sprüche der Ayatollahs des Irans , den Steuer schluckenden Haßprediger von Köln, Äußerungen der Islamverbände in diesem Lande und viele, viele andere zum Beweis zu erheben Tilmann Nagel wirft im Interview („Mohammed ist ein Konstrukt“, Kölner Stadtanzeiger, 81.11.2008) insbesondere den Islamverbänden vor, in unserer Gesellschaft nicht angekommen zu sein. Das sollte dieser Staat in Ausübung seines Gewaltmonopols diesen Leuten eindeutig klar machen: Ohne Toleranz gibt es hier keine Integration. Das der Kabarettist Nuhr Angst hat, ist bei der leider legitimierten Praxis dieser Leute nachvollziehbar.

  • Ist Hr. Nuhr schon mit der Fatwa belegt und untergetaucht? Wo ist die Unterstützung von Hr. Gauck? Wieder nur Zustimmung zum "Tötet Andersgläubige"?????

  • "Haben Sie den von mir zitierten Imam nicht verstanden? In deren Augen sind Sie ein Mensch zweiter Klasse."

    Doch, ich mache ihn nur nicht zu einer (religiösen) Autorität, nehme ihn jedenfalls nicht so wichtig wie Sie und gestehe ihm zu, keine Ahnung von dem zu haben, wovon er redet und statt etwas über Religion mitzuteilen, sich in einem billigen Machtspiel zu verrennen.

    Aber ist schon klar: natürlich ist es im real existierenden Islam ein wichtiges Dogma, dass der Muslim dem Nicht-Muslim überlegen ist, wie der WAHRHEITskenner, dem im Nebel stochernden. Die spannende Frage ist aber, was der real existierende Islam mit WAHRHEIT zu tun hat. Relativ wenig wie sie richtig sagen. Deshalb kämpfe ich zwar für die WAHRHEIT (deren Existenz der Westen oft leugnet) und bin damit mit jedem "Rechtgläubigen" (auch Muslimen) einig, bin aber wie Sie gegen vulgärreligiöse Eskapaden wie die, die uns manche (von mir aus die meisten) Imane zumuten.

    Dass mir dafür einige in ihrem Irrglauben verfangenen sogenannten Muslime den Kopf abschneiden würden, weiß ich, führt aber vom Kern des Problems weg.

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