Kabinett in Bayern
Wirtschaftsminister Zeil: „In Erhard’scher Tradition“

CSU und Wirtschaft - lange Jahre war das in Bayern eine Symbiose. Nun nimmt mit Martin Zeil das erste Mal ein Liberaler in dem Büro Platz, in dem schon Ludwig Erhard die Wirtschaft des Freistaats steuerte. Ein radikaler Kurswechsel ist von ihm nicht zu erwarten.

MÜNCHEN. Den Gemütsmenschen Martin Zeil kann so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Doch als der neue bayerische Wirtschaftsminister zur Amtseinführung an der Galerie seiner Vorgänger vorbeischritt, um zur Feier in den Ludwig-Erhard-Saal zu gelangen, da wurde ihm die Größe der Aufgabe wohl bewusst: „Ich sitze jetzt künftig auf einem Stuhl, auf dem auch der Vater der sozialen Marktwirtschaft schon gesessen hat.“ Der neue Posten ist für Zeil wie für die politische Kultur in Bayern ein großer Schritt. Denn CSU und Wirtschaft – das war im Freistaat über Jahrzehnte eine Symbiose. Ein FDP-Politiker im Wirtschaftsministerium, daran müssen sich viele erst gewöhnen. Einen radikalen Kurswechsel will Zeil vermeiden.

Schreibtisch und Stuhl von Ludwig Erhard, bayerischer Wirtschaftsminister von Oktober 1945 bis Dezember 1946, stehen zwar inzwischen anderswo im Ministerium. Das Büro des Ministers ist aber dasselbe. Zeil hat das schlichte Mobilar seiner Kurzzeit-Vorgängerin Emilia Müller (CSU) übernommen. Er will nicht alles neu machen. „Das Haus hat eine starke Stabilität, da liegt eine große Chance“, sagt er. Bei seiner Vorstellung hat er denn auch einen guten Eindruck gemacht. Gelassen und kompetent wirke der neue Chef, ist im Haus zu hören.

Die bayerische Wirtschaftspolitik, sie wurde lange von Otto Wiesheu geprägt. Der heutige Bahn-Vorstand erlangte vor allem als Krisen-Manager Ruhm. Wenn es bei irgend-einem Unternehmen in Bayern brannte, reiste der Feuerwehrmann an. Oft halfen dann staatliche Förderbanken aus. Die ordnungspolitisch reine Lehre war das nicht immer. Doch die will auch der FDP-Mann Zeil gar nicht vertreten. Als Wirtschaftsminister eines Bundeslandes könne man, wenn ein Unternehmen in Schwierigkeiten gerät, nicht leichthin sagen: „Da schaue ich einfach mal zu, wie sich das regelt.“ Auch er wolle helfen und unterstützen, wenn es Engpässe gibt. Soziale Marktwirtschaft heiße nicht, in einem Laissez-Faire-Stil alles Laufen zu lassen. „Da sehe ich mich in der Erhard’schen Tradition.“

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