Kabinett in Klausur
Harmonie am Huwenowsee

Auf Schloss Meseberg bemühen sich Union und SPD um ein geschlossenes Bild der Koalition. Gemeinsam sind Angela Merkel und Franz Müntefering am Mittag vor dem Schloss vorgefahren und nebeneinander über das holprige Natursteinpflaster zum Eingang balanciert. Die Botschaft ist klar: Diese Koalition ist intakt, und sie hat sich noch eine Menge vorgenommen.

MESEBERG. Hat da gerade die Kanzlerin gesprochen, oder war es doch der Vizekanzler? Hinter dem meterhohen Wall der Kamerastative kann man die Akteure kaum erkennen. Verzerrt dringen Sprachfetzen durch die warme Spätsommerluft. „Unser Thema Nummer eins ist: Wie können die Menschen am Aufschwung teilhaben?“ hat gerade jemand gesagt. Und nun: „Aufschwung ist kein Selbstzweck!“

Tatsächlich: Es ist die Stimme von Angela Merkel, die den sozialdemokratischen Sprechzettel des freundlichen Herrn an ihrer Seite vorzutragen scheint. Franz Müntefering fasst sich kurz: „Die Kanzlerin hat recht. Alles ist so, wie sie es gesagt hat.“

Schon auf den 70 Kilometern hinaus aus dem hektischen Berlin ins ländliche Brandenburg hat man geahnt, dass die zweitägige Klausur im Barockschlösschen über dem Huwenowsee für gutes Klima im doppelten Wortsinn sorgen soll. Durch Mais- und Sonnenblumenfelder führt die Fahrt der Minister-Limousinen, vorbei an knorrigen Pflaumenbäumen und friedlichen Windkrafträdern. Ein paar versprengte PDS-Demonstranten unterwegs sorgen mit roten Anti-Hartz-Plakaten für putziges Lokalkolorit, während der Himmel über dem Bilderbuchdorf Meseberg blau strahlt.

Und nun auch noch Merkel und Müntefering! Gemeinsam sind sie am Mittag vor dem Schloss vorgefahren und nebeneinander über das holprige Natursteinpflaster zum Eingang balanciert. Die Botschaft ist klar: Diese Koalition ist intakt, und sie hat sich noch eine Menge vorgenommen. So ähnlich fallen denn auch die kurzen Statements der Minister aus, falls sie nicht wie Finanzminister Peer Steinbrück wortlos an den Journalisten vorbeiziehen oder wie Familienministerin Ursula von der Leyen extra eine Stunde eher einfliegen, um eine Privatpressekonferenz zu den „unerträglichen“ Vorgängen in Mügeln und den umfangreichen Aktivitäten des eigenen Ministeriums abzuhalten.

Da ist man tatsächlich einmal froh, dass es Sigmar Gabriel gibt. Der Umweltminister, der sich derzeit in einer medialen Großoffensive als quantenspringender Klimaschützer präsentiert, hatte eigentlich einen großen Auftritt geplant: Mit einem vom Verband deutscher Verkehrsunternehmer gesponserten knallgelben Wasserstoffbus voller Journalisten wollte er ebenso CO2-sparend wie imagefördernd vorfahren.

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