Kämpfer für Europa Schäuble und die endlosen Krisentage

Auch er, der Finanzminister und Europakämpfer, ist überrascht, von dem was in Athen passiert, dass Papandreou alles aufs Spiel setzen will. Das sagt Wolfgang Schäuble. Und seine Miene sagt nichts anderes.
  • Stephan-Andreas Casdorff
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat anstrengende Wochen hinter sich. Quelle: dpa

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat anstrengende Wochen hinter sich.

(Foto: dpa)

Diese Stille in seinem Zimmer. Und so aufgeräumt ist es. Keine Akten liegen herum, als warteten sie dringend darauf, gelesen zu werden. Ein paar Papiere auf dem Schreibtisch, der Konferenztisch ist leer. Die Stühle stehen gerade. Alles hat seine Ordnung. Alles ist in Ordnung, möchte man meinen. Und er ist Herr der Situation.

Ist er auch Herr der Lage? Wolfgang Schäuble wirkt, man mag es kaum schreiben, tiefenentspannt. Er trägt Hemd ohne Krawatte, die Haare sind gestutzt, die randlose Brille, die er seit geraumer Zeit hat, ist sauber. Keine Fingerabdrücke darauf, keine verschmierte Sicht, das sieht man gegen das Licht. Guter Durchblick, fällt einem automatisch ein, aber wahrscheinlich auch, weil es gut wäre, wenn es so wäre.

Schäuble lächelt. Sogar freundlich. Was angesichts dieser Gesamtsituation durchaus überrascht und heiter stimmt.

Dabei ist die Lage da, hätte der alte Konrad Adenauer gesagt, der erste Kanzler der Republik West, wie man hinzufügen muss. Inzwischen ist Deutschland wieder beisammen, beide Teile, beide Staaten wachsen zusammen, und was sich Adenauer vielleicht erträumt hat, was dessen Nachfolger Ludwig Erhard vielleicht mal erkaufen wollte – das also hat dieser Mann, der da vor einem sitzt, als Architekt der deutschen Einheit gemacht. Ein harter, zäher, gewiefter Unterhändler. Schäuble hat Adenauer auch noch gekannt. Und sieht sich jetzt gefordert, mit allem, was er gesehen, erlebt, gelernt hat, die zweite Grundfeste Adenauers zu sichern: Europas Einigung.

Ja, bald gehört auch Schäuble zum Gründungsmythos der geeinten Republik. So oder so wird Schäuble dazugehören, ob er bleibt oder geht, in der Regierung oder im Bundestag. Es wird sein letztes großes Amt sein, das des Bundesministers der Finanzen, wenn nicht alles täuscht. Immerhin ist er 69 und sitzt im Rollstuhl. Allerdings weiß man bei einem wie ihm nie, seine Wechselfälle des Lebens sind gewaltig. So, wie man auch nicht immer weiß, was er wirklich will. Manchmal, das ist sein großes Geheimnis, weiß er es selbst nicht. Da gerinnt dann nachträglich zur Strategie, was vorher keine war. Aber eines weiß inzwischen doch wohl bald jeder in der Republik: dass er das, was er gerade macht, gut machen will, besser als jeder andere vor ihm. Das ist die Eitelkeit, die er sich erlaubt.

Bei Schäuble macht der Ton die Musik
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7 Kommentare zu "Kämpfer für Europa: Schäuble und die endlosen Krisentage"

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  • Ja, zu uns würde ein BK passen, der immer zu seinen Amtsbrüdern aufschauen muss.

  • Schäuble ist unser bester Mann. Der Mann ist eine Legende. und die Menschen werden in 1000 Jahren über solche Vorbilder sprechen.

    Wir können wirklich froh sein das wir ihn haben. Schäuble wäre auch ein 100% BK-Kandidat. Meine Stimme wäre ihm sicher !

  • > DAS VOLK IST EH ZU DÄMLICH

    Die Wahrheit ist hart aber grausam.

  • Es ist nicht mehr die Zeit, Dinge höflich verklausuliert zu umschreiben. Jede Zurückhaltung bei der Beschreibung der Täter nutzen diese, um ungebremst ihren Schadensradius auszuweiten.
    Schäuble ist ein Mann, der schon als Parteispendensammler seine Dubiosität bewiesen hat. Er ereiferte sich sogar gegen die Schweiz, diese möge ihren Fahndungsdruck zurücknehmen, als er dort im nachsichtig-weitmaschigen Raster zur Leuna-Bestechungs-Affäre sichtbar wurde.
    Aktuell sorgt er als Finanzminister für ein Abkommen mit der Schweiz, das mittels
    (umgehbarer) Ablasszahlungen die Anonymität schwarzer Kassen gewährleistet.
    Wie Schäuble schon bei 100.000 DM aus der Hand eines Waffenhändlers jedeÜbersicht verlor + mit der CDU-Schatzmeisterin in Konflikt geriet, war kabarettreif.
    Schäuble blühte im tiefen Schatten Kohls. Was er dort trieb, wissen wohl nur
    die Beiden - im Resultat meidet Kohl heute seinen ehemaligen Weggefährten. Als Integritätskulisse setzt Schäble geschickt den "Leiden-Christi-Faktor" ein .
    Wie es aber zugeht, wenn Schäuble die Maske fallen läßt, konnte man bei der Demütigung seines Pressesprechers erahnen.
    Schäuble geht es nicht um Europa.
    Sozialisierung von Bank-Forderungsausfällen ist sein Geschäft.
    Allerdings gehört Schäuble zu den geschickten Dieben. Sobald die
    Kontrollleuchten der Aufnahmegeräte leuchten, ruft Schäuble am lautesten "haltet den Dieb"- auf die Denkfaulheit der Hofberichterstatter kann er sich dabei verlassen.

  • Hr. Schäuble muss seine Ruhe finden und wird am Ende die richtige Entscheidung treffen. Ansonsten waer er Teil einer Versagensmaschine, und das will doch keiner von uns braven Michels. Vielleicht kennt er den gesamten Schuldenumfang, das Oberrumgezocke aller Banken mit ihren so verschleierten Mechanismen, und wir stehen kurz vor dem
    ganz grossen Sprung ?. Vertraut der CDU/CSU.....

  • Jonathan Swift, Gullivers Reisen

    Drittes Kapitel

    „Am meisten Spaß machten mir die Seiltänzer, die ihre Kunst auf einem dünnen weißen, etwa zwei Fuß langen und zwölf Zoll über dem Boden gespannten Faden vorführen. Ich bitte den Leser um Geduld, wenn ich mir die Freiheit nehme, hierüber etwas ausführlicher zu berichten.

    Diese Kunst wird nur von solchen Leuten ausgeführt, die als Kandidaten für eins der hohen Hofämter in Frage kommen. Sie werden darin schon von Kind an trainiert, und es sind keineswegs immer sehr vornehme oder feingebildete Leute. Wird eines der Hofämter frei – entweder dadurch, daß der Betreffende stirbt oder (was oft genug vorkommt) in Ungnade fällt -, dann flehen fünf oder sechs dieser Kandidaten den Kaiser an, sich vor Seiner Majestät und dem Hof als Seiltänzer produzieren zu dürfen. Wer, ohne herunterzufallen, am höchsten springt, erhält das Amt. Sehr oft wird selbst den höchsten Ministern befohlen, ihre Geschicklichkeit zu zeigen und dem Kaiser zu beweisen, daß sie ihre Sprungfähigkeit nicht verloren haben. Flimnap, der Finanzminister, gilt allgemein als der beste Springer, weil er auf dem straff gespannten Seil mindestens einen Zoll höher springt als alle anderen Herren des Reiches.“

    Wäre interessant zu erfahren, was Dr. W. Schäuble für das Amt des Bundesfinanzministers qualifiziert?

  • die Überschrift hiesse besser "Klempner für Europa", wenn man die bisherigen Chaosaktivitäten aller Beteiligten betrachtet. Und am Ende werden sie es schaffen, dass Europa zerstritten ist, der Euro auseinanderfällt und dann doch auf die bösen "Märkte" schimpfen.

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