Kampagne gegen Übergewicht
Regierung will Deutschen an den Speck

Die Deutschen sind zu dick. Zwei Drittel der Männer und rund die Hälfte der Frauen zwischen 18 und 80 Jahren haben deutlich zu viel auf den Rippen. Nun fühlt sich die Bundesregierung berufen, den Bürgern ins Gewissen zu reden. Doch für viele ist die geplante Kampagne "Deutschland in Form" bereits zum Scheitern verurteilt.

HB BERLIN. Die Bundesregierung startet eine groß angelegte Initiative gegen Übergewicht. Das Kabinett beschloss jetzt den Aktionsplan "Deutschland in Form". Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) planen dazu Kampagnen für Aufklärung über gesunde Ernährung, besseres Essen in Kantinen von Betrieben, Schulen und Kindergärten sowie für mehr Sport. Zudem soll die Lebensmittel-Kennzeichnung verbessert werden.

Ein Schulpflichtfach Ernährung ist allerdings nicht geplant, auch keine Verbote. Mit der Wirtschaft soll jedoch über einen Verzicht von Werbung gesprochen werden. Konkret will die Regierung mit der Süßwarenindustrie über einen Verhaltenskodex aushandeln, damit diese freiwillig auf Werbung für Kinder unter zwölf Jahren verzichtet. Mit der Computerwirtschaft soll darüber verhandelt werden, mehr Spiele mit Bewegungsaktivität zu entwickeln. An die Modebranche wird appelliert, auf magersüchtige Models zu verzichten. Mit den Betreibern von Fitness- und Wellnesseinrichtungen soll ein Qualitätssiegel entwickelt werden. Die Ernährungsindustrie soll gesündere Lebensmittel herstellen.

Seehofer erklärte, dass Programm sei bis 2020 angelegt. Er verwies darauf, das 70 Milliarden Euro der Ausgaben im Gesundheitswesen auf falsche Ernährung und Bewegungsmangel zurückzuführen seien.

In Deutschland gelten zwei Drittel der Männer und rund die Hälfte der Frauen zwischen 18 und 80 Jahren als zu dick. Unter Kindern und Jugendlichen sind 15 Prozent übergewichtig oder fettleibig. Dadurch steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Zuckerkrankheit.

"Hauptsächlich Alibi-Maßnahmen"

"In Deutschland soll ein Umfeld geschaffen werden, in dem ausgewogene Ernährung und ausreichende Bewegung in allen Lebensbereichen fest verankert sind", heißt es in dem Entwurf der Regierung.

Doch die Pläne kommen nicht überall gut an: Die Grünen-Fraktion hält den Aktionsplan für untauglich. "Es werden hauptsächlich Alibi-Maßnahmen vorgeschoben", sagte Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn der dpa. "Übergewichtige Kinder werden so nicht erreicht." Höhn fordert ein Werbeverbot für Süßigkeiten im Fernsehen vor 20 Uhr sowie eine Ampel-Kennzeichnung von Lebensmitteln, bei der die Farben Rot, Gelb oder Grün zeigen, wie hoch der Anteil von Fett, Zucker oder Salz ist.

Auch die Deutsche Kinderhilfe kritisierte, die Pläne griffen "viel zu kurz". Appelle an die Bevölkerung reichten nicht. Fettleibigkeit sei ein Problem der einkommensschwächeren Bürger, die über Aufklärungskampagnen nicht immer erreicht würden, erklärte die Kinderhilfe. Die Pläne seien zudem nur dort konkret, wo andere in die Verantwortung genommen werden.

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