Kampf gegen Anglizismen
Ramsauer bleibt Ramsauer

Spätzle-Englisch von Günther Oettinger in Brüssel. Guido Westerwelle hat einen neuen Spitznamen: "Westerwave". Kaum eine Woche vergeht mehr, ohne dass die Bürger sich über die Sprachkenntnisse ihrer Volksvertreter amüsieren dürfen oder inzwischen fast schon müssen.
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HB. Das Thema, wie und wie oft ein Spitzenpolitiker englisch spricht, geht immer mehr auf die Nerven. So mancher wünscht sich vielleicht bereits, davon besser nie etwas gehört zu haben.

Aber die Bundesminister selbst lassen nicht locker und liefern immer wieder neue Geschichten: Diesmal ist es Verkehrsminister Peter Ramsauer. Der Oberbayer mit dem Wahlkreis rund um das Rentnerparadies Bad Reichenhall hat jetzt die Flucht nach vorne ergriffen und den Anglizismen in seinem Ministerium den Kampf angesagt. Ramsauer erließ für sein Haus ein striktes "Denglisch"-Verbot, also die Vermischung deutscher und englischer Begriffe.

So heißt das "Travel Management" im Verkehrsministerium künftig wieder "Reisestelle". Statt "Task Forces" arbeiten bei Ramsauer jetzt wieder "Projektgruppen". Und statt zum "Inhouse Meeting" kommen die Ministerialbeamten nun zum "hauseigenen Seminar" zusammen. "Ich will, dass im Haus wieder mehr Deutsch gesprochen wird", sagt Ramsauer. Fast alles bekommt also einen neuen Namen. Nur Ramsauer bleibt Ramsauer.

Kommentare zu " Kampf gegen Anglizismen: Ramsauer bleibt Ramsauer"

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  • Wie sich nach kurzer Abwesenheit von ca. 1,5 Jahren Anglizismen ausbreiten können, musste ich jetzt in meiner bank erleben. Plötzlich gab es keine Änderungsanfragen unserer Firmenkunden, nein jetzt waren dass alles waiver requests. Dabei muss die bank garnicht in allen Fällen auf etwas verzichten, was der begriff im Wortsinn impliziert. Dies ist nur ein beispiel von Vielen. Lasst uns doch wieder zu einer verbindlichen und eindeutigen Sprache zurückkehren.
    Dem Kulturkreis in dem die Finanzkrise erfunden wurde, muss ich doch wirklich nicht ständig hinterherhecheln und auch noch meine eigene Kultur zum Frass vorwerfen. Das können wir doch nun wirklich mindestens genau so gut, in good old europe, oder?.

  • So ist es richtig! Das transatlantische Nachgelaufe muss endlich ein Ende haben. Da sind z.b. die Franzosen viel Selbstbewusster als wir in Deutschland. Wie hoch ist überhaupt der Prozentsatz der Vollidioten in Amerika, die eine Fremdsprache beherrschen?

  • Recht hat er. Eine Änderung von "Treffen" in "Meeting" scheint immer etwas entfremdet. Es soll moderner, globaler und damit professioneller klingen, aber die Menschen und der inhalt bleiben doch das Gleiche. Vielleicht sollte man sich mehr auf den Kern als auf die Hülle konzentrieren, denn wie das Kind heißt ist doch letztendlich egal. Um Minderwertigkeitskoplexen vorzubeugen schaut man sich die "Liste der Länder nach biP", dann kann man getrost weiter deutsch sprechen.

    Aber "Westerwave" ist doch geil Herr "Ramsour".

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