Kampf gegen den Stress

Von der Leyen will Handys abschalten

Immer mehr Deutsche sind auch nach Feierabend für die Firma erreichbar. Stressbedingte Erkrankungen nehmen zu. Die Arbeitsministerin will nun gegensteuern - und fordert "glasklare Regeln". Das Echo ist nicht nur positiv.
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Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU): knallharter Strafenkatalog. Quelle: dpa

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU): knallharter Strafenkatalog.

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BerlinAngesichts zunehmender Stressbelastung von Arbeitnehmern hat Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) von Unternehmen klare Regeln zum Umgang mit Smartphones, Handys und Computern gefordert. "Das Arbeitsschutzgesetz verlangt mit seinem knallharten Strafenkatalog von jedem Chef, dass er Körper und Geist seiner Mitarbeiter aktiv schützt - werktags genauso wie am Wochenende", sagte die Ministerin der "Bild"-Zeitung.

In der Praxis bedeute dies, es müsse "glasklare Regeln" geben, zu welchen Uhrzeiten ein Mitarbeiter erreichbar sein müsse und wann er dafür einen Ruheausgleich bekomme, sagte von der Leyen. Dazu zähle auch, festzulegen, wann ein Mitarbeiter Mails checken müsse und wann es in Ordnung sei, dass er sich später darum kümmere. Die neue Technik stelle kein Problem für die Gesundheit dar, fügte von der Leyen hinzu: "Wir müssen nur lernen, vernünftig damit umzugehen", sagte sie.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte von der Bundesregierung klare Regeln zur Erreichbarkeit von Arbeitnehmern in ihrer Freizeit. Das Arbeitsschutz-Gesetz müsse durch eine Anti-Stress-Verordnung ergänzt werden, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Dem DGB-Index für Gute Arbeit zufolge müssten 60 Prozent der Arbeitnehmer auch in ihrer Freizeit erreichbar sein, 33 Prozent sogar oft oder sehr oft.
Die ständige Erreichbarkeit führe zu "erheblichen Problemen für die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, aber auch für die Wirtschaft selbst", sagte Buntenbach. So sei die Zahl psychischer Erkrankungen in den vergangenen Jahren "geradezu explodiert": "Seit 1994 sind die Fehlzeiten aufgrund psychischer Leiden um 80 Prozent gestiegen. Arbeitsbedingte psychische Erkrankungen sind der Hauptgrund für Erwerbsminderung."

Buntenbach forderte "mehr Beratung, Kontrolle und im Zweifel auch Sanktionen für die Arbeitgeber". Nur so könne sich die Erkenntnis flächendeckend durchsetzen, dass Unternehmen die Gesundheit der Beschäftigten besser schützen müssen. "Wohlklingende Appelle" der Bundesarbeitsministerin reichten dafür aber nicht aus. Eine Anti-Stress-Verordnung müsse deshalb die klaren Regeln definieren, die auch von der Leyen gefordert habe.

Die Arbeitgeber reagierten zurückhaltend. "Kein Arbeitnehmer ist verpflichtet, mehr zu leisten, als er vertraglich schuldet", sagte ein Sprecher der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Umgekehrt solle Leistungsbereitschaft aber nicht zwangsweise eingeschränkt werden.

  • afp
  • dapd
  • dpa
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66 Kommentare zu "Kampf gegen den Stress: Von der Leyen will Firmenhandys nach Feierabend abschalten"

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  • Nun möchte ich auch mal was dazu sagen.Irgendwie finde ich es gut das dieses Thema von Frau Ministerin angesprochen wird,da ich in so einer Lage bin das mein Arbeitgeber verlangt auch dann noch erreichbar zu sein wenn mann eine Krankmeldung abgibt.Findet Ihr das in Ordnung. Oder mann möchte sich abends mit seiner Familie beschäftigen und soll dann noch für die Firma dasein da mann ja sonst kein Firmen intresse zeigt.Ich finde es klasse das Sie es sich traut sowas auszusprechen.Den rest schreibe ich lieber nicht da falls ein Mitarbeiter meiner Firma aus dem Büro sich hier eingetragen hat wieder die Petze spielt.Habe mittlerweile da ich seit 4 Jahren durchgehend für meinen Arbeitgeber 7x24 Stunde erreichbar war starke körpliche Probleme und was passiert mann wird noch nieder gemacht das mann sich die Freiheit nimmt und das Betriebshandy ausmacht nach Feierabend.Und mann nur noch zuhören kriegt halten Sie sich anden Arbeitsvertrag sonst ....... Gesundheit des Mitarbeiters naja ist nicht so wichtig weil kranker Mann nicht planbar ist deswegen sage ich klase Frau Ministerin das Sie sich mal Gedanken darüber machen.

  • Wer schaltet denn diese Kellnerin aus dem Oma-Kaffee ab?

  • VDL - nicht wirklich für ihre Kompetenz bekannt. Vlt. wäre es sinnvoll etwas gegen menschenunwürdige Arbeitsbedingungen zu unternehmen? Ich denke das Handys für die meisten das geringste Problem darstellt. Es ist unfassbar, wie wenig Kompetenz auf einen Ministerposten zusammengestaucht wurde.

  • Firmenmobiltelefone außerhalb der Firma nicht benutzen. Ein Anrufverbot auf Privatanschlüssen. Vor allem für unanagemeldete Schichtwechsel.

    Geschröpft wird auch der Pflegeversicherungs-/Krankenkassenzahler.



  • Ganz genau! Starfanzeigen werden engtgegengenommen Montags ODER Donnerstags (außer an Feiertagen).

    Die sollen sehen daß sie ihre SCHLEUSERKRIMINALITÄT via Schülerautsuschprogrammen in den Griff bekommen.

  • Jetzt ist die Uschi auch am Durchdrehen.

  • Auf welchem Planeten leben die eigentlich ?

  • Ha, wusste ich doch, dass Sie von der Leyens Pressefuzzi sind. Das kommt dabei raus, wenn wir von Muttis regiert werden - die eine verschleudert unser Geld, weil sie sich gebauchpinselt fühlt, wenn man sie als mächtigste Frau der WElt bezeichnet (ich lach mich schlapp), und die andere schreibt uns vor, wann wir mit wem zu telefonieren haben.

  • Das bestreite ich gar nicht mal, aber das Ganze wird irre, wenn der Staat da herumpfuscht, so etwas muss man intern und individuell regeln. Das ist genauso wie mit dem Umweltschutz: Unverzichtbar, aber er wird unmöglich gemacht, wenn die Unternehmen unter einem Wust von Verordnungen und Regulierungen begraben werden, die zudem noch wegen der langen Abstimmungsprozeduren absolut veraltet sind, wenn sie rauskommen. Der Staat muss sich darauf beschränken, Rahmenbedingungen zu stetzen und Richtwerte vorzugeben und es dann den Firmen überlassen, wie sie das umsetzen. Kein Unternehmer mit Resthirn sträubt sich gegen Entspannungsphasen seiner Mitarbeiter, aber wenn das nicht flexibel gehandhabt werden kann, sondern stur nach Vorschrift läuft, landen wir in der DDR. Auch hier der Irrsinn: Deutschland wird überreguliert und verschleudert ohne jede Vorgaben und Sanktionen die Steuergelder seiner Bürger an die PIIGS-Staaten, die machen können, was sie wollen.


  • Ihre Einlassung ist völlig korrekt; mündige Menschen sind nur dann wirklich mündig, wenn sie die Folgen ihres Handelns erkennen, Probleme aufgreifen und auch rechtzeitig nein sagen.

    Es wird Zeit, daß wir uns in Deutschland wieder richtig und konsequent artikulieren und uns nicht mehr als Lämmer auf die Schlachtbank führen lassen - egal ob im Job oder mit dem Euro. Aber 1848 ist wohl zu lange zurück; viele machen es sich einfach nur bequem und wundern sich, wenn sie sozusagen verarbeitet werden.

    Zu gut deutsch: jeder steht am Ende eines Weges dort, wo er sich selbst vorher positioniert.

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