Seit Anfang 2008 sind – abgesehen von April – jeden Monat neue Inflationsrekorde aufgestellt worden, wenn man den Zeitraum seit Januar 1999 betrachtet, als der Euro eingeführt wurde. Und man muss schon weit bis Mitte 1992 zurückgehen, um in der Statistik für die Gruppe der späteren Euro-Länder ebenso hohe Inflationswerte zu finden wie jetzt. In Deutschland hat sich die Teuerungsrate im Juni von 3,0 auf 3,3 Prozent beschleunigt, ergaben vorläufige Berechnungen des Statistischen Bundesamtes. Der Preisschub war so stark wie seit Dezember 1993 nicht mehr.
Unterstützung in der Zinsdebatte erhält Glos von Unionsfraktionsvize Michael Meister (CDU). Auch er sieht keinen Anlass, die Konjunktur durch eine gelockerte Geldpolitik zu stützen. Zwar werde sich das weltwirtschaftliche Wachstum wegen der hohen Energiepreise abkühlen, die deutsche Wirtschaft werde aber nicht in eine Krise stürzen. „Die Strukturreformen haben das Wachstumspotenzial in Deutschland deutlich verbessert“, sagte Meister dem Handelsblatt. Es sei deshalb weder angebracht noch nötig, der EZB Ratschläge zur Zinspolitik zu erteilen.
SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend widerspricht dieser Theorie jedoch. „Die Gefahren für die Wirtschaft durch eine Zinserhöhung sind größer als die positiven Effekte auf die Inflationsentwicklung“, sagte Wend dem Handelsblatt. Höhere Zinsen könnten die Inflation deshalb nicht bremsen, weil sie an der hohen Energienachfrage nichts änderten. ari/dc/saf


