Kampf gegen Piraterie
Schiffe versenken im Monsun

Hamburgs Innenminister Michael Neumann schlägt Alarm. Die Piraterie am Horn von Afrika hat solche Ausmaße angenommen, dass er jetzt ein massives Vorgehen fordert - inklusive Angriffen gegen Piraten an Land.
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HamburgEgal wie viele Kriegsschiffe die internationale Gemeinschaft auch ans Horn von Afrika entsenden mag, der Kampf gegen die Piraterie wird nicht auf See, sondern an Land gewonnen. Darüber sind sich Experten einig. Solange Somalia ein gescheiterter Staat ohne Regierung, Polizei. Militär und Küstenwache ist, haben Kriminelle leichtes Spiel.

Und genau deswegen fordert der Hamburger Innenminister Michael Neumann auf der maritimen Sicherheitsmesse MS&D in Hamburg eine offene Diskussion darüber, ob die internationale Staatengemeinschaft nicht in Somalia gegen die Piraten vorgehen sollte. Bislang ist die Staatengemeinschaft etwa über das World Food Program der Vereinten Nationen vor allem humanitär in Somalia engagiert. Das reicht Neumann nicht aus.

„Wir sollten im Rahmen der EU oder Nato diskutieren, inwieweit man militärisch oder polizeilich den Piraten an Land nicht die Unterstützung entziehen kann“, sagt Neumann im Gespräch mit Handelsblatt Online. So notwendig und richtig die humanitäre Unterstützung auch sei, lasse sich damit allein die Piraterie nicht wirkungsvoll bekämpfen. „Es stellt sich die Frage, ob die internationale Gemeinschaft nicht eine Verantwortung für gescheiterte Staaten wie Somalia hat.“

Deutschland als Export- und Importnation sieht Neumann hier besonders in der Pflicht. „Deutschland sollte sich wesentlich aktiver an der Bekämpfung der Piraterie beteiligen, um eine weitere Ausweitung der Piraterieplage zu verhindern“, so Neumann. Es sei zum Beispiel angesichts der deutschen Interessen zumindest fraglich, ob es wirklich ausreiche wie bisher nur eine einzige Fregatte im Golf von Aden im Einsatz zu haben.

Für Verteidigungsstaatssekretär Stéphane Beemelmans scheitert dies indes allein daran, dass die Personaldecke der Marine zu dünn sei. „Die deutsche Bundeswehr kann sich nicht in dem Maße ausweiten, wie dies die Piraten tun. Wir haben schlicht nicht die Manpower dafür“, so Beemelmans auf der MS&D.

Die Piraterie am Horn von Afrika nimmt allerdings weiter zu  – zwar nicht im Golf von Aden, wo das Gros der internationalen Marinekräfte operiert, dafür aber im Indischen Ozean. Laut dem International Maritime Bureau (IMB) der Internationalen Handelskammer allein in diesem Jahr bislang 154  Piraten-Angriffe allein vor der Küste Somalias registriert worden. 21 Schiffe wurden von den Seeräubern gekapert, 362 Menschen entführt – sieben getötet.

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Indische Marine geht hart gegen Piraten vor

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  • Das alte Lied von den armen unschuldigen Tätern... Wer sich nicht wehrt wird immer weiter geplündert. Hört auf mit diesem albernen Pseudo-Humanismus der die Piaterie erst gestärkt hat. Gleich schießen kostet langfristig weniger Menschenleben.

  • Die dürftige Beteiligung Deutschlands an der sog. "Anti-Piratenmission" ist ein Armutszeugnis für die führende Exportnation der Welt. Was spricht dagegen, im Rahmen der Reorganisation der Bundeswehr die Seestreitkräfte deutlich zu vergrößern und endlich amphibische Kapazitäten inklusive Marineinfanterie aufzubauen??? Das Piratenproblem am Horn von Afrika ist nur zu lösen, wenn man die Stützpunkte an Land beseitigt. Aber auch dazu fehlt es den Regierenden in Berlin an Mumm und Tatkraft. Bloß keine Initiative ergreifen! Man könnte ja den deutschen Ohne-Michel verschrecken, der sich moralisierend in der Pazifistenpose gefällt. Doch wie sagte Winston Churchill: "Staaten haben keine Moral, sondern Interessen." Recht hatte er. Aber solche Staatsmänner gibt es heute (leider) nicht mehr.

  • Nur ein toter Pirat ist ein guter Pirat.

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