Kampf um CSU-Vorsitz
Seehofer hat das Private offenbar geordnet

Es ist nur ein Detail am Rande und könnte doch ziemlich wichtig werden im Kampf um den CSU-Vorsitz: Amtsanwärter Horst Seehofer hat sich am Wochenende mit seiner Ehefrau Karin bei einem offiziellen Termin gezeigt und damit deutlich gemacht, dass er sich gegen seine Geliebte entschieden hat.

BERLIN. In Ingolstadt flüsterte es schon länger durch die Reihen der CSU: Horst Seehofer, ihr Bundestagsabgeordneter, habe sich für seine Ehefrau Karin und gegen die angebliche Geliebte im fernen Berlin entschieden. Die Mitarbeiterin eines CDU-Bundestagsabgeordneten soll von ihm ein Kind erwarten. Der Landwirtschaftsminister und Kandidat für den CSU-Vorsitz sei bereits vor Tagen bei einer Veranstaltung der örtlichen CSU mit Ehefrau erschienen. Nebst Gattin habe Seehofer auch der stellvertretenden Wahlkreis-Geschäftsführerin auf einer Feier zum Geburtstag gratuliert.

Den ersten kleineren Auftritten vor Ort auf sicherem Terrain folgte am Sonntag die erste große Bewährungsprobe von Horst Seehofer mit Ehefrau auf Bundesebene – fünf Monate nachdem er angekündigt hatte, er wolle sein Privatleben bis zum Parteitag im September neu ordnen. Seehofer reiste mit seiner Ehefrau zum Treffen der EU-Agrarminister in Mainz an. Äußern wollte sich der einen ruhigen und ausgeglichenen Eindruck machende CSU-Politiker über eine mögliche Aussöhnung nicht. Karin Seehofer wird jedoch bei dem zweitägigen Ministertreffen das Partnerprogramm leiten.

„Zurücktreten tun wir ungern“, witzelte Seehofer auf die Frage eines Fotografen, ob er für das Bild etwas von Tisch zurücktreten könne. Dabei ließ er es bewenden. Den Rest des Tages sprach er sich gegen eine weitere finanzielle EU-Unterstützung der Destillation von Weinüberschüssen zu Alkohol aus oder versuchte, im festgefahrenen Streit über das russische Einfuhrverbot für Fleisch aus Polen zu vermitteln.

Eine mögliche Aussöhnung mit seiner Ehefrau könnte Seehofer im Kampf um den CSU-Vorsitz auf dem Parteitag im Herbst dieses Jahres helfen. Nicht nur die Ingolstädter CSU und mehrere regionale Parteifreunde aus Franken hatten ihn unmissverständlich aufgefordert, seine familiären Verhältnisse zu klären. Kardinal Joachim Meisner zweifelte sogar seine persönliche Eignung für das Amt des CSU-Chefs an. In Bayern wird diese Einschätzung aus Köln nicht geteilt. Zwar liegt Seehofers Konkurrent, Wirtschaftsminister Erwin Huber, in der Gunst der CSU-Anhänger mit 46 zu 42 Prozent vor ihm. Das Gesamtbild bei allen Befragten sieht allerdings anders aus: Hier gibt es einen klaren Vorsprung für Seehofer mit 50 zu 34 Prozent.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros
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