Kampf um das Kanzleramt
Die SPD schaltet hoch

Angela Merkel versinkt im unionsinternen Streit – die SPD wittert ihr Momentum. Plötzlich scheint die Kanzlerin angreifbar. Wie Strategen Sigmar Gabriel und seine Genossen zum Sieg bei der Bundestagswahl führen wollen.
  • 28

BerlinDie Parteibasis könnte Sigmar Gabriel noch einen Strich durch die Rechnung machen. Doch wer den SPD-Chef in diesen Tagen genau beobachtet, der meint einen Mann zu erkennen, der sich entschieden hat. Mehr Selbstgewissheit geht nicht. Gabriel will Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl 2017 werden.

Nur noch eine Hürde liegt vor ihm: der Parteikonvent zum europäisch-kanadischen Freihandelsabkommen Ceta am 19. September. Die Basis hegt starke Vorbehalte gegen das Vertragswerk, für das sich Gabriel als Wirtschaftsminister vehement eingesetzt hat. Folgen ihm die Delegierten, dürfte er ins Rennen um das Kanzleramt starten.

„Die Vorbereitungen für den Wahlkampf laufen auf Hochtouren“, bestätigte SPD-Generalsekretärin Katarina Barley dem Handelsblatt. Das Land erlebe zurzeit eine zutiefst zerrüttete Union. „Allen voran Horst Seehofer betreibt eine offene Demontage der Bundeskanzlerin“, stichelt Barley.

So wittert die SPD ihr Momentum. Erstmals scheint die Kanzlerin angreifbar. Ob Angela Merkel im kommenden Jahr wieder als Kanzlerkandidatin antritt, ist offen. Doch was macht die SPD aus dieser für sie guten Ausgangslage? Noch macht die Wahlkampftaktik den Parteistrategen Kopfzerbrechen. Welche eigenen Stärken gibt es überhaupt? Welche Wählergruppen können erreicht werden? Welche Botschaften funktionieren? Die SPD-Spitze sucht nun Hilfe bei Beratern.

Da ist etwa Allensbach-Chefin Renate Köcher. Die Top-Demoskopin der Republik klärte jüngst die SPD-Bundestagsfraktion über die „Stimmungslage und Erwartungen der Bürger“ auf und wies auf mögliche Potenziale der Sozialdemokraten hin.

Für manch einen Genossen war schon das die gute Nachricht: dass es überhaupt Potenziale gibt. Schließlich verharrt die Partei in den Umfragen bei 22 bis 23 Prozent. Doch in dem fast einstündigen Vortrag von Köcher, der dem Handelsblatt vorliegt, wurde auch deutlich, dass es bei der Wahl 2017 für die SPD nicht leicht werden wird.

Da ist zum einen die Grundbefindlichkeit, dass die Bürger zunehmend durch Flüchtlingskrise, Terrorakte und internationale Krisen verunsichert sind. Der Zukunftsoptimismus ist demnach stark zurückgegangen. Zum anderen mussten die Sozialdemokraten sich sagen lassen, dass nur sechs Prozent der Befragten davon überzeugt sind, dass die SPD über ein gutes Konzept für den Umgang mit der Flüchtlingskrise verfügt. Mehr noch: Es gibt derzeit weit verbreitete Sympathien für Denkzettel bei Wahlen.

Anlass zur Hoffnung gab indes Köchers Analyse zu den Wünschen der Bürger für die weitere Entwicklung der Gesellschaft. So hoffen 84 Prozent der Befragten, dass die Unterschiede zwischen Arm und Reich geringer werden, 71 Prozent sehnen sich nach mehr Solidarität. 79 Prozent halten soziale Gerechtigkeit für besonders wichtig. Das klingt nach Chancen für eine sozialdemokratische Politik.

Doch hören die Probleme längst nicht auf. Denn laut Allensbach-Forschung glauben nur 57 Prozent der Bevölkerung, dass die SPD überhaupt für soziale Gerechtigkeit steht. Nur 41 Prozent sind davon überzeugt, dass die Partei für auskömmliche Renten sorgt. Faire Steuern erwarten nur 27 Prozent von der SPD.

Kommentare zu " Kampf um das Kanzleramt: Die SPD schaltet hoch"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Herr Old Harold13.09.2016, 17:06 Uhr
    Kommentare sollten nur zum jeweiligen Thema zugelassen werden, will Handelsblatt Online nicht zum Müllplatz für Egomanen werden.

    Hier mein sachbezogener Beitrag:

    ---------------------

    mancher erkennt nicht dass viele Themen die Tagespolitik beeinflussen...und dass die Tagespolitik die Wirtschaft betreffen und auch treffen...und die böse Folgen immer das Volk ausbaden muß.

    da muss man als Volk sich verhör schaffen...und das Internet vergißt nichts !!!

    WER SICH NICHT WEHRT...braucht hinterher sich nicht zu bemitleiden !

    Und gilt als direkter oder indirekter Mitläufer !

    Mitläufer = Mitschuldig !!!


  • Herr Bernd Thebread13.09.2016, 17:18 Uhr
    @Herr F. Gessw.
    Ich stelle infrage, dass in "unserem System", speziell ganz oben und ganz unten, Leistung fair entlohnt wird

    .................

    EU-POLITIKER in BRÜSSEL arbeiten nur 37 STUNDENWOCHE und haben drei Chaufeure !
    feiern Überstunden ab ...während das Europäischen Kontinent immer mehr versinkt !

    Und das Volk in Spanien muss in Schulen Tagesessen als Spende abholen.
    In Portugal müssen Kinder in den Sommer-Ferien trotzdem in die schule das dortige Kostenloses Essen abholen.

    Und in deutschland arbeiten leiharbeiter und holen das restlicher Überlebensgelder vom Jobcenter als Hartz4 !

    ABER DANN will diese EU dass die 500 Millionen EU-Bürger zur EU halten ?

    :-)))))))))))))

  • @Herr F. Gessw.
    Ich stelle infrage, dass in "unserem System", speziell ganz oben und ganz unten, Leistung fair entlohnt wird. Und dass die Politik seit Jahren die Situation eher verschärft. Das ist meine "These", wenn Sie so wollen.

    Aus ihrem Gefühl heraus leiten Sie also ihre These ab. Da vertraue ich lieber auf den volkswirtschaftlichen Ansatz nach Milton Friedmann, wonach sich der Markt durch Angebot und Nachfrage regelt. Das hat zwar nur noch indirekt etwas mit dem Ausgangartikel zu tun, die SPD aber sicher eher den volkswirtschaftlichen Ansatz nach Keynes vertritt.

    Um das für Sie zusammenfassend etwas einfacher verständlich zu machen lautet meine These: „Alles ist nur so viel Wert, wie jemand anderes bereit ist, dafür zu bezahlen“

    Und dies gilt auch in der freien Wirtschaft für Gehälter.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%