Kampf um das Kanzleramt

Die SPD schaltet hoch

Angela Merkel versinkt im unionsinternen Streit – die SPD wittert ihr Momentum. Plötzlich scheint die Kanzlerin angreifbar. Wie Strategen Sigmar Gabriel und seine Genossen zum Sieg bei der Bundestagswahl führen wollen.
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Der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel könnte der Angriff auf das Kanzleramt anführen – wenn die Basis ihn unterstützt. Quelle: dpa
Auf dem Weg zum Spitzenkandidaten

Der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel könnte der Angriff auf das Kanzleramt anführen – wenn die Basis ihn unterstützt.

(Foto: dpa)

BerlinDie Parteibasis könnte Sigmar Gabriel noch einen Strich durch die Rechnung machen. Doch wer den SPD-Chef in diesen Tagen genau beobachtet, der meint einen Mann zu erkennen, der sich entschieden hat. Mehr Selbstgewissheit geht nicht. Gabriel will Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl 2017 werden.

Nur noch eine Hürde liegt vor ihm: der Parteikonvent zum europäisch-kanadischen Freihandelsabkommen Ceta am 19. September. Die Basis hegt starke Vorbehalte gegen das Vertragswerk, für das sich Gabriel als Wirtschaftsminister vehement eingesetzt hat. Folgen ihm die Delegierten, dürfte er ins Rennen um das Kanzleramt starten.

„Die Vorbereitungen für den Wahlkampf laufen auf Hochtouren“, bestätigte SPD-Generalsekretärin Katarina Barley dem Handelsblatt. Das Land erlebe zurzeit eine zutiefst zerrüttete Union. „Allen voran Horst Seehofer betreibt eine offene Demontage der Bundeskanzlerin“, stichelt Barley.

So wittert die SPD ihr Momentum. Erstmals scheint die Kanzlerin angreifbar. Ob Angela Merkel im kommenden Jahr wieder als Kanzlerkandidatin antritt, ist offen. Doch was macht die SPD aus dieser für sie guten Ausgangslage? Noch macht die Wahlkampftaktik den Parteistrategen Kopfzerbrechen. Welche eigenen Stärken gibt es überhaupt? Welche Wählergruppen können erreicht werden? Welche Botschaften funktionieren? Die SPD-Spitze sucht nun Hilfe bei Beratern.

Da ist etwa Allensbach-Chefin Renate Köcher. Die Top-Demoskopin der Republik klärte jüngst die SPD-Bundestagsfraktion über die „Stimmungslage und Erwartungen der Bürger“ auf und wies auf mögliche Potenziale der Sozialdemokraten hin.

Für manch einen Genossen war schon das die gute Nachricht: dass es überhaupt Potenziale gibt. Schließlich verharrt die Partei in den Umfragen bei 22 bis 23 Prozent. Doch in dem fast einstündigen Vortrag von Köcher, der dem Handelsblatt vorliegt, wurde auch deutlich, dass es bei der Wahl 2017 für die SPD nicht leicht werden wird.

Da ist zum einen die Grundbefindlichkeit, dass die Bürger zunehmend durch Flüchtlingskrise, Terrorakte und internationale Krisen verunsichert sind. Der Zukunftsoptimismus ist demnach stark zurückgegangen. Zum anderen mussten die Sozialdemokraten sich sagen lassen, dass nur sechs Prozent der Befragten davon überzeugt sind, dass die SPD über ein gutes Konzept für den Umgang mit der Flüchtlingskrise verfügt. Mehr noch: Es gibt derzeit weit verbreitete Sympathien für Denkzettel bei Wahlen.

Anlass zur Hoffnung gab indes Köchers Analyse zu den Wünschen der Bürger für die weitere Entwicklung der Gesellschaft. So hoffen 84 Prozent der Befragten, dass die Unterschiede zwischen Arm und Reich geringer werden, 71 Prozent sehnen sich nach mehr Solidarität. 79 Prozent halten soziale Gerechtigkeit für besonders wichtig. Das klingt nach Chancen für eine sozialdemokratische Politik.

Doch hören die Probleme längst nicht auf. Denn laut Allensbach-Forschung glauben nur 57 Prozent der Bevölkerung, dass die SPD überhaupt für soziale Gerechtigkeit steht. Nur 41 Prozent sind davon überzeugt, dass die Partei für auskömmliche Renten sorgt. Faire Steuern erwarten nur 27 Prozent von der SPD.

Genaue Ziele für die Sozialdemokraten
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28 Kommentare zu "Kampf um das Kanzleramt: Die SPD schaltet hoch"

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  • Herr Old Harold13.09.2016, 17:06 Uhr
    Kommentare sollten nur zum jeweiligen Thema zugelassen werden, will Handelsblatt Online nicht zum Müllplatz für Egomanen werden.

    Hier mein sachbezogener Beitrag:

    ---------------------

    mancher erkennt nicht dass viele Themen die Tagespolitik beeinflussen...und dass die Tagespolitik die Wirtschaft betreffen und auch treffen...und die böse Folgen immer das Volk ausbaden muß.

    da muss man als Volk sich verhör schaffen...und das Internet vergißt nichts !!!

    WER SICH NICHT WEHRT...braucht hinterher sich nicht zu bemitleiden !

    Und gilt als direkter oder indirekter Mitläufer !

    Mitläufer = Mitschuldig !!!


  • Herr Bernd Thebread13.09.2016, 17:18 Uhr
    @Herr F. Gessw.
    Ich stelle infrage, dass in "unserem System", speziell ganz oben und ganz unten, Leistung fair entlohnt wird

    .................

    EU-POLITIKER in BRÜSSEL arbeiten nur 37 STUNDENWOCHE und haben drei Chaufeure !
    feiern Überstunden ab ...während das Europäischen Kontinent immer mehr versinkt !

    Und das Volk in Spanien muss in Schulen Tagesessen als Spende abholen.
    In Portugal müssen Kinder in den Sommer-Ferien trotzdem in die schule das dortige Kostenloses Essen abholen.

    Und in deutschland arbeiten leiharbeiter und holen das restlicher Überlebensgelder vom Jobcenter als Hartz4 !

    ABER DANN will diese EU dass die 500 Millionen EU-Bürger zur EU halten ?

    :-)))))))))))))

  • @Herr F. Gessw.
    Ich stelle infrage, dass in "unserem System", speziell ganz oben und ganz unten, Leistung fair entlohnt wird. Und dass die Politik seit Jahren die Situation eher verschärft. Das ist meine "These", wenn Sie so wollen.

    Aus ihrem Gefühl heraus leiten Sie also ihre These ab. Da vertraue ich lieber auf den volkswirtschaftlichen Ansatz nach Milton Friedmann, wonach sich der Markt durch Angebot und Nachfrage regelt. Das hat zwar nur noch indirekt etwas mit dem Ausgangartikel zu tun, die SPD aber sicher eher den volkswirtschaftlichen Ansatz nach Keynes vertritt.

    Um das für Sie zusammenfassend etwas einfacher verständlich zu machen lautet meine These: „Alles ist nur so viel Wert, wie jemand anderes bereit ist, dafür zu bezahlen“

    Und dies gilt auch in der freien Wirtschaft für Gehälter.

  • Kommentare sollten nur zum jeweiligen Thema zugelassen werden, will Handelsblatt Online nicht zum Müllplatz für Egomanen werden.

    Hier mein sachbezogener Beitrag:

    Sigmar Gabriel hat schon als Ministerpräsident von Niedersachsen versagt. Wie will der also die Bundesrepublik Deutschland durch stürmische Zeiten führen?

  • @Bernd Thebread (hier kommt wirklich jeder echte Name durch ^^)

    Also, Sie haben offensichtlich nicht verstanden, was ich geschrieben habe, daher erkläre ich Ihnen gerne anschaulich, was ich mit "Gehaltsäquivalent an Fußvolk" meine.

    Laut Geschäftsbericht der Deutschen Bank 2015 haben dort mehr als 100 Leute mehr als 2,5 Mio. € im Jahr verdient, die Vorstände so um die 4-5 Millionen. Das "Fußvolk" liegt im Tarif, da ist die Spannbreite natürlich auch "relativ" groß, zwischen 35.000 - ca. 80.000. Sagen wir zum einfacher rechnen 50.000.

    Im Vorstand der deutschen Bank sitzen 10 Leute. Macht 50 Millionen Gehaltssumme. Also dem Gehalt von Tausend Mitarbeitern. Und ja, wenn die fehlen, glaube ich schon, dass es ordentlich hakt.

    Ich male nicht schwarz-weiß. Niemand sagt, Vorstände oder Führungskräfte braucht man nicht, wäre ja auch Schwachsinn. Und ich glaube, ich kann meine Bedeutung für meine Firma realistisch einschätzen ;-). Jeder ist ersetzbar. JEDER!

    Ich stelle infrage, dass in "unserem System", speziell ganz oben und ganz unten, Leistung fair entlohnt wird. Und dass die Politik seit Jahren die Situation eher verschärft. Das ist meine "These", wenn Sie so wollen.

    Haben Sie auch eine oder wollten Sie einfach nur auch mal was schreiben?

  • @Ralph S.:

    Sie nerven. Natürlich, es ist rumtrollerei (prollerei nimmt Ihnen doch niemand ab, als ob irgendwas davon stimmen würde. Warum befüllen Sie das Internet mit Unsinn, es ist doch schon genug davon drin?) - aber sie könnten doch trotzdem aufhören.

    Ich habe sowohl Ihre ersten 3 "Beiträge" als Spam gemeldet - und da waren die Admins ja erfreulich schnell mit dem Löschen. Ich hoffe, das wird auch dieses Mal so sein und dass Sie dann erstmal unter Beobachtung stehen. Es darf ja jeder seine Meinung haben und auch äußern, aber sich in eine Diskussionsrunde zu stellen und laut schreiend zu pinkeln muss man glaube ich nicht mehr als Meinung akzeptieren.

  • @Herr F. Gessw.
    „Was glauben Sie passiert, wenn ein Gehaltsäquivalent an "Fußvolk" plötzlich fehlt? Genau, der Laden steht still.“

    Interessante These. Sie glauben also, wenn Sie fehlen steht der ganze Laden still?

  • @Lana Ebsel (Übrigens, liebes Handelsblatt-Admin-Team, ich glaube ja, dass Ihr einen Grund hattet, den "Antworten"-Button zu entfernen - aber bitte denkt nochmal drüber nach, die Debatten sind jetzt wirklich furchtbar unstrukturiert und schwer lesbar. Danke im Voraus.)

    Ich bin nicht ganz sicher, was ich von Ihnen beiden Beiträgen halten soll - denn einerseits haben Sie natürlich Recht, Luxemburg und die Schweiz sind kriminelle Schmarotzer-Staaten, denen es gut geht, weil sie die umliegenden Länder um Steuereinnahmen bringen. Aber dass Sie gleichzeitig der Meinung sind, hier im Lande würde der Wohlstand nur von einigen wenigen "Leistungsträgern" erwirtschaftet und die würden sogar noch über hohe Steuern unangemessen hart "rangenommen".

    Wäre es nicht konsequenter, wenn Sie der Meinung wären, dass die Leute in der Schweiz und Luxemburg einfach klüger und fleißiger sind als die Deutschen? Und uns über die EU-Beiträge (bzw. bei der Schweiz über diverse Abkommen) quersubventionieren?

    Ich hoffe, Sie verstehen, was ich Ihnen sagen will. Die reichsten Deutschen sind keine Leistungsträger, sondern Erben. Die Leute mit den höchsten Einkommen haben diese nicht, weil sie im Alleingang Ihre Dax-Konzerne tragen, sondern weil diese Dax-Konzerne zehntausende von Angestellten haben, welche die tatsächliche Quelle der Wertschöpfung sind. Was glauben Sie, was bei der Deutschen Bank passiert, wenn der komplette Vorstand mit dem Flugzeug abstürzt? Genau, der Aufsichtsrat bestimmt irgendwann bei Gelegenheit einen neuen. Was glauben Sie passiert, wenn ein Gehaltsäquivalent an "Fußvolk" plötzlich fehlt? Genau, der Laden steht still.

    Werfen Sie nicht Wertschöpfung und Gehälter in einen Topf, das ist schlicht falsch. Und dass der Staat die höheren Gehalter durch die Beitragsbemessungsgrenze aus der Solidargemeinschaft herausnimmt, ist noch falscher. Und dass Kinder von Milliardären ohne jede Leistung ausgesorgt haben, während andere an Tafeln anstehen, ist unbeschreiblich erbärmlich.

  • SPD-Vorsitzender freut sich auf die Zeit, wenn Nachrichtensprecherin mit Kopftuch auftritt

    Sigmar Gabriel (SPD) nahm an den „Muslimischen Hauptstadtgesprächen“in 2013 teil. Dort freute sich der Vorsitzende der SPD darauf, wenn „in der Tagesschau auch eine Nachrichtensprecherin mit Kopftuch sitzen würde.“

    Im Rahmen der „Muslimischen Hauptstadtgespräche“ luden die islamischen Verbände zu „interkulturellen und interreligiösen“ Dialogen ein.

    Wer das gerne möchte, wählt SPD

  • Jeeep Herr Marc Hofmann, ich freue mich schon auf Sonntag, die Wahlen in Berlin, da gibts für die Pfeifen wieder ne klatsche.
    Ich weiß auch bereits wer gewinnen wird...

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