Kampf um die besten Köpfe und die Positionierung bei Zukunftstechnologien wird entscheidend
Deutschlands Innovationspolitik steht Nagelprobe bevor

Die neue Welt könnte so schön sein: Nanoroboter flitzen durch die Blutbahn und vernichten Viren und andere Krankheitserreger. Intelligente Autos sehen Unfälle kommen und steuern gegen. Und die globale Elektrizitätsversorgung lässt sich mit Hilfe von solarthermischen Kraftwerken umweltfreundlich gestalten. An Visionen herrscht kein Mangel – doch wird Deutschland maßgeblichen Anteil an derlei Entwicklungen haben?

DÜSSELDORF. Noch spielt die Bundesrepublik in der oberen Innovationsliga. „Wir sind nirgendwo schwer im Hintertreffen“, sagt Stefan Kuhlmann, stellvertretender Leiter des Fraunhofer Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung in Karlsruhe. Das Portfolio der Deutschen bei Forschung und Entwicklung (F & E) sei breit. Ob Medizintechnik, Datenverarbeitung, Elektrotechnik oder Biopharmazie, Photonik sowie Materialforschung, Lasertechnik und Thermodynamik – deutsche Wissenschaftler und Techniker forschen in allen zukunftsträchtigen Feldern durchweg auf hohem Niveau. Das zeigen auch die Zahlen der Patentanmeldungen und Publikationen, die weltweit Beachtung finden.

Dennoch schließen Kenner der Szene eine Erosion der Forschungsbasis in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren nicht aus. „Der Hauptgrund für die wenig zufriedenstellende Entwicklung der technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands liegt in unzureichenden Zukunftsinvestitionen in Forschung und Entwicklung, Bildung und Informationstechnik und unmittelbar damit verknüpft einem schrumpfenden Humankapitalvorsprung“, heißt es im soeben fertig gestellten Regierungsbericht zur technologischen Leistungsfähigkeit.

Der Kampf um die besten Köpfe wird für den F&E-Standort Deutschland zentral. Das glaubt auch Forschungsexperte Kuhlmann: „Er wird sich in den nächsten zehn, fünfzehn Jahren weltweit massiv verschärfen“. Schon jetzt wird es enger: Etwa jedes zweite Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe und mehr als 40 Prozent der Dienstleistungsunternehmen beklagen den Fachkräftemangel nach Auskunft des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) als Innovationshemmnis. Jährlich, so die Prognose, werden etwa 20 000 Ingenieure fehlen. Daneben hält die Abwanderung deutscher Forscher ins Ausland an. Dort sind die Gehälter oftmals höher und die Aufstiegschancen besser.

„Es gibt keinen Grund zur Entwarnung“, sagt Jeppe Jörgenson vom Thinktank „berlinpolis“, der sich schwerpunktmäßig der Bildung und Hochschulpolitik widmet. „Vor allem Nachwuchswissenschaftler mahnen fehlende Karrieremöglichkeiten in Deutschland an.“ Von 304 befragten, in Großbritannien und den USA arbeitenden Forschern, will nur knapp die Hälfte „möglicherweise“ nach Deutschland zurückkehren. Das ergab eine Umfrage der Berliner Denkfabrik. 18 Prozent der Befragten schließen eine Rückkehr ganz aus.

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