Kampf ums Leben
Katholikentag streitet über Schwangerenberatung

Für den Gastgeber des Katholikentags ist die Sache klar: Abtreibung ist ein „Massaker“ im Mutterleib, sagt Bischof Voderholzer. Viele Gläubige fordern einen neuen Kurs beim alten Streitthema – und hoffen auf Rom.
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RegensburgEs war eine der schwersten Krisen der katholischen Kirche in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg: Auf Anordnung des Papstes mussten die Bischöfe aus dem staatlichen System der Schwangerenkonfliktberatung aussteigen. 15 Jahre sind seitdem vergangen - und plötzlich ist das Thema wieder auf der Tagesordnung. Der Katholikentag widmet ihm an diesem Freitag in Regensburg ein großes Podium - erstmals seit langem. Der Wind aus Rom hat sich gedreht. Kommt jetzt der Ausstieg aus dem Ausstieg?

„Der Ausstieg wird nicht rückgängig gemacht“, meint der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück. Aber er fordert einen neuen Kurs im Umgang mit dem Verein „Donum Vitae“. Dieser war von engagierten Katholiken - auch aus dem ZdK - gegründet worden, um die Beratungslücke zu schließen. „Donum Vitae“ berät schwangere Frauen in Konflikten, die auch über eine Abtreibung nachdenken. In vielen Bistümern dürfen Mitarbeiter des Vereins daher keine leitenden Ämter etwa in Pfarrgemeinderäten oder Diözesanräten übernehmen.

„Wir sind die ausgeschlossenen Kinder der Kirche“, sagt die Sozialpädagogin Maria Geiss-Wittmann von „Donum Vitae“ in Amberg (Oberpfalz). Die Kirche habe sogar den eigenen Verbänden verboten, den Verein zu unterstützen. „Damit hat die katholische Kirche die Nächstenliebe verboten“, meint die 80-Jährige. Zunächst wollte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer auch keinen Stand des Vereins auf dem Katholikentag zulassen.

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Aus Rom kommen widersprüchliche Signale

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  • "Ein Kirche die Abtreibungen erlaubt..."
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    Sorry, aber die Kirche hat weder was zu erlauben noch zu verbieten. Dafür ist ausschließlich der Gesetzgeber zuständig. Religion ist reine Privatsache, was natürlich durchaus impliziert, daß sich Strenggläubige an die Anweisungen halten.
    Aber es gibt in diesem land auch eine Menge Nichtchristen resp. Konfessionslose, und denen hat die Kirche nicht durch Antichambrieren beim Gesetzgeber (z.B. dieser unsägliche Ethikrat, der sich ständig anmaßt, über Dinge zu urteilen, von denen er keine Ahnung hat: Ein gutes Beispiel ist z.B. auch die Stammzellenforschung) Vorschriften zu machen.

    Die Kirche hat eine bluttriefende Geschichte mit unzähligen Toten und heute noch jede "Menge" Leichen" im Keller und ist wohl kaum eine ernstzunehmende, moralische Instanz.

    Mal unabhängig davon, ob eine Frau abtreibt oder nicht, ist ihre Sache. Ich kann mir nicht vorstellen, daß solche Entscheidungen leichtfertig getroffen werden, denn daran knabbert man ggf. ein ganzes Leben. Auf die "Beratung" durch die Kirche, was m.E. Gehirnwäsche und Druck zum Austragen bedeutet, kann sie garantiert verzichten.
    Unter Beratung verstehe ich ergebnisoffenes Aufzeigen von Möglichkeiten, nicht mehr und nicht weniger.

  • Ein Kirche die Abtreibungen erlaubt, die kann gleich die Tore schliessen, sie ist unglaubwürdig in ihrem Glauben.

    Wer fest an Gott glaubt , also das es ein Wesen gibt der alles regelt und einen durch das Leben führt, der kann nicht ein werdendes Leben zerstören. Denn Gott wird den Weg weiter begleiten.

    Kaum zu Glauben das ich das schreibe wo ich fern aller religiösen Dinge bin.

    Aber es gehört zu den Errungenschaften der Menschen anderen zuzuhören und auch
    die andere Seite zu verstehen. Daher kann die Kirche nicht anders als bei fundamentalen Richtlinien bleiben und dazu gehört der Schutz von werdenden Leben.

    Obwohl zu Jesu Zeiten ein Leben weniger Wert war als
    das von Ziegen und Schafen. Brutalität ,Kriminalität waren hoch und obwohl es zu Jesu zeiten über 2000 Laienprediger gab ,die durch das Land zogen und Gottes Wort verbreiteten, hat sich nichts geändert.

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