Kampfjets
Berlin will dritte Eurofighter-Tranche halbieren

Im Streit um die Lieferung des Kampfjets Eurofighter zeichnet sich eine Lösung ab. Dabei rückt nach Handelsblatt-Informationen die von der Bundesregierung forcierte Halbierung der Aufträge für die dritte und letzte Tranche in greifbare Nähe.

BERLIN. Wie das Bundesverteidigungsministerium bestätigte, wollen sich die Rüstungsstaatssekretäre der Bestellerländer Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien am kommenden Donnerstag auf neue Konditionen mit dem Eurofighter-Konsortium einigen. Offenbar besteht Einigkeit, die ausstehende dritte Liefertranche aufzuteilen: "Wir rücken einer Tranche 3a näher, was nicht heißt, dass damit eine Tranche 3b vom Tisch ist", heißt es im Ressort von Verteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU).

Deutschland, das 1997 insgesamt 180 Eurofighter bestellt hatte, sollte bisher in einer dritten Lieferung 68 Maschinen beziehen. Vor allem die SPD hatte eine Reduzierung der Tranche verlangt - aus finanziellen und militärischen Gründen. Nun soll diese Tranche für Berlin zunächst auf nur noch 31 Stück reduziert werden. Die restlichen Maschinen sollen vom Hersteller-Konsortium an andere Staaten verkauft werden.

"Das bedeutet nicht das Aus für die 37 nicht abgenommenen Flugzeuge", sagte SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels. Wichtig sei, dass das Konsortium nun Planungssicherheit habe und der Haushaltsausschuss die notwendigen Mittel noch im Mai und damit vor der Bundestagswahl freigeben könne. "Mit der Regelung können wir fast drei Mrd. Euro an Beschaffungskosten einsparen", so Bartels.

Insgesamt hatten die Partnernationen 620 Flugzeuge bestellt, von denen in den ersten beiden Tranchen 384 ausgeliefert werden. Streit gibt es seit Monaten um die letzte Tranche mit 236 Flugzeugen, von denen Deutschland 68 abnehmen müsste. Aufgrund der gestiegen Kosten haben die vier Besteller-Staaten es abgelehnt, alle Flugzeuge abzunehmen. "Die Verträge des Eurofighter-Konsortium sind nichts mehr wert, weil die Kosten vollkommen aus dem Ruder gelaufen sind", hieß es aus dem Haushaltsausschuss des Bundestages. Er will noch im Mai eine Entscheidung über weitere Eurofighter-Lieferungen fällen. Das Kampfflugzeug ist mit Entwicklungs- und Beschaffungskosten von mittlerweile 25 Mrd. Euro der größte Posten im Verteidigungsetat.

Eine schnelle Entscheidung ist auch im Interesse des Eurofighter-Konsortiums, dem die britische BAE Systems mit 33 Prozent, die italienische Alenia Aeronautica mit 21 Prozent, die in Spanien ansässige EADS Casa mit 13 Prozent sowie EADS Deutschland mit 33 Prozent angehören. "Wir stehen einer Aufteilung der dritten Tranche nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber", sagte ein Unternehmenssprecher. "Wir sehen ja auch die Budgetzwänge der Nationen." Wichtig sei der Eurofighter GmbH Planungssicherheit.

Diese soll nun Rüstungsstaatssekretär Rüdiger Wolf herbeiführen, der zum Treffen in Berlin eingeladen hat. Ursprünglich hatten England 232 Eurofighter, Deutschland 180, Italien 121 und Spanien 87 Stück geordert. Die Hoffnung liegt nun darin, dass verstärkt andere Länder Eurofighter kaufen, die sich die vier Haupt-Abnehmerländer dann auf ihre Quoten anrechnen lassen möchten. Seit 2007 fliegt der Eurofighter auch in Österreich.

Auch für EADS als größtem Konsorten, das am Dienstag seine Bilanz-Pressekonferenz abhält, ist die Entscheidung wichtig. Denn die Airbus-Mutter, die von Frankreich Milliarden-Hilfen will, hat einige Baustellen. Die größte ist der Militärtransporter A400M, der weit hinter dem Zeitplan liegt und inzwischen die Besteller-Staaten zur Zahlung von Schadensersatz-Zahlungen berechtigt. Ursprünglich sollte das Flugzeug bereits 2008 in Serie gehen, wegen grundlegender technischer Probleme rechnen Experten damit aber nun nicht mehr vor 2013. Deshalb haben die Besteller ein Kündigungsrecht zum 1.April, was Airbus auf den gesamten Entwicklungskosten sitzen ließe. Andererseits betont die Bundeswehr, das die bestellten 60 A400M-Maschinen dringend für die Modernisierung ihrer Lufttransporte bei Auslandseinsätzen braucht, dass sie "kein Interesse am Schadensersatz, sondern an den Flugzeugen" habe. "Wir wollen keine Kündigung, aber auch unser Recht darauf nicht einbüßen", hieß es entnervt im Verteidigungsministerium.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
Dr. Daniel Delhaes
Daniel Delhaes
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