Das "System Steinmeier" funktioniert aber nur, weil er sich in aller Stille auch ein leistungsfähiges Team zusammengebaut hat - meist aus früheren Mitarbeitern des Kanzleramtes. Das Prinzip ist ähnlich wie bei Deutschlands oberster Netzwerkerin, Kanzlerin Angela Merkel: Pragmatische Kompetenz steht über Parteibuch und Ideologie. Dreh- und Angelpunkt ist ohne Zweifel sein Ministerbüro, vor allem Bürochef Stephan Steinlein, mit dem ihn auch ein starker protestantischer Glaube verbindet. Sein langjähriger Sprecher, der parteilose Diplomat Martin Jäger, verlässt ihn zwar gerade für einen Industriejob, wird aber durch den ebenfalls parteilosen Diplomaten Jens Plötner aus Steinmeiers Büro ersetzt.
Innenpolitisch arbeitet der Vizekanzler ebenfalls an einem eigenen Machtzentrum: Staatssekretär Heinrich Tiemann koordiniert die SPD-Ministerien, nicht zu unterschätzen ist zudem sein Rückhalt in der Bundes-SPD. Der Seeheimer Kreis und die Netzwerker zählen zu seinen Unterstützern. Und weil er lange Jahre Schröders Staatskanzlei in Niedersachsen gemanagt hat, spielt es auch keine Rolle, dass Steinmeier eigentlich aus NRW kommt und jetzt in Brandenburg erstmals um ein Bundestagsmandat anstrebt. Viele Berliner Strippenzieher, die aus Niedersachsen stammen, betrachten ihn mittlerweile als einen der ihren - so Fraktionschef Peter Struck, der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion Thomas Oppermann, Generalsekretär Hubertus Heil oder Umweltminister Sigmar Gabriel.
Nur: Ob am Ende all dies wirklich in eine Kanzlerkandidatur mündet, weiß derzeit niemand hundertprozentig. Glaubt man Umfragen, ist Steinmeiers ärgster Feind nicht der Wähler, sondern die eigene, nach links rutschende Partei. Vielleicht schweigt er deshalb so beharrlich und grübelt. Vielleicht stellt sich deshalb im Herbst weniger die Frage, ob der Außenminister reif für eine Kandidatur ist - sondern ob die SPD reif für diesen Kandidaten ist.


