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18.10.2006 
Arbeitsmarkt

Kandidaten für den Aufstieg gesucht

von Wolfgang Gillmann und Jens Koenen

Der deutsche Arbeitsmarkt gibt Rätsel auf. Auf der einen Seite herrscht ein akuter Mangel an Ingenieuren. Die Unternehmen warnen vor einer ernsten Wachstumsbremse. Andererseits ist der Markt nicht in der Lage, gering qualifizierte Menschen einzugliedern. Das Handelsblatt erläutert die Gründe für diese Misere.

Millionen Menschen ringen weiter um einen Job. Gleichzeitig bleiben zahlreiche Stellen wegen Fachkräftemangels unbesetzt. Foto: dpaLupe

Millionen Menschen ringen weiter um einen Job. Gleichzeitig bleiben zahlreiche Stellen wegen Fachkräftemangels unbesetzt. Foto: dpa

BERLIN/FRANKFURT. Thomas Steckenborn kann seinen Zorn kaum verbergen. „Fachkräftemangel? Wir benötigen bis zu sechs Monate, um Stellen mit höherer technischer Qualifikation besetzen zu können. Das ist aufwendig und auch teuer“, klagt der Gründer und Vorstandsvorsitzende des Mannheimer IT-Dienstleisters Cema AG.

Cema ist kein Einzelfall. Während gering qualifizierte Arbeitnehmer kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben, suchen deutsche Unternehmen händeringend nach gut ausgebildeten Kräften – vor allem nach Ingenieuren. In einer aktuellen Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom gaben 43 Prozent der befragten Firmen an, dass der Mangel an Experten mittlerweile ihre Geschäftstätigkeit behindert. Ein ähnliches Bild im Maschinenbau: Die Hälfte der Firmen bezeichnet den Fachkräftemangel in einer Verbandsumfrage „wachstumshemmend“. „Zurzeit sind 7 000 Ingenieurstellen nicht besetzt“, sagte Dieter Brucklacher, Chef des Branchenverbandes VDMA, am gestrigen Dienstag auf dem 2. Maschinenbaugipfel in Berlin.

Auch die Tatsache, dass bei IT-Firmen wie T-Systems derzeit massiv Stellen abgebaut werden, schafft keine Abhilfe . „Vor allem hinsichtlich neuer Technologiekonzepte wie serviceorientierte Systeme werden verstärkt Fachkräfte gesucht. In anderen Bereichen trennt man sich dagegen von Mitarbeitern“, sagt August-Wilhelm Scheer, Gründer von IDS Scheer. „Wenn wir in Deutschland Führungskräfte und Top-Manager für die IT-Industrie suchen, dürfte das so ähnlich sein wie bei den Briten, die in ihrem Land Top-Manager für die Automobilindustrie suchen. Es gibt sie kaum“, bringt Karl-Heinz Streibich, Vorstandschef der Darmstädter Software AG, die Sache auf den Punkt.


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Die Gründe sind vielfältig. Einer ist der demographische Wandel. Experten schätzen, dass 2050 bereits ein Drittel der Bevölkerung über 60 Jahre alt sein wird. Aber auch die Unternehmen selbst haben viel zu lange tatenlos zugesehen. Schließlich erhalten sie von den Universitäten auch deshalb zu wenig Absolventen, weil in den vergangenen Jahren die Ausbildung etwa zum Ingenieur nicht attraktiv war.

„Daran ist die Industrie mit schuld“, sagt Hubertus Murrenhoff vom Institut für Fluidtechnik der RWTH Aachen. Anfang der neunziger Jahre, als der Maschinenbau seine große Branchenkrise hatte, stellten die Unternehmen kaum noch Ingenieure ein. Dies sprach sich bei Abiturienten herum, die Zahl der Studienanfänger ging drastisch nach unten. „Ein klassischer Schweinezyklus“, sagt Murrenhoff.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Díe Zahl der Studienbeginner steigt zwar wieder, Experten bleiben aber dennoch skeptisch.

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