Kandidatur nur als Notlösung
Neuer Kandidat aus dem Reformflügel der IG Metall

Teichmüller sagte am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters, es gebe jüngere und bessere Kandidaten für die Gewerkschaftsspitze. „Aber wenn sich niemand finden sollte, schließe ich nicht aus, in einer solchen extremen Situation bereit zu stehen“, sagte der 59-jährige, der bereits seit längerem zum Lager der Peters-Gegner zählt.

Reuters FRANKFURT. Am Dienstag war der Vorstand der IG Metall in einer 13-stündigen Sitzung mit dem Versuch gescheitert, die durch den Streit zwischen Peters und dem scheidenden Gewerkschaftschef Klaus Zwickel ausgelöste Führungskrise zu lösen. Am 1. September will der Vorstand nun einen neuen Personalvorschlag vorgelegen. Politik und Wirtschaft äußerten sich zunehmend besorgt über den Machtkampf in der zweitgrößten deutschen Gewerkschaft.

Teichmüller betonte, dass er eine Kandidatur nicht anstrebe, sondern dies wegen der nach wie vor offenen Führungsfrage als eine Art Notlösung sehe. Dabei ließ Teichmüller offen, ob er für den Vorsitz oder für den Stellvertreterposten der IG Metall antreten würde. „Ich stehe nur in einem Team zur Verfügung. Ich schließe aber aus, dass ich in seinem solchen Team neben Herrn Peters antrete“, sagte Teichmüller. Der Chef des Bezirks Küste gehörte in der Vergangenheit bereits zu den Gegnern von Peters.

Huber gilt als Wunschkandidat Zwickels

Von den beiden bisher vorgesehenen Kandidaten für die künftige Führung hatte der baden-württembergische Bezirksleiter Berthold Huber am Dienstag erklärt, er werde nicht für einen Führungsposten kandidieren. Huber gilt als reformorientiert und als Zwickels Wunschkandidat für seine Nachfolge im Herbst. Im Frühjahr hatte sich der IG-Metall-Vorstand nach heftiger Debatte auf eine Tandemlösung mit Peters als neuem Gewerkschaftschef und Huber als Vize verständigt. Der als Traditionalist geltende Peters, den Zwickel nach dem gescheiterten Streik in Ostdeutschland zum Rücktritt aufgefordert hatte, strebt weiter den Vorsitz an und hat einen Rücktritt wiederholt abgelehnt.

Politik und Wirtschaft zunehmend besorgt

Politik und Wirtschaft äußerten sich unterdessen zunehmend besorgt über die Führungskrise in der nach Verdi zweitgrößten Gewerkschaft Deutschlands. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) erklärte, Deutschland brauche starke Gewerkschaften. „Ich habe die Hoffnung, dass es doch zu einer Lösung, einer Klärung kommt“, sagte er in Berlin. Innenminister Otto Schily (SPD) sprach von einem Trauerspiel und bezeichnete Peters indirekt als ungeeignet, die Gewerkschaft zu führen.

„Dass diejenigen, die jetzt in diesem Streit verbissen sind, nicht mehr als Führungsfiguren geeignet erscheinen, dass - glaube ich - ist offenkundig geworden“, sagte Schily im ZDF. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser bedauerte, dass die IG Metall ihre Führungskrise nicht lösen konnte. „Dies erschwert die Arbeit natürlich weiter“, sagte er in Frankfurt. Je zerstrittener die Gewerkschaftsführung sei, desto höher würden die Forderungen in den Verhandlungen mit den Arbeitgebern. Kannegiesser warnte in diesem Zusammenhang vor einer weiteren Flucht von Betrieben aus dem Flächentarifvertrag. „Wenn Forderungen kommen, die die Masse der Betriebe überfordern, dann können wir keine Regelung kollektiv mehr treffen“, sagte er. Von einem neuen IG-Metall-Chef erwarte er eine große Integrationskraft.

IG-Metall handlungsunfähig

Nach Ansicht des Gewerkschaftsforschers Josef Esser ist die IG Metall derzeit handlungsunfähig. Der Frankfurter Politologe hält Peters als künftigen IG-Metall-Chef nicht mehr für durchsetzbar, weil er die beiden verfeindeten Lager in den kommenden Wochen nicht mehr integrieren könne. „Das ist der schlimmste Ausgang, den man sich vorstellen konnte“, sagte Esser im Reuters-Interview. „Wenn es kein neues Tandem gibt, ist Peters gescheitert“.

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