Kannegiesser
Arbeitgeber warnen IG Metall vor Übermut

Übermut tue selten gut, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser Richtung Gewerkschaft. Die IG Metall strebt an, 6,5 Prozent mehr Lohn zu fordern. Für Kannegiesser schlicht überzogen.
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BerlinDer Arbeitgeberverband Gesamtmetall hält die sich abzeichnende Tarif-Forderung der Gewerkschaft von bis zu 6,5 Prozent für überzogen und gefährlich. „Wir sehen in einer derartigen Größenordnung ein Stück Leichtfertigkeit. Übermut tut selten gut“, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser am Dienstagabend in Berlin.

Versuche man den Verteilungsspielraum auf traditionelle Weise – also gemessen an der gesamtwirtschaftlichen Produktivitäts- und der Teuerungsentwicklung – zu ermitteln, komme man auf knapp unter drei Prozent, sagte Kannegiesser. Er wolle diesen Wert allerdings nicht als Ausgangsposition seines Verbandes verstanden wissen. Die IG Metall wolle offenbar zu einem wesentlichen Teil einen „Nachschlag“ für den vorangegangenen Abschluss aushandeln, den sie als zu niedrig bewerte.

Der Gesamtmetall-Präsident stellte eine Anhebung der Einkommen in Aussicht. Dass es Lohnerhöhungen in der Metallbranche geben sollte, sei keine Frage. Man müsse aber bei der anstehenden Tarifrunde „die Kirche im Dorf lassen“. Die Branche habe den dramatischen Absturz in die Krise im Jahre 2009 inzwischen aufgeholt, anscheinend sogar etwas schneller als erwartet. Es blieben aber Unsicherheiten. „Viele Krisenherde sind zwar überdeckt, aber noch nicht geheilt worden“, sagte Kannegiesser. Zudem sei die Lage in den einzelnen Unternehmen sehr unterschiedlich. „Das bedeutet: Wir müssen unseren Betrieben ihre finanzielle Handlungsspielräume erhalten - und wir müssen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit bewahren“, forderte Kannegiesser. So würden die Finanzierungsbedingungen in weiten Teilen der Welt immer schwieriger.

Kannegiesser warnte auch davor, bei der finanziellen Besserstellung der Zeitarbeiter den Bogen zu überspannen und so dieses „Instrument der externen Flexibilität“ für die Betriebe zu entwerten. Die Forderung nach unbefristeter Übernahme von Ausgebildeten halte man für nicht zweckmäßig. Die Metall- und Elektroindustrie gehört mit einem Umsatz von knapp 900 Milliarden Euro und rund 3,5 Millionen Beschäftigten zu den bestimmenden Wirtschaftszweigen in Deutschland. Die diesjährige Tarifrunde für die Branche beginnt Anfang März.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Und wie üblich kommt das, was wir seit mehr als 20 Jahren kennen
    "Maßhalten, moderate Lohnabschlüsse machen, denn wir müssen die Krise meistern usw."
    Und unsere Gewerkschaften werden wieder mitspielen, wie die letzen Jahre auch.
    Anstatt mal 10% zu fordern und dann bei 8 zu landen. Oder notfalls mal das ganze Land lahmzulegen.
    Und genau damit die Kapitalisten mal zum Umdenken zu zwingen.
    Aber mit unsren Gewerkschaften ist leider nichts mehr los. Mit denen ist kein Staat mehr zu machen

  • Egal wie hoch die Forderungen der Gewerkschaft war und ist, sofortige Reaktion der Arbeitgeber, diese Forderung ist zu hoch, kostet Arbeitsplätze, müssen noch mehr rationalisieren und Produktion ins Ausland verlagern, was für ein Geschwätz.
    Mir ist kein Unternehmen in der BRD bekannt geworden, was durch Lohnerhöhungen Pleite gegangen ist.
    Diese Herrn Arbeitgeber, vergessen immer wieder, ihre grandiosen Bilanzergebnisse, die sie mit großem bring bam borium in den besten Hotels vorstellen.
    Alle Arbeitgeber vergessen al zu leicht, wem sie ihren Reichtum zu verdanken haben.
    Bitte die Kirche im Dorf lassen.
    Danke

  • jedes Jahr das gleiche Ritual.
    Arbeitnehmer müssen sparen.
    Arbeitgeber müssen gefördert werden.
    Lange Weile ist angesagt.

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