Kanzler erntet Empörung
Schröder nennt Politiker der Union „Penner“

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat die Opposition als "Penner" bezeichnet und damit scharfe Reaktionen bei CDU und FDP ausgelöst. Es sei "eine Groteske, die Penner von gestern den Aufbruch von morgen gestalten zu lassen", sagte Schröder am Samstag auf dem Landesparteitag der niedersächsischen SPD in Hannover.

HB BERLIN. Als Skandinavien in den 90er Jahren die Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft, auf Globalisierung und Alterung der Gesellschaft, formuliert habe, hätten in Deutschland die Regierung Helmut Kohl und in ihr Angela Merkel "gepennt". "Die jetzt ranzulassen, hieße nun wirklich, den Bock zum Gärtner zu machen", erklärte Schröder. "Das, was die anderen sagen und wollen, ist eine Rolle zurück in die 90er Jahre", warnte er.

CDU-Generalsekretär Volker Kauder entgegnete in der "Bild am Sonntag": "Typisch Schröder: Erst den Karren in den Dreck fahren und dann rumpöbeln." Das sei unwürdig für einen Kanzler. Der FDP-Generalsekretär Dirk Niebel erklärte in einer Stellungnahme: "Jetzt wird klar, warum die SPD auf das Fairness-Angebot der FDP für den beginnenden Wahlkampf nicht eingehen wollte." Der Bundeskanzler gebe "den Rüpel" und liefere damit einen Beitrag zur politischen Unkultur.

Den WASG-Politiker Oskar Lafontaine griff Schröder mit den Worten an, bei einem, der aus der Verantwortung geflohen sei, habe er sich viel vorstellen können. "Dass er Anleihen im rechten Sumpf macht, das habe ich mir nicht vorstellen können."

Schröder war bei dem Landesparteitag mit nur einer Gegenstimme bei 192 Ja-Stimmen auf Platz eins der niedersächsischen Landesliste für die geplante Bundestagswahl gewählt worden. Schröder forderte seine Partei auf, leidenschaftlich für einen Sieg im September zu kämpfen.

Für die Plätze zwei bis fünf der Bundestagsliste nominierte der Parteitag Bildungsministerin Edelgard Bulmahn, Verteidigungsminister Peter Struck, die Bundestagabgeordnete Karin Evers-Meyer und den ehemaligen Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel. Gabriel erhielt mit 163 Ja- und 24 Nein-Stimmen bei zwei Enthaltungen das schlechteste Ergebnis von allen 61 Kandidaten auf der SPD-Landesliste. Bei der Listenaufstellung erhielten 57 Bewerber mehr als 180 Ja-Stimmen, die restlichen drei mehr als 170.

Er gehe "voller Tatendrang in die Wahlauseinandersetzung", betonte der Kanzler in seiner Kandidatenrede. Die rot-grüne Bundesregierung habe in den vergangenen sieben Jahren das Land vorangebracht. Nun wolle sie Deutschland weiter als Macht profilieren, die sich um sozialen Ausgleich und um die europäische Integration kümmere.

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