Kanzleramt und Bundesbank: Sarrazin feuern – aber richtig

Kanzleramt und Bundesbank
Sarrazin feuern – aber richtig

Jetzt bloß keinen Fehler machen, mag die Devise von Kanzleramt und Bundesbank derzeit lauten, wenn es darum geht, Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin loszuwerden. Die Demission wäre eine Premiere, entsprechend heikel ist die Situation - Rampenlicht inklusive. Derweil kommen Spekulationen über Sarrazins Nachfolger ins Rollen.
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FRANKFURT/BERLIN. Thilo Sarrazin hat seine Widersacher in Verlegenheit gebracht. Ihr Problem: Der Mann ist unabhängig. Er findet mit seinen Thesen zu Deutschland ein gewaltiges Echo. Und er hat Nerven wie Drahtseile. Ob in der Bundesbank in Frankfurt oder in Berlin im Kanzleramt, ob im Bundespräsidialamt und in der SPD - überall geht es darum, den wortgewaltigen Störenfried loszuwerden, ohne etwas falsch zu machen. Es herrscht Angst, durch unüberlegtes Handeln bei einer Premiere zu patzen: dem Rausschmiss eines Bundesbank-Vorstands.

Schließlich ist die Bundesbank unabhängig, und dieses Gut gilt als unantastbar. Einen direkten Kontakt zur Bundesbank in dieser Sache darf also kein Politiker oder Regierender bestätigen. Dennoch wird in Berlin vorsichtig sondiert, wie alle Seiten koordiniert vorgehen können. Die Kanzlerin selbst hält sich wohlweislich zurück, aber enge Mitarbeiter telefonieren. Die Regierungschefin hatte allerdings durch ihre öffentliche Äußerung, Sarrazin schade mit seinen Aussagen dem Ansehen Deutschlands, den Stein ins Rollen gebracht.

Einen Nachfolger würden Rheinland-Pfalz und das Saarland vorschlagen

Hinter den Kulissen in Frankfurt läuft derweil schon die Diskussion über einen geeigneten Nachfolger. Das Benennungsrecht für den Posten haben einem Beschluss der Länderfinanzminister zufolge nach der Pleite mit Sarrazin aus Berlin diesmal Rheinland-Pfalz und das Saarland. "Sie werden sich einigen und gemeinsam einen Vorschlag machen", sagte gestern ein Sprecher des Finanzministeriums in Mainz.

Was das konkret heißt? Dafür sei es noch zu früh, lautet die knappe Mitteilung der Staatskanzlei in Saarbrücken. Das Abberufungsverfahren dürfe nicht "trivial" sein, fügt ein Sprecher hinzu und kann sich einen ironischen Unterton kaum verkneifen.

Die Einigung auf eine Person dürfte in dem Fall dieser Länderkombination nicht ganz einfach werden: In Rheinland-Pfalz regiert die SPD mit absoluter Mehrheit, im Saarland regiert Peter Müller (CDU) gemeinsam mit Grünen und FDP. Diese Konstellation lässt aber auch hoffen, dass das Prinzip, einen unbequemen Menschen nach oben wegzubefördern, diesmal eher nicht zur Anwendung kommt: Wahrscheinlich wird man sich am ehesten auf einen fachlich Qualifizierten verständigen können. Diese Qualität hatte allerdings auch niemand Sarrazin abgesprochen. Weil jeder weiß, dass ein Nachfolger gefunden werden muss, führt der Ärger über Sarrazin zu einer Diskussion über das Berufungsverfahren für Bundesbank-Vorstände, und diese wird - weil sie politisch weniger heikel ist - mit der üblichen Lust am Streit öffentlich ausgetragen.

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  • Völlig egal, welche Witzfigur die Komiker bei der bundesbank in ihre Mitte aufnehmen. Der Ruf ist nun endgültig dahin. Der einzig seriöse und ernst zu nehmende bundesbanker heißt nunmehr - für alle Zukunft - Sarrazin. Die popelige Putztruppe am Main hat sich geoutet als billige Hiwi`s der kommunistisch sozialisierten mediokren Merkel.

  • Herr Wowereit hat sicher mit bedacht Herrn Sarrazin weit weg von berlin verfrachtet, er selbst und seine Politgrößen möchten doch weiter bequem auf ihren Sesselchen sitzen und die Rosette schonen. Ein bürgermeister Sarrazin könnte da schnell für Abhilfe sorgen. Vielleicht ist das der Grund der Aufregung, denn es könnte sein, daß in der SPD eine basisdemokratische Wahl für den bürgermeisterkandidaten für die nächste bürgermeiserwahl beschlossen wird, dann wäre es für Wowi u. U. doch knapp. Hingebogen hat der bisher nichts in berlin, im Gegenteil, das Chaos wächst und berlin wird demnächst wahrscheinlich auch offizielle Frankfurt als die unsicherste Stadt Deutschlands überholen...

    @ Marietta Kurm-Engels, Daniel Goffart und Donata Riedel: Der Titel verrät, was Sie eigentlich für Schmierfinken sind! inzwischen scheint aber das Wasser in den Opportunistenhintern zu kochen und ein gewisser Respekt vor Volkes Meinung aufzukeimen, deshalb flux die Fahne eingeholt und schön pseudo-sachlich und nun noch gleich zu dritt die Dinge hingepinselt, sicherheitshalber, gelle!

  • UFrPorschéé bringts zur Hauptsache auf den Punkt. Das Thema Sarrazin wird gerne als Ablenkungsmanöver für die w i r k l i c h e n nationalen Probleme angenommen.Wir haben Meinungsfreiheit, garantiert vom GG, darüberhinaus ist die bundesbank unabhängig.Was soll das ganze Theater? H. S. sagt ja weitgehend die Wahrheit, die Gen-Übertreibung wird hochstilisiert. Es ist noch nicht lange her, da war es unzulässig, von einem "Krieg" in Afghanistan zu sprechen, jetzt ist es die offizielle Regierungsprache... im übrigen sind alles nur Worte, von den Politikern erwarten wir richtiges Handeln.

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