Kanzlerberater Klaus Töpfer
Merkels Atom-Orakel

Klaus Töpfer ist einer der weltweit renommiertesten Umweltpolitiker. Der ehemalige Bundesumweltminister leitet Merkels Ethik-Kommission zum Thema Atomkraft - und wird über die Ausrichtung nach dem Moratorium entscheiden.
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Berlin/Frankfurt/DüsseldorfDie Atomkatastrophe in Japan hat ein überraschendes politisches Comeback ermöglicht: 24 Jahre nach seinem Amtsantritt als Umweltminister versucht sich Klaus Töpfer an der Beantwortung einer der heikelsten umweltpolitischen Fragen in Deutschland. Er wird Chef der Ethik-Kommission, die nichtweniger erarbeiten soll als die Grundlagen einer neuen Atompolitik.

Denn Bundeskanzlerin Angela Merkel vertraut in dieser zentralen Frage nicht nur den Ergebnissender technischen Überprüfung. Diese seien sicherlich wichtig, sagte die CDU-Vorsitzende am Dienstag, "sie führen aber noch nicht zu einem gesellschaftlichen Konsens."

Diese Aufgabe wird der Kommission unter Leitung des früheren Uno-Klimaexperten und Ex-Umweltminister Töpfer zuteil. Die Ergebnisse sollen neben die technische Reaktorsicherheitskommission gestellt werden. "Sie soll Risiken bewerten und einordnen." Die an das Kanzleramt angelehnte Kommission wird Gruppen wie Kirchen und Gewerkschaften sowie die Industrie umfassen.

Welche Richtung Töpfer dabei einschlagen will hat er schon angedeutet. So hat er sich bereits für die dauerhafte Stilllegung der sieben älteren deutschen Atomkraftwerke ausgesprochen. "Es ist mehr als sinnvoll, in diese Richtung zu gehen, zumal der Schritt möglich ist, ohne unsere Stromversorgung zugefährden", sagte Töpfer der "Frankfurter Rundschau".

Der Ex-Minister sagte, Deutschland könne schneller aus der Kernkraft aussteigen als bislang geplant. Davon sei er überzeugt, "und zwar nicht erst seit der Katastrophe in Fukushima". Die "Brücke ins Zeitalter der erneuerbaren Energien" könne kürzer angelegt werden als bisher geplant. Die damit verbundenen Herausforderungen seien erheblich, aber zu bewältigen. Deutschland sei das einzige Land, das Kernenergie nutze, indem aber zugleich eine allgemeine gesellschaftliche Übereinstimmung herrsche, dass dies keine Zukunftstechnologie sei. Die Kernenergie müsse dennoch zu Ende gebracht werden.

Töpfer lobte die Bundesregierung, die mit ihrem Atom-Moratorium eine mutige Entscheidung getroffen habe. "Wir haben bereits parteiübergreifend einen Konsens, dass die Kernenergie keine Zukunftstechnologie ist. Ob man sagt, wir brauchen sie noch zehn Jahre oder etwas länger, ist eine wichtige Frage. Aber wir sollten darüber nicht vergessen, dass dieser Konsens da ist" ,sagte er. Ein "Umfallen" im negativen Sinn kann er nicht erkennen: "Ich habe keinen Respekt vor denen, die sagen: Weil ich nicht umfallen will, weil ich mein Gesichtwahren will, kann ich meine Position auch bei anderen Informationen nicht ändern", erklärte er in ARD-Talkshow Beckmann.

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  • Was ich noch sagen wollte: Die Union und die SPD haben dieses Konzept verhindert!

  • Über Desertec habe ich auch einmal geschrieben und ging zunächst davon aus, daß sich jeder Staat über seine Landwirtschaft entwickelt.
    Deshalb meinte ich, daß die Unterkonstruktionen der Solarfelder dampfdicht gemacht werden müssen, damit darunter landwirtschaftliche Erzeugnisse entstehen können und kein Wasser nutzlos entweicht. Ist Nahrung und Elektrizität vorhanden, ist der zweite Schritt die Sekundärwirtschft.
    Denkbar ist weiterhin, soviel Energie an Rohstofflagerstätten zu erzeugen, daß dort auch die Verhüttung und bei uns die Weiterverarbeitung stattfinden. So haben wir unseren Strommarkt entlastet und geben den Afrikanern Zukunft.
    Nur darf man nicht wieder einem Diktator in die Hände fallen.

  • Da wird sich Merkel aber wundern, denn in Töpfer hat sie keinen Freund:
    http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/443668_beckmann/6773768_margot-k--mann-im-interview

    Energieeinsparung ergibt sich aus einem Raumkonzept. Ich nannte die Produktionsfaktoren -Arbeit-Kapital-Natur-,
    Töpfer nannte es 15 Jahre später Dichte-Mischung-Polyzentralität:
    http://www.bps-niedenstein.de/content/view/154/2/

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