Kanzlerin gegen Zerschlagung
Merkel macht Hochtief zur Chefsache

Der Übernahmekampf bei Hochtief hat nun auch die Bundesregierung erreicht. Nachdem SPD-Chef Gabriel ein Einschreiten gefordert hatte, geht nun Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in die Offensive und stellt sich gegen eine mögliche Zerschlagung des Unternehmens durch den spanischen Konkurrenten ACS.
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HB BERLIN/DÜSSELDORF/MADRID. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schaltet sich nun doch in den Übernahmekampf um den Essener Baukonzern Hochtief ein. „Hochtief ist ein wichtiges Unternehmen der deutschen Bauindustrie“, sagte ihr Sprecher Steffen Seibert am Freitag.

Daher sei die Bundesregierung daran interessiert, dass die industriellen Strukturen von Hochtief und auch der Sitz in Essen blieben. Hochtief-Rivale Bilfinger Berger sprach sich gegen SPD-Vorschläge für ein staatliches Eingreifen zur Abwehr der feindlichen Übernahmepläne des spanischen Baukonzerns ACS aus. Zugleich warnte er aber vor offensichtlichen Fehlentwicklungen in Deutschland, die einen Marktführer so unter Druck brächten.

Hochtief „ist, wenn sie so wollen, ein Aushängeschild deutscher Technologiekompetenz“, sagte Seibert. Die Bundesregierung verfolge das Thema „sehr aufmerksam“ und stehe in Kontakt mit dem Unternehmen. Mit den Äußerungen setzte das Kanzleramt deutlich andere Akzente als am Donnerstag noch Wirtschaftsminister Rainer Brüderle. Der FDP-Politiker hatte zwar signalisiert, auch er verfolge die Vorgänge um Hochtief genau. Er hatte jedoch Forderungen von SPD-Chef Sigmar Gabriel nach einem Eingreifen der Regierung abgelehnt. Es wäre nicht das erste Mal, dass Merkel und Brüderle in unternehmenspolitischen Vorgängen unterschiedliche Linien verfolgen.

Hochtief zeigte sich erfreut über die Äußerungen aus dem Kanzleramt. „Wir fühlen uns in unserer Erwartung bestätigt, dass die Politik ein Interesse an uns hat“, sagte ein Sprecher.

Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter und der Betriebsrat hatten die Regierung zur Hilfe gegen eine feindliche Übernahme gerufen. Sie lehnen den Vorstoß von ACS kategorisch ab.

Gabriel forderte die Kanzlerin auf, den Worten auch Taten folgen zu lassen. „Jetzt geht es darum, Schaden vom Standort Deutschland abzuwenden“, sagte er den Zeitungen der „WAZ“-Mediengruppe (Samstagausgabe). Merkel müsse mehr tun, als nur Erklärungen abzugeben. „Sie muss im nationalen Interesse handeln.“ Die deutschen Übernahmeregeln müssten sehr schnell den strengeren Gesetzen anderer Länder in Europa angepasst werden.

Bilfinger-Chef Herbert Bodner sagte der „FAZ“, dass sich sein Konzern einer koordinierten Hilfe für Hochtief nicht von vornherein verschließen würde. Ein weißer Ritter zur Abwehr der ACS-Offerte sei Bilfinger aber nicht. Gabriels Vorschläge, wonach sich die Bundesregierung aktiv um ein Konsortium mit einer Sperrminorität an Hochtief bemühen soll, lehnt Bodner aber ab. „Eine politische Lösung wäre der falsche Weg, der Staat kann keinem Unternehmen eine Bestandsgarantie geben.“ Allerdings forderte Bodner langfristig ein Umdenken in Deutschland, um die im internationalen Vergleich niedrigen Börsenwerte anzuheben. „Ein solcher Angriff kann jeden in Deutschland treffen, dem eine qualifizierte Sperrminorität fehlt.“

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  • Was geht dem büger Hoch-Tief an. Hoch-Tief würde sich auch nicht um den deutschen bürger scheren. Die Politik will schon wieder mal mit Steuergeldern dem Management den Arsch retten. Wenn das Management unfähig ist den Angriff abzuwehren, dann ist eben Feierabend. Thats live! Dem Normalbürger hilft die Politik auch nicht. Dieses unfähige Politikerpack und vorallen die Ost-Tussi soll die Finger von Sachen lassen, von denen sie nichts verstehen. Eine HRE reicht!

  • Hallo, die Lösung ist doch ganz einfach.
    Eine Kapitalerhöhung seitens Hochtief, Aufkauf von 25% +1 Aktie von ACS, abwarten und dumm gucken lassen. Sollte bei der Wirtschaftskraft von Hochtief gegenüber ACS kein Problem sein. Und für Angela: Wo steht geschrieben, das ein Staat keine Dividenden kassieren darf?

  • Stimmt genau, Vorredner. Propagandistische einlagen zur erhöhung der "beliebtheit" von Merkel, darauf können wir dankend verzichten. ich finde ihren hinweis mit dem Strompreis bemerkenswert. Es wird eine von der solar-klientelpolitik Merkels verursachte teuerungswelle bei Strompreis und Mieten geben. Das wird ein spaß werden....andererseits muß man sagen : recht so, dann seht ihr einmal was ihr gewählt habt.

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