Kanzlerin im Einsatz
Merkels lange Roadshow

Von Oskar Lafontaine bis Josef Ackermann wollen momentan alle persönlich erfahren, wie das 500-Mrd.-Euro-Rettungspaket umgesetzt werden soll. Die Kanzlerin muss Überzeugungsarbeit leisten. Viel Zeit bleibt ihr nicht. Schon am Freitag soll das Paket beschlossen werden.

BERLIN. Es gibt zwar keine Lücke mehr im Kalender von Angela Merkel, doch die Begegnung mit 400 jungen Führungskräften aus China ließ sich die Kanzlerin nicht nehmen. Wenn die Finanzkrise wirklich die Gewichte der globalen Machtverteilung verschiebt, dann sind die wenigen Minuten Aufmerksamkeit der Regierungschefin für die junge Elite der künftigen Weltmacht sicher gut investiert. Ansonsten kennt Merkels Terminplanung nur noch eine Priorität: die Finanzkrise.

War es schon schwer genug, im Ringen mit Washington, London und Paris ein Rettungspaket zu schnüren, so geht es in dieser Woche vor allem darum, nach der Ankündigung auch politische Akzeptanz für den 500-Mrd.- Euro-Plan zu erzielen. Schon die schiere Wucht der Zahl ist geeignet, gleichermaßen Angst, Fassungslosigkeit und Widerstand herauszufordern. Eine mehrfache Ablehnung und Veränderung des Rettungsplans durch die Abgeordneten wie in den USA will sich die Bundesregierung auch mit Blick auf die völlig verunsicherten Börsen ersparen.

Hand in Hand mit Bundesfinanzminister Peer Steinbrück geht Merkel deshalb in der Politik und der Wirtschaft auf Roadshow. "Nicht Ankündigungen wirken, sondern eine klare Umsetzung", heißt es dazu mit Blick auf Washington im Kanzleramt.

Josef Ackermann war der erste Banker, den Merkel über die Rettungspläne der Regierung informierte. Der Deutsche-Bank-Chef flog bereits Sonntagabend mit dem Privatjet von Washington nach Berlin, um noch vor der Kabinettssitzung mit Merkel zu sprechen. Die Kanzlerin ließ sich noch einmal persönlich von Ackermann versichern, dass das deutsche Rettungspaket geeignet ist, die Turbulenzen an den Börsen zu beenden und die Banken vorerst vor Pleiten zu schützen. Auch Commerzbank-Chef Martin Blessing, Bankenpräsident Klaus-Peter Müller und Allianz-Chef Michael Diekmann wurden um ihren Rat gebeten.

Montagmittag tagten die Staatssekretärsrunde und das Kabinett. Schließlich betraten die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen das Kanzleramt, um sich über das Gesetz zum Rettungsplan informieren zu lassen - inklusive der Linken Oskar Lafontaine und Gregor Gysi.

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