Kanzlerin steht zur großen Koalition
Merkel versucht es mit Optimismus

Trotz heftiger Auseinandersetzungen zwischen Union und SPD sowie scharfer persönlicher Attacken gibt sich die Bundeskanzlerin scheinbar unbeeindruckt. Angela Merkel steht fest zur großen Koalition.

HB BERLIN. „Ich bin sehr optimistisch, dass diese Koalition weiterarbeitet“, stellt Merkel am Freitag in ihrem ersten großen Interview seit langem fest. Als habe es die persönlichen Angriffe der SPD-Spitze auf sie, die sich aufschaukelnden Reaktionen und Gegenreaktionen der vergangenen Tage nicht gegeben. Darüber redet Merkel verständlicherweise nicht, um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen. Ihre Botschaft ist vielmehr: „Sehen sie sich doch mal an, was wir in den letzten Wochen auf den Weg gebracht haben. Ich habe den festen Eindruck, dass sich die gesamte Koalition den Aufgaben, die sich gesetzt hat, verpflichtet fühlt.“

Fragt sich nur, in welchen Geist, auf welcher Basis die Spitzenakteure die Zusammenarbeit fortsetzen wollen. Denn auch am Ende der Streit-Woche nach der Einigung auf Eckpunkte für die Gesundheitsreform haben sich die Gemüter immer noch nicht beruhigt. Die Spitzenpolitiker beider Seiten bemühten sich um erste Töne der Mäßigung. Andererseits wiederholte der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises der SPD, Johannes Kahrs, wieder seine auf Merkel gemünzte Formulierung: „Der Fisch stinkt vom Kopf her.“

Vertrauen scheint zunächst einmal verspielt

Das Vertrauen, das gute Arbeitsklima, das in vergangenen Monaten von beiden Seiten so gelobt wurde, scheint zunächst einmal verspielt. Immer wieder hatten auf den verschiedensten Ebenen die Akteure gesagt, dass sie in vielen Themen zwar längst nicht auf einem Nenner lägen, die Gesprächsatmosphäre aber so gut sei, wie sie es bei Bildung der Koalition kaum vermutet hätten. „Wir sind eine prächtige Truppe“, hatte Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) die Arbeit der großen Koalition bei seiner 100-Tage-Bilanz noch gelobt. Lang scheint es her zu sein.

Am Tag 227 der Koalition besucht Kauder am Freitag doch sichtbar bedrückt ein Rolls-Royce-Flugzeugturbinen-Werk im brandenburgischen Dahlewitz. Die angekündigte Fahrt auf dem Sozius des SPD- Fraktionsvorsitzenden Peter Struck wird nicht so schnell stattfinden, nachdem dieser am Dienstag die Kritik an Merkel auf SPD-Seite freigegeben hatte. Und als Indiz für die schlechte Stimmung wird in beiden Lagern auch gewertet, dass am Montag nach der vermeintlichen Einigung stundenlang über den Text der Eckpunkte gefeilscht wurde, wobei jede Seite vermutete, die andere wolle sie noch über den Tisch ziehen.

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