Kanzlerinnenwahl
Merkels schwarz-gelber Familienausflug

Die Kanzlerinnenwahl im Bundestag wirkt eher routiniert als begeisternd, ihr fehlen sogar neun eigene Stimmen – aber Angela Merkel kann dies derzeit egal sein. Im Bundestag verfügt die die CDU-Vorsitzende über eine solide Mehrheit. Etwas mehr Sorgen muss sie sich schon über das Verhalten der Länder machen.
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BERLIN. 13.03 Uhr, Deutscher Bundestag: Es ist so weit. Angela Merkel geht nach dem Amtseid als Bundeskanzlerin die Stufen hinunter auf die Regierungsbank und nimmt ganz alleine auf der Regierungsbank Platz. Ein mädchenhaftes Lächeln huscht über das Gesicht der Kanzlerin, als sie in die Runde der applaudierenden Parlamentarier schaut. Auf genau diesen Moment hat sie gewartet.

Denn das Bild mit ihr auf der Regierungsbank demonstriert ihre derzeit einzigartige Stellung in der deutschen Politik. Vor ihr sitzen in der Menge der Menschen sowohl der künftige als auch der bisherige Vizekanzler. Der Abstand zwischen der wiedergewählten Kanzlerin und allen anderen wird wohl nie mehr in ihrer Amtszeit für alle so augenfällig sein wie jetzt. Ganz bewusst sieht die Regie des ersten Tages der schwarz-gelben Regierung vor, dass es noch einige Stunden dauert, bis die Minister ihrer Regierung vereidigt werden und sie dann ebenfalls nach und nach auf der Regierungsbank Platz nehmen dürfen.

Die Köchin und ihre viele Kellner – das ist die eine Botschaft des Tages der Vereidigung der neuen Regierung. Die andere ist die von Siegern und Verlierern. Denn schon an der Körperhaltung lässt sich am Mittwoch erkennen, wer wo nach der Bundestagswahl gelandet ist. Als sich der Bundestag vor der Kanzlerinnenwahl langsam füllt, drückt sich die geschrumpfte Runde der SPD-Parlamentarier in ihre schmaler gewordenen Sitzreihen. Die Abgeordneten von CDU, CSU und FDP dagegen flanieren entspannt auf und ab im gesamten Bundestag, okkupieren vor allem den Bereich vor der noch leeren Regierungsbank.

Man tuschelt, klopft sich auf die Schultern und demonstriert nur eins: Das hier ist jetzt „unser“ Parlament. Bei den Liberalen gehen der künftige Wirtschaftsminister Rainer Brüderle und der verhinderte Finanzminister Hermann Otto Solms so weit, sich demonstrativ an die Regierungsbank zu lehnen. Damit die neuen Machtverhältnisse auch nach außen sichtbar werden, haben Union und FDP der SPD nur noch drei Stühle in der ersten Reihe genehmigt – gegenüber sechs Plätzen für die Union und je zweien für die drei kleineren Parteien. Macht soll sichtbar sein.

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