Kanzlerkandidatur 2017
Merkels Verheißung

Die Kanzlerin inszeniert sich als Stabilitäts-Garantin. Eine Vision für weitere vier Merkel-Jahre präsentiert sie aber nicht. Gut möglich, dass das für den Wahlsieg reicht – für das Land ist es zu wenig. Ein Kommentar.
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BerlinAngela Merkel ist durchaus fähig zur Selbstironie. Auf die Frage, wann genau sie die Entscheidung getroffen habe, ein viertes Mal als Kanzlerkandidatin anzutreten, antwortete sie am Sonntagabend: „Bei mir ist das so: Ich brauche lange, und die Entscheidungen fallen spät.“ Es war eine Anspielung auf ihren Regierungsstil, mit dem sie nunmehr schon elf Jahre das Land prägt, der anfangs belächelt, dann vom politischen Gegner gefürchtet und zuletzt in der Flüchtlingskrise aber auch heftig kritisiert wurde.

Nun also hat Merkel nach Monaten der Spekulation am Sonntagabend für Klarheit gesorgt: Ja, sie kandidiert Anfang Dezember das neunte Mal als CDU-Vorstandsvorsitzende. Und ja, damit ist das auch die Entscheidung gefallen, dass sie zum vierten Mal als Kanzlerkandidatin der Union antritt.

Wie Merkel in den Wahlkampf ziehen wird, welche Vorstellung sie von einer möglichen vierten Amtszeit hat, das wird in dem Selbstverweis auf ihren Regierungsstil schon deutlich: Merkel wirbt vor allem mit Merkel. Das war der rote Faden ihrer Pressekonferenz: Die Inszenierung als Garantin für Stabilität.

Die Amerikaner haben den Polit-Polterer Donald Trump ins Weiße Haus gewählt, die Briten ihr Land aus der Europäischen Union katapultiert und überall in Europa sind die Populisten auf dem Vormarsch. „Überaus schwierige, man kann sagen unruhige Zeiten“ nennt Merkel das. Ihre Kandidatur ist Merkels Versprechen an die Deutschen, sie durch die Wirren zu führen. Immer wieder hebt sie an diesem Abend ihre „ganze Erfahrung“ hervor, die sie „in die Waagschale werfen“ will. Und wer noch mehr Gewissheit braucht, dem sagt die Kanzlerin zu: „Ich trete für die Legislaturperiode an.“ Nicht für den Wahlkampf, nicht für eine Halbzeit – nein, es gibt die Aussicht auf Merkel bis 2021.

Gut möglich, dass das im Wahlkampf zieht. Trotz Flüchtlingskrise ist die Mehrheit der Deutschen in den jüngsten Umfragen für eine weitere Amtszeit von Merkel. Die Bürger fühlen sich bei Merkel gut aufgehoben, nicht umsonst wird sie im politischen Betrieb „Mutti“ genannt.

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Merkel gibt den Anti-Trump

Kommentare zu " Kanzlerkandidatur 2017: Merkels Verheißung"

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  • Man kann nicht übersehen, dass die Mehrheit hier gegen Merkel ist, und wenn man das mal hochrechnet auf alle Bundesbürger, dann grassiert große Ablehnung und Mißfallen. Mir fällt auf, dass wir unsere Souveränität verlieren, es wird nicht in der Politik auf den Tisch gehauen, um klare Statements u. Entscheidungen zu erzwingen. Als T. Sarrazin geschrieben hat "Deutschland schafft sich ab" dachte ich, dass es so schlimm nicht kommt: aber wer einen klaren Blick hat, sieht, dass bei uns etwas aus dem Ruder läuft. Offene Grenzen und Zuwanderung: das bricht uns eines Tages das Genick. Meine arme Tochter (5 J.) muss später schauen, wo Nationalstolz, Kultur und "wir Deutschen" geblieben sind. Traurig !!

  • Merkels Verheißung ist eine Drohung für Deutschland. Sie schafft es schon, uns zu vernichten.

  • Wie bei jeder Bundestagswahl der vergangenen Dekade stellt sich die Frage, wofür Frau Merkel eigentlich stehl - außer dem eigenen Machterhalt.
    Ich weiß es nicht, keiner, mit dem ich bisher gesprochen habe weiß es, weiß sie es selbst?
    Was hat Frau Merkel in den vergangenen mehr als 10 Jahren wirklich für dieses Land erreicht, was hat sie überhaupt erreicht (außer an der Macht zu bleiben) ?
    Mir fällt nichts erwähnenswertes (positives) ein.
    Wenn es in der CDU keine Altgernative gibt, dann sagt das viel über den Zustand dieser Partei, aber nichts über die Qualitäten von Frau Merkel.
    Vermutlich werden die Kanzlerjahre von Frau Merkel als verlorene Dekade in die Geschichte eingehen.

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