Kanzlerkandidatur 2017 Merkels Verheißung

Die Kanzlerin inszeniert sich als Stabilitäts-Garantin. Eine Vision für weitere vier Merkel-Jahre präsentiert sie aber nicht. Gut möglich, dass das für den Wahlsieg reicht – für das Land ist es zu wenig. Ein Kommentar.
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„Die Alternativen fehlen“

BerlinAngela Merkel ist durchaus fähig zur Selbstironie. Auf die Frage, wann genau sie die Entscheidung getroffen habe, ein viertes Mal als Kanzlerkandidatin anzutreten, antwortete sie am Sonntagabend: „Bei mir ist das so: Ich brauche lange, und die Entscheidungen fallen spät.“ Es war eine Anspielung auf ihren Regierungsstil, mit dem sie nunmehr schon elf Jahre das Land prägt, der anfangs belächelt, dann vom politischen Gegner gefürchtet und zuletzt in der Flüchtlingskrise aber auch heftig kritisiert wurde.

Nun also hat Merkel nach Monaten der Spekulation am Sonntagabend für Klarheit gesorgt: Ja, sie kandidiert Anfang Dezember das neunte Mal als CDU-Vorstandsvorsitzende. Und ja, damit ist das auch die Entscheidung gefallen, dass sie zum vierten Mal als Kanzlerkandidatin der Union antritt.

Wie Merkel in den Wahlkampf ziehen wird, welche Vorstellung sie von einer möglichen vierten Amtszeit hat, das wird in dem Selbstverweis auf ihren Regierungsstil schon deutlich: Merkel wirbt vor allem mit Merkel. Das war der rote Faden ihrer Pressekonferenz: Die Inszenierung als Garantin für Stabilität.

„Eiserne Lady“ ohne Vision
Ausdauer
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Merkel schreibt sich selbst „kamelartige Fähigkeiten“ zu: Reserven anlegen, dosiert einsetzen. Krank ist sie selten – wenn doch, erfährt man es in der Regel nicht. Man muss wohl Nerven aus Stahl haben, um Kanzleramt und Parteivorsitz zu meistern. US-Präsident Barack Obama sagt, Merkel sei „hart“, „tough“ und „zäh“.

Geduld
2 von 7

Merkel kann zuhören – und abwarten. Selten reagiert sie im Affekt. Reißt ihr aber die Hutschnur, ist Feierabend. Wie bei der Entscheidung für Sanktionen gegen Russland wegen des Ukraine- Konflikts oder der Entlassung von Norbert Röttgen (rechts) aus ihrem Kabinett.

Ideologiefrei
3 von 7

Merkel zeigt sich erst einmal für alles offen und denkt nicht in Grenzen – auch nicht in denen ihrer Partei. Das führt zu Konflikten mit der Schwesterpartei CSU und auch mit der CDU-Basis.

Uneitel
4 von 7

Anhänger wie Gegner schätzen Merkels Bodenhaftung, ihre unaufgeregte Art. Keine Skandale, keine Eskapaden. Sie ist unprätentiös und gilt als unbestechlich. Geld interessiert sie nicht so sehr. Sie verdiene genug, hat sie einmal gesagt. Auf etwa 300 000 Euro wird das Jahresgehalt geschätzt, das die Regierungschefin für ihre Verantwortung für rund 80 Millionen Menschen bekommt. Ein Bruchteil der Summen von Firmenbossen mit einigen Tausend Beschäftigten. Ihr Lohn sei die Macht, soll Merkel einmal gesagt haben. Die Macht, dass es am Ende so gemacht wird, wie sie es will.

Kein Redetalent
5 von 7

Merkel kann ein Publikum nur selten mitreißen. Öffentlich formuliert sie oft umständlich und wenig pointiert. Im kleinen Kreis ist sie dagegen humorvoll und selbstironisch.

Keine Nachwuchsförderung
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Dass die CDU in den vergangenen Jahren nie einen anderen Namen als Merkel für den Parteivorsitz und die nächste Kanzlerkandidatur genannt hat, zeigt auch, wie wenig sich Merkel um die Förderung von Talenten bemüht hat. Konkurrenten hat sie oft kalt gestellt.

Keine Visionen
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Kritiker beklagen, Merkel habe keine eigenen Ziele, sondern sammele Ideen anderer und suche dann die Mehrheitsmeinung. In der Flüchtlingskrise bewies sie exakt das Gegenteil.

Die Amerikaner haben den Polit-Polterer Donald Trump ins Weiße Haus gewählt, die Briten ihr Land aus der Europäischen Union katapultiert und überall in Europa sind die Populisten auf dem Vormarsch. „Überaus schwierige, man kann sagen unruhige Zeiten“ nennt Merkel das. Ihre Kandidatur ist Merkels Versprechen an die Deutschen, sie durch die Wirren zu führen. Immer wieder hebt sie an diesem Abend ihre „ganze Erfahrung“ hervor, die sie „in die Waagschale werfen“ will. Und wer noch mehr Gewissheit braucht, dem sagt die Kanzlerin zu: „Ich trete für die Legislaturperiode an.“ Nicht für den Wahlkampf, nicht für eine Halbzeit – nein, es gibt die Aussicht auf Merkel bis 2021.

Gut möglich, dass das im Wahlkampf zieht. Trotz Flüchtlingskrise ist die Mehrheit der Deutschen in den jüngsten Umfragen für eine weitere Amtszeit von Merkel. Die Bürger fühlen sich bei Merkel gut aufgehoben, nicht umsonst wird sie im politischen Betrieb „Mutti“ genannt.

Merkel gibt den Anti-Trump
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39 Kommentare zu "Kanzlerkandidatur 2017: Merkels Verheißung"

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  • Man kann nicht übersehen, dass die Mehrheit hier gegen Merkel ist, und wenn man das mal hochrechnet auf alle Bundesbürger, dann grassiert große Ablehnung und Mißfallen. Mir fällt auf, dass wir unsere Souveränität verlieren, es wird nicht in der Politik auf den Tisch gehauen, um klare Statements u. Entscheidungen zu erzwingen. Als T. Sarrazin geschrieben hat "Deutschland schafft sich ab" dachte ich, dass es so schlimm nicht kommt: aber wer einen klaren Blick hat, sieht, dass bei uns etwas aus dem Ruder läuft. Offene Grenzen und Zuwanderung: das bricht uns eines Tages das Genick. Meine arme Tochter (5 J.) muss später schauen, wo Nationalstolz, Kultur und "wir Deutschen" geblieben sind. Traurig !!

  • Merkels Verheißung ist eine Drohung für Deutschland. Sie schafft es schon, uns zu vernichten.

  • Wie bei jeder Bundestagswahl der vergangenen Dekade stellt sich die Frage, wofür Frau Merkel eigentlich stehl - außer dem eigenen Machterhalt.
    Ich weiß es nicht, keiner, mit dem ich bisher gesprochen habe weiß es, weiß sie es selbst?
    Was hat Frau Merkel in den vergangenen mehr als 10 Jahren wirklich für dieses Land erreicht, was hat sie überhaupt erreicht (außer an der Macht zu bleiben) ?
    Mir fällt nichts erwähnenswertes (positives) ein.
    Wenn es in der CDU keine Altgernative gibt, dann sagt das viel über den Zustand dieser Partei, aber nichts über die Qualitäten von Frau Merkel.
    Vermutlich werden die Kanzlerjahre von Frau Merkel als verlorene Dekade in die Geschichte eingehen.

  • Mut zur Lücke und die Empfehlung des Wahl-o-Mat nutzen. Viele haben Angst vor der Abkehr von den alten etablierten Parteien oder setzen sich zu wenig (wenn überhaupt) mit dem Thema auseinander - wie wohl auch Sie, Frau Kah. Im Übrigen: Steinmeier wurde ja geschickt aus dem Verkehr gezogen, weil Mutti sonst eventuell einen etwas ernsteren Gegner gehabt hätte. Schäuble? Wie kann man mit seiner Arbeit zufrieden sein? Ich sage nur: Rekordeinnahmen und trotzdem kein Schuldenabbau. Verantwortung für die nächsten Generationen? Drauf gepfiffen. Am Ende ist es wie mit der Bildzeitung: Keiner liest sie. Trotzdem hat sie die höchste Auflage. Merkel: Keiner wählt sie. Trotzdem ist sie Kanzlerin.

  • Nach der Umfrage vom November 2016 sind 52 % der Bundesbürger mit der politischen Arbeit von Angela Merkel zufrieden oder sehr zufrieden. Beliebter beim Volk sind nur Frank-Walter Steinmeier und Wolfgang Schäuble. Soweit die Fakten.

    Überblickt man hingegen einige Leserzuschriften des Handelsblatts, ergibt sich ein völlig anderes Bild. Nach den Zuschriften einiger ihrer Leser hat Frau Merkel auf jedem Gebiet alles nur falsch gemacht. Sie ist verantwortlich für alles Unheil dieser Welt. Und sie verhindert sogar, dass das Regenwetter endet und die Sonne wieder scheint.

    Dabei weiß jeder dieser Leser, dass das Paradies auf Erden ganz einfach zu erreichen ist, dass dazu ein Fingerschnippen ausreicht. Aber Frau Merkel kann in den Augen mancher Leser anscheinend nicht einmal das. Mein Rat: Laßt Euch doch selbst wählen und verbessert dann die Welt.

  • Ihre Kandidatur war klar, spätestens seitdem man sich auf FW Steinmeier als Kandidat für den Posten des Bundespräsidenten geeinigt hat. Gabriel? Keine Gefahr. Auch aus den eigenen Reihen kommt nichts. Schon heute steht fest, dass sie wieder Kanzlerin wird - sei es durch Wahl oder irgendwelche Koalitionsspielereien, Hauptsache der Machterhalt bleibt gewährleistet. Die verheerenden Folgen ihrer Politik werden wir zu spüren bekommen, wenn sich die Konjunktur abschwächt: Rascher Anstieg von Arbeitslosigkeit, Verschuldung und Kriminalität, drastische Steuererhöhungen (weil unser toller Finanzminister ja so gut mit Geld umgehen kann), Platzen der Immobilienblase.

    Frau Merkel hat für ihre Bürger nichts getan, weil sie für ihre eigenen Bürger nichts übrig hat...naja, bis vielleicht kurz vor der Wahl. Da gibt es dann vermeintliche Steuergeschenke und eine irrwitzige Erhöhung des Kindergeldes. Ansonsten sind die Präferenzen klar anders gelagert.

    Wie liest man in einem weiteren Kommentar? "Nicht meiner Kanzlerin."

  • Nicht "meine Kalnzlerin". So einfach ist das.
    Keinen hat sie hochkommen lassen in der Partei. Und so sieht sie sich selbst als die Einzige, die es kann.
    Sie selber richtet die Schäden an und sieht sich wieder als die Einzige die die Schäden beheben kann. (Beispiel: Merkel spaltete das Volk; nun behauptet sie sie will die Einigkeit erreichen)
    Und natürlich raten ihr diejenigen, die in der CDU gerne Pöstchen haben wollen zu einer weiteren Kanzlerschaft. Denn wer Widerspruch wagt, wird von Dr. Merkel kurzerhand degradiert. Was übrig bleibt sind die "Ja-Sager".
    Was soll also Merkel für ein Weltbild auch anders haben, als, dass sich alles um sie dreht und dass es ohne sie nicht geht?
    Keine Selbsterkenntnis, keine Zweifel and sich selber, keine Ehrlichkeit...
    Was man uns jetzt positiv als Kontinuität verkaufen will ist in Wirklichkeit ein planloses weiter-so, das nur alles noch schlimmer machen wird.
    Wenn das keine Stimmen kostet, dann weiß ich auch nicht mehr.

  • Meine Bilanz von Merkels Politik ist verheerend.
    Sie steht für Steuer- und Abgabenerhöhungen, niedrigere Neurenten, Zerfall von Infrastruktur und Sicherheit, Verwahrlosung des öffentlichen Raums, falsche Europapolitik und falsche europäische Verträge, Umwandlung von Deutschland in ein europäisches Sozialamt mit Tendenz zum Weltsozialamt und eine Anhäufung von Kosten in Billionenhöhe, die in den nächsten Jahren beglichen werden müssen. Nachdem sie so weiter machen möchte, werden es vier sehr ungemütliche und teuere Jahre für die hier Lebenden werden. .

  • und wen stellt die FDP als Kanzlerkandidat? Und wen stellen die grauen Panther als Kanzlerkandidat?

    Herr Eduardo Lopez
    was sind sie denn für einer? ist das Rest oder neuer Alk?

  • Das Frau Merkel erneut antritt ist keine Überraschung. Die Begründung, Erfahrung und Talent dagegen hat nicht nur mich überrascht. Die Erfahrung hat ihr nichts genützt, was heraus gekommen ist sehen wir jetzt. Talent hat sie ne ganze Menge. Fakten zu verdrehen, Tatsachen zu leugnen, Bürger herab würdigen usw.Alternativlos ist sie nicht, behauptet sie bei Anne Will und trotzdem klammert sie sich an die Macht, die gar keine ist, zusagen in der Welt hat sie nicht viel.

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