Deutschland

_

Kanzlerschaft: Steinmeier verzichtete für Ehefrau auf Kandidatur

Vor zwei Jahren spendete Frank-Walter Steinmeier seiner Frau eine Niere. Aus Rücksicht auf sie habe er jetzt auf die Kanzlerkandidatur verzichtet, sagte der SPD-Politiker. Peer Steinbrück werde er aber voll unterstützen.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und seine Ehefrau Elke Büdenbender im November 2011. Quelle: dpa
SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und seine Ehefrau Elke Büdenbender im November 2011. Quelle: dpa

BerlinSPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hat aus Rücksicht auf seine nierenkranke Frau auf die Kanzlerkandidatur verzichtet. „Die letzten zwei Jahre seit der Transplantation haben gezeigt: Auch wenn es überwiegend gut geht – es gibt ein paar Tage mehr im Jahr, an denen ich an der Familienfront gefordert bin“, sagte Steinmeier, der seiner Frau Elke Büdenbender vor zwei Jahren eine Niere gespendet hatte, der „Bild am Sonntag“. „Diese Freiheit wollte ich mir bewahren, deshalb war der Verzicht auf die Kandidatur die notwendige Konsequenz.“

Anzeige

„Mir war klar, was ein Jahr Wahlkampf für mich und meine Familie bedeuten würde“, sagte der SPD-Fraktionschef weiter. „Wahlkampf, das heißt, an jedem der kommenden 365 Tage die doppelte Drehzahl zu laufen. Bei mir zu Hause ist aber in den vergangenen zwei Jahren Einschneidendes passiert. Und das hat einfach die Gewichte noch einmal verschoben und zu meiner Entscheidung geführt.“

Transparenz SPD prescht mit Nebeneinkünfte-Regeln vor

Die SPD will die Nebentätigkeiten aller Abgeordneten stärker kontrollieren.

Transparenz: SPD prescht mit Nebeneinkünfte-Regeln vor

Diese sei ihm durch das Wissen erleichtert worden, „dass Peer Steinbrück ein hervorragender Kandidat sein würde“, sagte Steinmeier. Er selbst werde sich jetzt nicht aus der Politik zurückziehen, sondern „voll für die SPD reinhängen“.

Der SPD-Politiker zeigte sich dankbar dafür, dass seine Frau und er nach der Transplantation zu einem glücklichen Zusammenleben zurückgefunden haben: „Wir sind da gemeinsam durch einen langen Tunnel gegangen. Ich bin unendlich dankbar, dass wir so viel Stabilität in unserem Leben wieder hingekriegt und jetzt wieder eine gemeinsame Perspektive für hoffentlich viele Jahre haben“, sagte Steinmeier. „Das ist ein großes Geschenk, das ich auch so empfinde; deshalb habe ich beschlossen, jetzt nicht gleichzeitig politisch alles auszureizen.“

SPD

Mit SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück und dem Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel will Steinmeier weiter eng kooperieren. „Aus der Troika wird ein Dreieck mit dem Spitzenkandidaten an der Spitze. Aber Gabriel, Steinbrück und ich werden weiter eng zusammenarbeiten“, sagte Steinmeier. „Wir haben uns seit der Kandidatenentscheidung mindestens im Zwei-Tage-Abstand gesprochen oder gesehen.“

Steinmeier sagte, er habe keine Gegenleistung für seinen Verzicht auf die Kanzlerkandidatur gefordert. „Weder gibt es Verabredungen, noch stelle ich Ansprüche“, sagte er. „Ich werde mich voll für die SPD reinhängen, damit Peer Steinbrück Kanzler wird.“

Steinbrücks Positionen

  • Konsolidierungspolitik

    Steinbrück ist auch gegen eine Krisenpolitik, die ausschließlich eine Einsparungen in den Krisenstaaten verfolgt. Den in Not geratenen Ländern Konsolidierungsprogramme über den Kopf zu ziehen, reiche nicht aus, sagte SPD-Kandidat. In vielen Euro-Staaten drohe jetzt eine Radikalisierung des politischen Klimas. Eine grundsätzliche Abkehr von der Konsolidierungspolitik forderte Steinbrück allerdings nicht: Es gehe bei der Frage nach Konsolidierung und Wiederaufbau nicht um ein „Entweder oder“, sondern um ein „Sowohl als auch“.

  • Gemeinsame Haftung

    Steinbrück ist dafür, dass Deutschland und andere starke Staaten den Krisenländer mit ihrer Bonität helfen. Denn durch die Rettungsschirme sei Europa schon in einer gemeinsamen Schuldenhaftung. Dafür müssten die Schuldner aber auch Kompetenzen abgeben: „Es bedarf einer Instanz im Euroraum, die Durchgriffsrechte auf die nationale Haushaltsführung hat.“

  • Chef der Euro-Gruppe

    In der Debatte um die Personalentscheidung eines neuen Euro-Gruppenchefs ist Steinbrück der Meinung, ein Deutscher sei für diese Position nicht geeignet. „Ich halte das für einen Fehler“, sagte der SPD-Kanzlerkandidat zu den Überlegungen, Schäuble als Nachfolger für Jean-Claude Juncker zu bestimmen . Er sei davon überzeugt, dass Deutschland „als größtes Schiff im Konvoi der Europäischen Währungsunion“ nicht in die Position eines Schiedsrichters innerhalb EU kommen sollte.

  • Steuererhöhungen

    Gegenüber dem Handelsblatt warb Steinbrück für Steuerhöhungen: „Ich bin dafür, dass die Sozialdemokratie offensiv den Standpunkt vertritt, in Teilbereichen Steuern zu erhöhen.“  Die Einnahmen seien erforderlich, „um erstens den Staatshaushalt zu konsolidieren, zweitens mehr in die Bildung zu investieren und drittens die Finanzlage der Kommunen zu verbessern.“ Dafür würde er in einem Bundestagswahlkampf offensiv werben. „Alle Versprechen, die Steuern senken zu wollen, prallen an der Realität ab“, sagte der SPD-Politiker.

  • Rente

    In der Rentendiskussion hat Steinbrück ging Steinbrück auch auf Konfrontationskurs mit seiner Partei. „Die Antwort auf den mathematischen Druck der Demografie“ könne „nicht die ersatzlose Streichung der Rente mit 67 sein“, sagte der Kanzlerkandidat. Auf ihrem Parteitag Ende 2011 hatte die SPD aber beschlossen, die Anhebung der Altersgrenzen auszusetzen, bis die Hälfte der 60- bis 64-Jährigen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehe.

  • Betreuungsgeld

    Bei seiner Einschätzung des von Schwarz-Gelb geplanten Betreuungsgeldes verzichtete Steinbrück auf viele Worte.  Das Betreuungsgeld sei eine „dämliche und skandalöse Fernhalteprämie“.

  • 19.10.2012, 11:49 Uhrreitenderphoenix

    Einen Menschen öffentlich so schlecht zu beurteilen ohne ihn zu kennen bzw. von den genauen Umständen zu wissen halte ich für schäbig.

  • 15.10.2012, 17:11 UhrDragon7946

    Bei allen Respekt Herr Steinmeier ,
    aus der zweiten Reihe zu kämpfen ( oder sollte man sagen :
    besser abzuwarten ) ist doch bestenfalls nur Feigheit.
    Sie reihen sich in die Reihe all der Politiker ein , die konzeptlos , unfähig , versteinert auf die Fehler der anderen warten und keine Lösungsvorschläge für die anstehenden Probleme haben.

  • 14.10.2012, 14:55 UhrMIRO

    Macht sich ja immer gut, solche Worthülsen zu verbreiten.
    Doch mal ehrlich, ist das ein Artikel wert? Zumal, Steinmeier genau weiss, daß er keinerlei Chancen hätte, wäre er zu Wahl angetreten. Diese kommt, wenn überhaupt, erst 2017. Und, als Juniorpartner der Frau Merkel, hat er ja auch seine einschlägigen Erfahrungen. Doch wie gesagt, wir haben in Deutschland sicher andere Probleme.gez.walter werner.de

  • Die aktuellen Top-Themen
Tagung in Münster: Merkel bekräftigt Nein zum gesetzlichen Mindestlohn

Merkel bekräftigt Nein zum gesetzlichen Mindestlohn

Immer wieder werden in der Union Stimmen für einen gesetzlichen Mindestlohn laut. Doch Angela Merkel bleibt hart, hat den Forderungen aus den eigenen Reihen erneut eine Absage erteilt.

„Miserables Krisenmanagement“: SPD hält de Maizière eigene Ansprüche vor

SPD hält de Maizière eigene Ansprüche vor

Was wusste Thomas de Maizière? Die SPD fordert wegen des gescheiterten Drohnenprojekts „Euro Hawk“ eine lückenlose Aufklärung vom Verteidigungsminister. Und sie betont: Er solle endlich Verantwortung übernehmen.

Schutz vor Betrug: Mehr Einblick für USA bei Bilanzfälschungen chinesischer Firmen

Mehr Einblick für USA bei Bilanzfälschungen chinesischer Firmen

Die USA erhalten von chinesischen Behörden erstmals Zugang zu Bilanzprüfungsdokumenten chinesischer Firmen. Investoren sollen so besser vor Betrugsfällen geschützt werden. Die Einigung ist aber noch unverbindlich.

Handelsblog Bernanke, der Fuchs

Wenn Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank, hinauffährt zum Capitol Hill und mit Abgeordneten und Senatoren diskutiert, werden immer wieder dieselben Argumente ausgetauscht. Und dabei zeigt sich meist, dass der Notenbank-Chef seinen... Von Frank Wiebe. Mehr…