Kapitalismuskritik
Müntefering nimmt Ackermann ins Visier

HB BERLIN. Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering hat seine Kapitalismuskritik zugespitzt und dabei vor allem den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Josef Ackermann, ins Visier genommen. Bei Ackermann stimme die Unternehmensethik nicht mehr, «wenn er eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent zum Ziel erklärt und bei gewachsenen Gewinnen am selben Tag ankündigt, 6400 Menschen zu entlassen», sagte Müntefering. «So etwas deprimiert die Menschen und raubt ihnen das Vertrauen in die Demokratie.»

Gleichzeitig mahnte er die Unternehmen zu mehr Verantwortung. «Die Wirtschaft muss wissen: Sie ist für die Menschen da, nicht umgekehrt», sagte Müntefering. Manche Finanzinvestoren verschwendeten keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichteten. «Sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über die Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter», sagte Müntefering. «Gegen diese Form von Kapitalismus kämpfen wir.»

Der SPD-Chef wies zudem Kritik der Arbeitnehmer an geplanten Mindestlöhnen zurück. Das Argument der Unternehmerverbände, durch Mindestlöhne wanderten Arbeitsplätze nach Osteuropa ab, sei nicht stichhaltig, sagte Müntefering. «Die Fensterputzer am Reichstag können die Fenster nicht in Polen putzen. Das heißt: Gerade Dienstleistungs- Arbeiten sind nicht einfach ins Ausland zu verlegen. Diese Branchen schützen wir mit einem Entsendegesetz, das über den Bau hinausgeht.»

Zugleich bekräftigte der SPD-Chef ein scharfes Vorgehen gegen illegale Beschäftigung. «Viele osteuropäische Arbeitnehmer kommen nicht legal», sagte Müntefering. Sie seien von Verleihfirmen zum Beispiel in die Schlachtereien geschickt worden und müssten als Scheinselbstständige teilweise zu Hungerlöhnen arbeiten. «Da werden Gesetze unterlaufen, und wir werden dagegen mit massiven Kontrollen vorgehen», so der SPD-Vorsitzende weiter.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%