Kardinal-Kritik an Seehofer
CSU verbittet sich kirchlichen Beistand

Das ging sogar den Christsozialen zu weit: CSU-Spitzenpolitiker haben dem Kölner Erzbischof Joachim Meisner bedeutet, er möge sich aus dem Führungsstreit zwischen Erwin Huber und Horst Seehofer doch bitte raushalten. Meisner hatte Seehofer wegen seiner außerehelichen Amouren für ungeeignet für den Parteivorsitz erklärt.

HB MÜNCHEN/BERLIN. Der Chef der CSU-Landesgruppe innerhalb der Unionsfraktion im Bundestag, Peter Ramsauer sagte dem „Münchner Merkur“: „Ich weiß nicht, in welchem Zusammenhang diese Äußerungen gefallen sind. Eine Partei würde sich jedenfalls davor hüten, sich in Berufungsverfahren von Bischöfen oder Kardinälen einzumischen“. Der bayerische Landtagspräsident Alois Glück (CSU) sagte am Donnerstag: „Ich persönlich halte die Art, wie Kardinal Meisner sich geäußert hat, nicht für angemessen.“ Über den Führungsposten entschieden die Delegierten des CSU-Parteitags und „die Christen in der CSU in ihrer Verantwortung“.

Auch der stellvertretende Vorsitzende der CSU-Grundsatzkommission, der Bundestagsabgeordnete Georg Fahrenschon, sagte dem Blatt, „es sei nicht Aufgabe einer Amtskirche, sich in Einzelfragen oder Personalentscheidungen einzumischen“. Fahrenschon, der Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken ist, verwies darauf, dass Seehofer in den Diözesanrats in seiner oberbayerischen Heimatregion Eichstätt gewählt sei. „Die Partei und ihre Delegierten können sehr gut abwägen zwischen den Schwierigkeiten, die das Leben für jeden von uns bereithalten kann, und dem Anspruch, den jemand als Parteivorsitzender zu erfüllen hat.“

Seehofer selbst wollte sich zu Meisners Kritik nicht äußern: „Das kommentiere ich nicht“, sagte Seehofer er der „Passauer Neuen Presse“. Der Bundeslandwirtschaftminister, dem eine 32 Jahre alte Geliebte nachgesagt wird, die von ihm ein Kind erwarte, schweigt zu dem Thema ohnehin eisern.

Kardinal Meisner hatte im Kölner „Express“ über die angebliche außereheliche Beziehung Seehofers gesagt: „Wenn es stimmt, muss man fragen: Wie will er denn Vorsitzender einer christlichen Partei werden? Wie weit sind wir eigentlich gekommen?“ Wenn bei einem Politiker das Private ausgeblendet werde, sei dieser vielleicht „schizophren und gehört zum Arzt, aber nicht auf einen Ministersessel“, sagte der innerhalb der Kirche als Hardliner geltende Meisner.

Als einzige höhere CSU-Politikerin sprang Barbara Lanzinger Meisner bei. Sie gehört dem Vorstand der CSU-Frauenunion an und forderte in der „Bild“-Zeitung, Seehofers Privatleben nicht aus der Debatte um den Partei-Vorsitz auszuklammern: „Ich verurteile sein Privatleben nicht, aber die Wähler dürfen von einem CSU-Chef erwarten, dass Reden, Denken und Handeln übereinstimmen. Eine Debatte darüber muss auch in der derzeitigen Diskussion um den Parteivorsitz zulässig sein.“

Selbst die bayerischen Bischöfe schlugen moderatere Töne als Meisner an. Der Passauer Bischof Wilhelm Schraml betonte die Vorbildfunktion von Politikern. „Jede Person, die ein öffentliches Amt innehat, insbesondere wenn sie politische Verantwortung trägt, ist in besonderer Weise aufgefordert, Vorbildfunktion zu übernehmen“, sagte Schraml der „Passauer Neuen Presse“.

Seehofer und Bayerns Wirtschaftsminister Huber wollen auf dem CSU-Parteitag im September jeweils als Kandidaten für die Nachfolge von Parteichef Edmund Stoiber antreten. Stoiber will zudem sein Amt als bayerischer Ministerpräsident aufgeben. In dieser Funktion will ihn Innenminister Günther Beckstein beerben. Dieser Personalwechsel gilt als unstrittig.

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