Karikaturenstreit: Berlin fürchtet Unruhen deutscher Muslime

Karikaturenstreit
Berlin fürchtet Unruhen deutscher Muslime

Während der Karikaturen-Streit in der arabischen Welt weiter Gewalt auslöst, bleiben die Proteste in Deutschland friedlich. Die Mehrheit der hier lebenden Muslime kommt aus der Türkei. Integrationsexperten sehen darin einen großen Vorteil. Doch die Union sorgt mit ihren jüngsten Äußerungen über Ankara für Aufregung.

HB BERLIN. Nach dem Karikaturen-Streit steht für die Bundesregierung der „Dialog der Kulturen“ ganz oben auf die Agenda. In Berlin wächst die Sorge, dass die traditionell guten Beziehungen Deutschlands in die arabische Welt leiden könnten. Bundeskanzlerin Angela Merkel messe dem Thema Priorität bei, sagte ein Regierungssprecher.

Das Auswärtige Amt wies zwar darauf hin, dass Deutschland den Dialog bereits sehr intensiv betreibe. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) warnte jedoch: „Wir dürfen nicht zulassen, dass dieser Streit zu einem Kampf der Kulturen wird.“ Die Befürchtungen in Berlin hatte vor allem ein Sprecher der iranischen Nationalgarde ausgelöst, als er Merkel mit Hitler verglich. Die Wirtschaft sorgt sich, dass ihre traditionell guten Beziehungen in die arabische Welt leiden könnten.

Die Äußerungen sorgten parteiübergreifend für Empörung. Trotz der mäßigenden Worte Steinmeiers verwahrte sich der außenpolitische Sprecher der SPD, Gert Weisskirchen, gegen verbale Attacken aus dem Iran. „Beleidigungen wie gegen die Bundeskanzlerin müssen natürlich entschieden zurückgewiesen werden“, sagte Weisskirchen dem Handelsblatt. „Aber wir dürfen dabei nicht in einen Krieg der Rhetorik verfallen.“ Genau dies wollten die Hardliner „auf der anderen Seite“.

Auch in den Regierungsfraktionen wird es mittlerweile aber als „unglücklich“ empfunden, dass Merkel auf der Münchner Sicherheitskonferenz einen Vergleich zwischen der iranischen Führung und der Frühphase des Nationalsozialismus angestellt hatte. Solche historischen Vergleiche seien immer problematisch, meinten mehrere Parlamentarier, die nicht genannt werden wollten.

Das Außenministerium wies darauf hin, dass Deutschland bereits einen intensiven Dialog mit der islamischen Welt pflege. Im Januar 2002 wurde dazu eigens ein spezieller Beauftragter ernannt. Das Amt hat seit Sommer vergangenen Jahres der Diplomat Hans-Günter Gnodtke inne, der über einen Stab von 25 so genannter „Dialog-Referenten“ verfügt. Das Geld dafür war erstmals im Rahmen des Anti-Terror-Pakets 2002 zur Verfügung gestellt worden.

Seit Februar 2005 sendet die Deutsche Welle darüber hinaus halbstündige Nachrichtensendungen in arabischer Sprache. Bundesaußenminister Steinmeier hat in den vergangenen Tagen zudem intensiv mit Kollegen in arabischen Ländern telefoniert, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Als Begleiterscheinung der Debatte über den Umgang mit dem Islam rückt auch das Thema eines möglichen EU-Beitritts der Türkei wieder in den Vordergrund der innerdeutschen Debatte. Unionspolitiker sehen sich in ihrer Einschätzung bestätigt, dass ein Beitritt des islamischen Landes die Europäische Union überfordern würde.

Seite 1:

Berlin fürchtet Unruhen deutscher Muslime

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%