Karl Lauterbach
Experte fordert höhere Pflegebeiträge

„Pflege-Bahr“, also die staatlichen Zuschüsse zu privaten Pflege-Zusatzversicherungen, reicht nicht aus, kritisiert SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach - und fordert stattdessen höhere Pflegebeiträge.
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BerlinHeute verabschiedet das Kabinett die Durchführungsverordnung zum "Pflege-Bahr", zu den staatlichen Zuschüsse zu privaten Pflege-Zusatzversicherungen. Angesichts der hohen Kosten für Pflegepatienten fordert der Gesundheitsexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, höhere Beiträge zur Pflegeversicherung. Eine qualitativ bessere Pflege und ein sinkender Eigenanteil wären die Folge, sagte Lauterbach der „Passauer Neuen Presse“ (Mittwoch). „Für fünf bis sechs Milliarden Euro ließe sich eine deutlich bessere Pflege darstellen. Die Beiträge müssten um 0,5 Prozent angehoben werden.“

Die von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) geplanten Zuschüsse zu privaten Zusatzversicherungen lehnte Lauterbach ab: Mit den fünf Euro Staatszuschuss führe dies nur zu etwa 3000 Euro Kapital für den Pflegefall.

Auch die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, kritisierte Bahrs Projekt. „Der "Pflege-Bahr" ist völlig ungenügend, um den Kostenanstieg abzufedern. Er ist nicht einmal ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagte sie der „Berliner Zeitung“ (Mittwoch). „Angesichts der tatsächlichen Kosten würde eine private Versicherung sehr hohe Beiträge voraussetzen. Die können sich die wenigsten leisten.“

Pflegebedürftige müssen im Schnitt mehr als 37 000 Euro aus eigener Tasche für die Pflege zahlen, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Pflegereport 2012 der Krankenkasse Barmer GEK hervorgeht. Die Pflegeversicherung übernimmt demnach nur weniger als die Hälfte der gesamtem Pflegekosten - im Schnitt gut 33 000 Euro. Auch die Autoren der Studie kritisierten die Anfang 2013 beginnenden Zusatzversicherungen zur Pflege mit staatlicher Förderung kritisierten als viel zu gering bemessen. Heute verabschiedet das Kabinett die Durchführungsverordnung zum "Pflege-Bahr."

 
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Bevor man immer mehr Kassen aufmacht, um den Bürger zu melken, sollte man das ganze Gesundheits,Pflegesystem in die Tonne klopfen und einen gemeinsamen Weg suchen und gehen.
    Gerade in Gesundheit und Pflege sollte man nicht immer neue Wege finden um Geschäfte mit den Gesunden machen zu wollen. Die Ausgaben sollten an erster Stelle den Kranken zugute kommen, und die Personen die in der Pflege beschäftigt sind, sollten ordentlich behandelt werden.
    Warum zahlen nicht alle nach ihren Möglichkeiten in ein System unter Berücksichtigung einer einheitlichen Gebührenordnung für Ärzte, die für jeden Bürger ersichtlich ist.
    Was jetzt wieder passiert, ist ein verkomplizieren eines schon unübersichtlichen Gesundheitssystems, bei dem nur Privilegien von einigen und Lobbytum gewahrt werden soll.
    Warum zwingt man die Bürger in bestimmte Systeme wie GKV,PKV.
    Man spricht immer von Dualität zwischen GKV und PKV. Nur trauen sich beide nicht dem Wettbewerb zu stellen.
    Wenn ein System wie PKV nicht mehr das erwirtschaften kann, was es zur Deckung braucht, und Versicherte durch immer höhere Beiträge in Armut getrieben werden, und dadurch auf staatliche Hilfe angewiesen sind, ist doch alles gesagt.

  • Es ist auch vollkommen schwachsinnig weil es NOCH KOMPLIZIERTER und NOCH BÜROKRATISCHER wird. Sollen alle nachher DUTZENDE Zusatzversicherungen für alle Lebenseventualitäten abschließen???

    Schwachsinn Hoch10 - Bürokratie 1000 --

    das andere wäre weniger aufwendig und unkomplizierter. Apropros älter werdende Gesellschaft: durch diesen ganzen Kram mit Zusatzversicherungen, Eigenanteilen, Befreiungsgrenzen etc. wird es für alte Leute immer weniger durchschaubar.

    die aufgeblähte Bürokratie zusätzlicher Papierwirtschaft sorgt dann dafür, dass ein Heer von Sozialbetreuern angeheuert werden muss.

    allerdings bin ich auch dagegen, alle Sozialkosten immer über Arbeit/Sozialabgaben zu bezahlen.

    Man sollte mehr über Steuern finanzieren statt nur über Sozialabgaben. Nicht um Arbeitgeber zu schonen, sondern auch wegen den Beitragsbemessungsgrenzen, die besonders hohe EK unangemessen weniger daran beteiligen. Stattdessen würd ich mehr über Steuern finanzieren wie in vielen anderen Ländern und diese anheben und erweitern bei bestimmten Gruppen.

    wobei DE von den Lohnstückkosten eh nur im Mittelfeld liegt. Arbeitgeberpropaganda von explodierenden Kosten kann man sich auch sparen - real stagnieren die Sozialausgaben wenn man sie in Relation zum BIP betrachtet.

  • Wenn die Rente oder das Vermoegen nicht reichen, muessen die Angehoerigen zahlen! Nicht jeder in unserer Gesellschaft hat die noetigen Ruecklagen oder Gehalt zZt ueber 2000 Euro monatlich beizutragen, dann geht die Rechnung an die Gesellschaft.

    Bei 1/3 und mehr die nur Hartz4 an REnte erhalten wird, und diese Haushalte haben oft keine Immobilie oder Ruecklagen, koennen wir uns ausrechnen was auf die Allgemeinheit in 10 - 15 Jahren zukommt.

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