Karl-Theodor zu Guttenberg
Herr Minister von und zu Omnipräsent

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg kann an keinem Mikrofon vorbeigehen, ohne etwas zu sagen. So viel Mitteilungswille ist in der Politik nicht ganz ungefährlich.

BERLIN. Montagabend, 23.10 Uhr. Bei N24 beginnt „Was erlauben Strunz!?“ eine Sendung, die über einen Marktanteil von zwei Prozent kaum je hinauskommt. Fernsehen der unteren Güteklasse eben. Auf dem Bildschirm erscheint zunächst Karl-Theodor zu Guttenberg leibhaftig, dann erst Moderator Claus Strunz. Der nennt seinen Gast schmeichlerisch „Medienbundeswirtschaftsminister“. Dann befragt er ihn zu seinem Adelstitel, seinen Töchtern, natürlich zu Opel, zu seiner Arbeitsbelastung im Allgemeinen und den Schlafdefiziten im Speziellen. Zu Guttenberg trägt den hellgrauen Anzug und lächelt zu allem freundlich.

Wie viele Interviews der Minister an jenem Tag vor 23.10 Uhr bereits gegeben hat? Selbst Leute in seinem Umfeld müssen passen. Sie haben aufgehört zu zählen.

Ohne den neuen Wirtschaftsministers geht im deutschen Fernsehen derzeit nichts mehr. Karl-Theodor zu Guttenberg erklärt die Wirtschaftskrise auf allen Kanälen. Per kurzem Statement vor einer wichtigen Gremiensitzung, nach einem Treffen mit Automanagern, vor seinem Ministerium, in seinem Ministerium, auf dem Weg zu einer Veranstaltung, auf dem Gang, stehend, sitzend, im Mantel, im Pulli, im Sakko – der Minister spricht in jedes Mikrofon und pilgert auch gern persönlich ins Studio.

Der Unterschied zu seinem Amtsvorgänger Michael Glos (CSU) könnte kaum größer sein. Der war als Minister mit den Medien nie warm geworden. Und ein paar unglückliche Auftritte in Talkshows trugen nicht eben dazu bei, seine Popularität zu vergrößern. Im vergangenen Jahr musste sich Glos den Vorwurf anhören, zur Wirtschaftskrise zu lange geschwiegen zu haben. Als er sich dann doch einmischte, wollte niemand mehr auf ihn hören. Das Ende ist bekannt.

Glos' Abgang vor einem Monat markierte den Beginn des Aufstiegs zu Guttenbergs. Auserkoren von CSU-Chef Horst Seehofer, soll der 38-Jährige das Profil seiner Partei schärfen, damit sie bei der Europawahl im Juni und der Bundestagswahl im September an vergangene Erfolge anknüpfen kann.

Und zu Guttenberg schärft, dass es seinem Parteichef eine Freude sein dürfte. „Vielen ist mit dem Amtsantritt des neuen Ministers überhaupt erst bewusst geworden, dass ein Bundeswirtschaftsministerium existiert“, sagt einer aus der Schar der Berliner Medienberater, der die ersten Wochen des neuen Ministers wohlwollend betrachtet. Selbst die Sprechblasen, die zu Guttenberg wie jeder andere Politiker auch verwende, klängen vergleichsweise intelligent, lobt der Medienprofi. Ein wenig sei das Dampfplaudern auch der Lage geschuldet. Der Minister habe keine Chance gehabt, zurückhaltend zu starten: „Wenn die Hütte drumherum brennt, gibt es keine Schonfristen.“

Also immer weiter so? „Das kann auch schnell zum Bumerang werden“, sagt ein anderer Polit-Watcher. Die Gefahr, dass sich ein Politiker medial verschleiße, sei enorm.

Seite 1:

Herr Minister von und zu Omnipräsent

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%