Karsten Mühlenfeld Der Stuhl des BER-Chefs wackelt

Am Mittwochabend hat sich der Aufsichtsrat der Berliner Flughäfen zu einer Krisensitzung getroffen. Flughafen-Chef Karsten Mühlenfeld musste den Kontrolleuren Rede und Antwort stehen und bleibt im Amt – vorerst.
Update: 02.03.2017 - 01:09 Uhr 1 Kommentar
Der Druck steigt: Wird der Flughafenchef vom Aufsichtsrat entlassen? Quelle: dpa
Karsten Mühlenfeld

Der Druck steigt: Wird der Flughafenchef vom Aufsichtsrat entlassen?

(Foto: dpa)

BerlinDer Berliner Flughafenchef Karsten Mühlenfeld bleibt vorerst im Amt. Eine Sondersitzung des Aufsichtsrats zu seiner Zukunft endete in der Nacht zu Donnerstag ohne Ergebnis, wie das Unternehmen mitteilte. Das Kontrollgremium wolle seine Beratungen am kommenden Montag fortsetzen.

Der Bund hatte das Krisentreffen beantragt, weil Mühlenfeld Personalentscheidungen auf der Baustelle des neuen Hauptstadtflughafens gegen den Willen des Aufsichtsrats getroffen hatte. Es ist jedoch unklar, ob Mühlenfeld dabei Regelverstöße beging. Der Anteilseigner Brandenburg sperrte sich gegen eine Entlassung Mühlenfelds. Zuvor hatte es im Umfeld der Aufsichtsräte geheißen, es laufe auf eine Ablösung Mühlenfelds hinaus.

Das Land Berlin ist Handelsblatt-Informationen zufolge gegen Mühlenfeld, ebenfalls der Bund. Die Arbeitnehmervertreter haben sich nicht geäußert, sie gelten aber nicht als Unterstützer Mühlenfelds. Insgesamt hat der Aufsichtsrat 20 Mitglieder, vier aus Brandenburg, vier aus Berlin, zwei vom Bund und zehn Arbeitnehmervertreter.

Aus Brandenburg hieß es vor der Krisensitzung, Mühlenfeld solle in die Pflicht genommen werden, das Projekt zu Ende zu führen. Eine etwaige Inthronisierung eines Nachfolgers werde nicht unterstützt, weil es dem Projekt nicht dienlich sei, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen des Gremiums.

Wie man keinen Flughafen baut
Hauptstadtflughafen BER
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Am neuen Hauptstadtflughafen ist das erste Bauwerk schon wieder abgerissen: Der 32 Meter hohe Aussichtsturm für Baustellenbesucher hat seine Lebensdauer überschritten. Macht eigentlich nichts, denn im neuen Jahr sollte es ja eigentlich so weit sein: Der drittgrößte deutsche Flughafen endlich am Netz – nach Jahren der Neubau-Sanierung, nach Milliardenaufwand und Skandalen. Noch ist das der offizielle Zeitplan zur Eröffnung im Herbst 2017, aber alles spricht dafür, dass dieser Plan im Januar gekippt wird. Es wäre die fünfte Verschiebung, die Verspätung würde sich noch einmal um ein halbes Jahr auf dann sechseinhalb Jahre verlängern. 2017 ist einfach zu kurz für all das, was die Verantwortlichen noch schaffen müssen. Ein Überblick.

Genehmigen
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Der Kampf gegen Murks beim Brandschutz und anderen Einrichtungen im Terminal glich einer Sanierung im Bestand – mit immer neuen Bauanträgen. Für Mitte Januar rechnet Flughafenchef Karsten Mühlenfeld mit der letzten Genehmigung – hoffentlich ohne Nachforderungen des Bauamts. Denn der Ingenieur hat Airlines, Passagiere und Politik schon lange hingehalten: Er will auf Nummer sicher gehen, bevor er einen definitiven Eröffnungstermin nennt. „Wir erwarten eine auf Herz und Nieren geprüfte Einschätzung“, sagte der Aufsichtsratschef, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), nach einer Sitzung des Kontrollgremiums Anfang Dezember. Das klang wie eine Drohung an Mühlenfeld. Denn jeden Monat verschlingt der leere Flughafen 17 Millionen Euro Betriebskosten, zudem fehlen eingeplante Mieteinnahmen von 13 bis 14 Millionen.

Fertig bauen
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Erst nach der letzten Genehmigung kann Mühlenfeld sicher sein, dass keine wesentlichen Umbauten mehr anstehen. Bei den vorherigen Anträgen hatte das Bauamt immer noch neue Mängel entdeckt: Lüfter unter der Terminaldecke standen auf zu schwachen Bühnen, am Bahnhofseingang zog der Rauch im Brandfall nicht richtig ab – das brachte jedes Mal neue Verzögerungen.

Testen und abnehmen
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Seit Monaten arbeiten sich Teams Abschnitt für Abschnitt durch das Terminal und nehmen Anlagen in Betrieb. Noch bis zum Sommer werden nach und nach alle Geräte eingeschaltet und geprüft, ob sie auch im Verbund laufen. „Nicht alles, was man einschaltet, funktioniert“, berichtet Mühlenfeld. Immer wieder sind kleine Umbauten nötig. Der Brandfall wurde in den meisten Bereichen bisher nur am Computer simuliert. Heißgasrauchversuche sollen im neuen Jahr zeigen, ob die Entrauchung wirklich funktioniert. Weil die Zeit knapp ist, sollen Tests, behördliche Abnahmen und Probebetrieb teils parallel laufen.

Proben
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Im Mai soll der Probebetrieb beginnen. Das gab es schon mal – vor der geplatzten Eröffnung des Flughafens 2012. Damals mussten die Komparsen Gepäckwagen an Baugerüsten vorbeibugsieren. 10 000 Freiwillige sollten Schwachstellen aufdecken. Die größte fand jedoch das Bauamt – den Brandschutz – und stoppte die Eröffnung. Mühlenfeld versichert: „Wir stehen heute ganz anders da als 2012.“

Umziehen
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Rund 1500 Lastwagen werden sich für den Flughafen-Umzug auf die 35 Kilometer lange Strecke von Tegel nach Schönefeld machen müssen. Anders als 2012 soll dieses Mal aber nicht alles in einer Nacht herüber, sondern in einem Zeitraum von vier Wochen.

Erweitern
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Der alte Flughafen Tempelhof ist seit 2008 geschlossen. Spätestens sechs Monate nach dem BER-Start soll auch Tegel schließen. Doch der Neubau in Schönefeld ist mit möglichen 27 Millionen Passagieren pro Jahr zu klein. Die Planer in den 90er Jahren hatten nicht erwartet, dass Berlin 2016 schon rund 33 Millionen Fluggäste zählen würde. Neben dem neuen Terminal soll ein weiteres entstehen, das in Sichtweite gelegene alte Schönefelder Terminal für rund 10 Millionen vorerst offen bleiben. Mühlenfeld steht vor dem Spagat, einerseits die Eröffnung voranzutreiben, andererseits schon die Erweiterung zu planen. Wieder ist die Debatte entbrannt, ob der Flughafen Tegel am Rande der Innenstadt nicht doch einfach offen bleiben sollte.

Vor allem aber Berlin ist verärgert über den Manager. Der hatte in der vergangenen Woche Marks entlassen und dafür einen Interimsmanager engagiert: Christoph Bretschneider, Ex-Geschäftsführer der DB ProjektBau GmbH und zuletzt als selbständiger Unternehmensberater tätig.

Offenbar ist Berlin der Meinung, dass mit Marks der Falsche gehen musste, da es im Vorfeld der Sitzung nicht ausgeschlossen wurde, dass der bisherige Technik-Chef zurückgeholt werde. In welcher Funktion blieb offen.

Der Rausschmiss hatte aber wohl das Fass nur zum Überlaufen gebracht. Die Vorbehalte gegen den früheren Rolls-Royce-Manager, der auf Betreiben Brandenburgs zum Flughafenchef ernannt worden war, waren nie ganz verschwunden. Wiederholt sollen Kommunikationsprobleme zwischen Mühlenfeld und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Müller, Berlins Regierendem Bürgermeister, aufgetreten sein, die das Vertrauen belastet haben. Der Bund war von Anfang an gegen Mühlenfeld, hatte aber 2015 als Minderheitsgesellschafter klein beigegeben.

Als neuer Geschäftsführer wurde über die Aufsichtsratsmitglieder Rainer Bomba (Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium) und Engelbert Lütke Daldrup (Staatssekretär in der Berliner Senatskanzlei) spekuliert. Vor Mühlenfeld hatte Hartmut Mehdorn versucht, den Flughafen an den Start zu bringen - und war gescheitert. Der Start des Flughafens war 2012 wegen Problemen an der Brandschutzanlage gestoppt worden. Seitdem wurden eine Reihe neuer Termine genannt, die allesamt gerissen wurden, zuletzt eine Eröffnung Ende 2017.

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1 Kommentar zu "Karsten Mühlenfeld: Der Stuhl des BER-Chefs wackelt"

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  • Berlin, totales Chaos in Verwaltung und Politik. Die Stadt braucht einfach mehr Leute vom Schlage eines Georg Pazderskis.
    Der hat vor kurzem eine hervorragende Rede im Berliner Abgeordnetenhaus gehalten und den Regierenden haarklein ihr Versagen aufgezählt und dazu noch gleich bessere Lösungen aufgezeigt.

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